Public lecture in Zurich

I am looking forward to my next lecture at the ETH in Zürich, organized by the Swiss Chapter of the IEEE Society on Social Implications of Technology (SSIT). It will be similar to the lecture I gave at Hilti a couple of weeks ago, with some recent updates.

Where: ETH Zurich
When: 2019-11-27 18:30 – 20:00
Admission free.
Registration and further details:
https://nordborg.eventbrite.com

Here is the flyer as PDF: SSIT-flyer.pdf. Please feel free to distribute.

Aufruf zum Konsumstreik

Mein Interview und Aufruf zum Konsumstreik in 20min haben einige (mehrheitlich positive) Reaktionen ausgelöst. Danke für die Unterstützung und die interessanten Inputs. Hier der Link zum Text: Klima-Professor ruft zu Konsumstreik auf

Kleine Klarstellung: Ich bin natürlich kein Klimaforscher sondern ein theoretischer Physiker, der sich für Klimaschutz und Energietechnik interessiert. Dafür war ich 10 Jahre lang in der Privatwirtschaft tätig und verstehe wie global tätige Unternehmen funktionieren. Ich habe bewusst diese Laufbahn gewählt, da wir schon genug über das Klima wissen. Jetzt geht es darum, Lösungen zu finden.

Einige Wortmeldungen im Internet haben wieder gezeigt, wie viel Unwissen in der Gesellschaft vorhanden ist. Vielleicht sind folgende Links nützlich, um etwas Klarheit zu schaffen:

Die Zeit hat ein gutes Video mit Stefan Rahmstorf über die Konsequenzen des Nichthandelns veröffentlicht: Was, wenn wir nichts tun?

Mein Artikel auf higgs.ch fasst unsere Probleme auch recht gut zusammen: Was müssen wir noch wissen?

Update: Deutschlands führende Ökonomen fordern Konsumverzicht. Ich bin also in guter Gesellschaft.

Kauft nichts!

Es passiert mir schon nicht jeden Tag, dass ich im Feuilleton der Frankfurter Allgemeine Zeitung zitiert werde. Danke an Marcus Jauer, der einen schönen Artikel über unsere noch verbleibenden Möglichkeiten geschrieben hat.

Kauft nichts, FAZ, 6. Oktober 2019

Wer nichts mehr kauft, sprengt das System.

„Wenn wir das Wachstum nicht vom Kohlendioxidausstoß entkoppeln können, muss eben die Wirtschaft schrumpfen”, sagt Henrik Nordborg, der an der Hochschule Rapperswil in der Schweiz Erneuerbare Energien lehrt und einen Konsumstreik für die einzige Möglichkeit hält, den Klimawandel aufzuhalten.

Also kein neues Auto, auch nicht, wenn es elektrisch ist. Keinen Flug, auch wenn er kompensiert werden kann. Kein Obst, kein Gemüse und kein Fleisch, das nicht aus der Region kommt. Eigentlich gar kein Fleisch. Kein neues Handy, keine neuen Sneaker, keinen Liter Sprit, nie mehr. Kein Kauf aus Langeweile, als Belohnung, um sich abzuheben oder mitzu­halten, auch diesen Stress nicht mehr. Wenn etwas kaputt geht, lässt man es reparieren. Wenn das nicht geht. versucht man, ohne klarzukommen. Dieses Prinzip liegt so weit außerhalb der Logik des Systems, dass es dagegen keinerlei Vorkehrungen kennt. Nichts zu kaufen ist nicht verboten, trifft aber viel effizienter als nachhaltiger Konsum. Denn damit ein Käuferstreik wirkt, braucht es womöglich viel weniger Leute.

Graeme Maxton, früherer Generalse­kretär des Club of Rome, glaubt, es würde schon genügen, wenn die Europäer zehn Prozent weniger konsumieren, um die Fabriken der klimaschädlichen Industrien unter den Auslastungsgrad zu drücken, den sie brauchen, um ihre Kosten zu decken. Das wäre der Versuch, gezielt jene Geschäftsmodelle in die Pleite zu treiben, die sich ohnehin nur rechnen, weil sie für die Umweltschäden, die sie verursachen, nicht aufkommen – die Erdölförderung, der Automobilbau, die Luftfahrt, die Zementherstellung, die in­dustrielle Landwirtschaft. Wer das Klima schützen will, man kann es nicht anders sagen, muss eine Wirtschaftskrise auslösen.

Das klingt irre? Es ist einfach nur die Situation, in die wir uns gebracht haben.

Marcus Jauer, “Kauft nichts”, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Oktober 2019

Link zum vollständigen Artikel.

Gitter statt Klimaschutz

Polizeiwache Zürich, 8. Juli 2019

Es gab Gesetze, welche das Verbrennen von Hexen erlaubten. Es gab Gesetze, welche das Auspeitschen von Sklaven erlaubten. Es gab Gesetze, die das Schlagen der eigenen Ehefrau oder der eigenen Kinder erlaubten.

Diese Gesetze gibt es (in Europa) nicht mehr. Der Grund dafür ist, dass Menschen bereit waren zu kämpfen. Dabei ist das Problem stets das Gleiche: Die Gesetzeshüter hüten das Gesetz, auch wenn es nicht verdient gehütet zu werden.

Es gibt immer noch Gesetze, welche das Ausbeuten der Natur zu Lasten künftiger Generationen erlauben. Welche die irreversible Zerstörung wertvoller Ökosysteme für Profit billigen. Diese Gesetze gibt es, weil der Kampf noch nicht gewonnen wurde.

Die Aktivist*innen, welche letzten Montag vor dem Hauptsitz der Credit Suisse verhaftet wurden, sind die Kämpfer*innen der Gegenwart, welche eine bessere Gesellschaft bauen wollen. Natürlich haben sie recht. Aber ebenso selbstverständlich gibt es Menschen, welche gedankenlos bereit sind, den Fortschritt zu verhindern. Sie stehen auf der falschen Seite der Geschichte, wissen dies aber noch nicht.

Das muss man sich vorstellen. Eine kleine Gruppe friedlicher Aktivisten protestiert gegen die Geschäftspraktiken der CS. Sie bedrohen niemanden und verursachen keinen Sachschaden. Statt auf Dialog zu setzen, fordert die CS die gewaltsame Auflösung der Demo. Wer Kunden aus Saudi-Arabien befriedigen möchte, muss wohl mit Härte beeindrucken können. Vielleicht sollen wir froh sein, dass die Polizisten nicht mit Knochensägen ausgestattet waren.

Durch die unverhältnismässige Reaktion der CS haben wir alle etwas gelernt: Ohne Moral gibt es kein Recht. Gesetze eines unmoralischen Staates müssen nicht befolgt werden und Einschüchterung funktioniert sowieso nicht.

Can we get serious now?

Since everybody has gotten used to bad news about the climate and the state of the environment, it is nice to be able to bring some really terrifying news for a change. Sorry, but sarcasm and dark humor is the only way to cope with the situation.

The latest BP Statistical Review of World Energy is titled “Energy in 2018: an unsustainable path”. You know you should be worried when the chief economist of a major oil company is concerned about the rise in energy consumption.

The report concludes that energy demand rose by 2.9% last year, resulting in a 2.0% increase in CO2 emissions. Obviously, this is not in line with any emission paths compatible with the survival of humanity.

The truly horrifying part of the story is that the increase was largely driven by climate change. In order to cope with extreme heat and extreme cold, people used more energy. If anyone wanted to know what a tipping point looks like, you can look now. This is a perfect example of a positive feedback loop.

We need to reduce global CO2-emissions by at least 6% per year, starting right now. No conceivable international political process will make this happen. Just think about it: international treaties take years to negotiate and formulate and need to be ratified by national governments.

As I have stated for some years now, we have passed the political point of no return. So, stop buying and stop flying. It is the only chance we have.