The Power of Imagination

The idea with my recent writeup on “Global Climate Compensation” was that it should be thought-provoking and it does indeed seem to have provoked some thoughts. Thanks a lot for the feedback! I truly appreciate both the positive and negative comments because they allow me to improve the argument. Listen and learn!

Patrick Chappatte

The main points of my article were the following:

  • The world currently does not have a realistic plan for preventing catastrophic climate change. The IPCC-scenarios compatible with less than +2.0°C of global warming contain a ridiculous amount of wishful thinking.
  • There are no indications that it will be possible to prevent Climate Armageddon unless we are prepared to drastically lower our consumption of natural resources, which would reduce the size of the economy, requiring negative growth or Degrowth.
  • This will also require a massive transfer of wealth from the rich to the poor. If the economy is not growing, we need to share available resources in an equitable manner.
  • We are rapidly running out of time.
  • Global Climate Compensation offers a realistic path to a more sustainable future if it could be implemented.

The question, for which I do not yet have the answer, is how to make this happen. What I love about the “Sapiens” by Yuval Harari is that he is very frank about the power of myths or imagination:

These imagined orders are inter-subjective, so in order to change them we must simultaneously change the consciousness of billions of people, which is not easy. A change of such magnitude can be accomplished only with the help of a complex organisation, such as a political party, an ideological movement, or a religious cult. However, in order to establish such complex organisations, it’s necessary to convince many strangers to cooperate with one another. And this will happen only if these strangers believe in some shared myths. It follows that in order to change an existing imagined order, we must first believe in an alternative imagined order.

Harari, Yuval Noah. Sapiens: A Brief History of Humankind (p. 118). HarperCollins.

I am convinced that he is right. Detailed planning will be necessary at some point, but we first have to offer a lot of people an appealing vision for the future. We will never be able to mobilize people under the banners of “complex emission trading schemes”, even if they were to work. I have now given many public lectures over the years and had to learn the hard way how to talk to a mixed audience. One of the easiest ideas to convey is that economic growth is incompatible with saving the planet. Pardon the language, but you simply cannot eat more and shit less! Everyone understands this. The vast majority also agrees that climate change is real. The fundamental problem we have is with materialism and inequality. If we continue to define success in terms of material wealth, we will never solve the problem.

On the other hand, there is no political majority for an egalitarian society. Personally, I do not mind people benefitting from talent and hard work. The problem is when they profit from the exploitation of other people and natural resources. Nobody seriously believes that the salary of a hedge fund manager is in any way related to the work he puts in and the profits from an coal company depend almost entirely on its right to destroy nature. Global Climate Compensation would not be a problem for people who work for a living. It is the “non-working rich” who need to rethink.

When people criticize me for not having a finished plan for saving humanity, my usual response is that in this respect I am in very good company. But, as Richard Feynman said, “Questions that cannot be answered are preferable to answers which may not be questioned”. I am working on it, but we have a long and stony road ahead of us.

Rise Up For Change!

Die Aufkündigung des Generationenvertrags ist eine historische Erstmaligkeit. Wir wissen von keiner Gesellschaft, die sich selbst außerhalb eines generationenübergreifenden Geschichtsverhältnisses verstanden hätte. Wir kennen auch keine religiösen oder ideologischen Kosmologien, die die Gegenwart zum alleinigen Bezugspunkt für Denken, Entscheiden und Handeln genommen hätte. In gewisser Weise ist die heutige universale Masse von Ich-AGs eine konsequente Fortsetzung der Emanzipation von Naturverhältnissen, wie sie die Moderne seit je antreibt: Nun lebt und stirbt jede Generation für sich allein. Verpflichtungen, die das Selbst überschreiten, laufen den Funktionsbedingungen dieser Kultur zuwider. Genau deshalb hätte der Neoliberalismus so etwas wie Familie, Freundschaft, jede Form autonomer Sozialbeziehung nie erfinden können; genau deshalb versucht er auch, alles zu zerstören, was sich dem Markt nicht fügt.

Welzer, Harald. Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand
Quelle: https://polyp.org.uk/cartoons.html

Vor mehr als einem Jahr habe ich alle Politiker, denen ich begegnet bin, vor der Radikalisierung der Jugend gewarnt. Mir war klar, dass sich die Jugendlichen nicht einfach mit netten Worten und Beschwichtigungen zufriedengeben würden, sondern Taten sehen wollten. Zum Glück ist die unbewilligte Besetzung des Bundesplatzes immer noch bunt und fröhlich und durchaus als Einladung zum Dialog zu verstehen. Diese Chance sollte die Politik nicht verstreichen lassen.

Welche Optionen bleiben einem Staat, wenn die Jugend rebelliert und die «göttliche Ordnung» in Frage stellt. Sie als «Pack», «nichtsnutzige Aktivisten» und «Möchtegern-Kommunisten» zu bezeichnen und eine gewaltsame Räumung zu fordern ist nicht besonders konstruktiv und führt uns sicher nicht weiter. Ich arbeite im Bildungsbereich und würde niemals junge Menschen als «Pack» bezeichnen, aber vielleicht bin ich einfach besser erzogen als gewisse Nationalräte. Übrigens kenne ich viele von den Klimastreikenden persönlich und erlebe sie als äusserst sympathisch, engagiert und lebensfreudig. Sie sind intelligent genug, um die Schwachstellen der heutigen Gesellschaft zu erkennen und mutig genug, um etwas dagegen tun zu wollen.

Jemand hat mal Jean Ziegler mit folgenden Worten beschrieben: «Er schiesst oft über das Ziel hinaus aber selten daneben». Es kann darüber gestritten werden, ob und wie ziviler Ungehorsam zu rechtfertigen ist. Dass die Klimaaktivisten mit ihrer Empörung und ihren Forderungen recht haben, das ist unbestritten. Man kann nicht einfach den Generationenvertrag aufkündigen und hoffen, dass niemand es merkt. «Ihr zahlt unsere Renten und erbt dafür den Klimawandel» ist ein sehr schlechter Deal. Wenn die Jugend ihn annehmen würde, käme dies einer Bankrotterklärung des gesamten Bildungssystems gleich. Persönlich bin ich erstaunt, dass nicht mehr junge Menschen auf die Strasse gehen.

In einer sich erwärmenden Welt macht der Konservatismus keinen Sinn. Die Klimaerwärmung wird unsere Gesellschaft radikal verändern, ob es uns gefällt oder nicht. Der Tourismus, die Landwirtschaft, die Architekten und die Stadtplaner werden sich alle neuen Herausforderungen stellen müssen (siehe dazu die Klimakonferenz an der OST). Da es sich um eine beispiellose Krise handelt, können wir nicht auf Erfahrungen zurückgreifen, sondern müssen kreativ sein und improvisieren. Die Klimajugend macht es gerade vor.

Notausschalter (Wikipedia)

Die Klimaerwärmung schreitet aber so schnell voran, dass eine Anpassung bald gar nicht mehr möglich sein wird. Es gibt einen Grund, wieso in den Fabriken der Schweiz alle grossen Maschinen mit Notausschaltern ausgestattet sind. Wer unnötigerweise diesen Schalter betätigt, macht sich unbeliebt. Wer dies im Notfall nicht tut, macht sich strafbar. In der Corona-Krise waren die Regierungen der Welt bereit, den Not-Aus zu drücken. In der Klimakrise passiert dies erstaunlicherweise nicht. Das finde ich moralisch verwerflich.

Die Wirtschaftsleugner

Wirtschaftsleugner (meistens männlich): eine Person, die den eindeutigen Zusammenhang zwischen Wirtschaftsleistung, Ressourcenverbrauch und ökologischem Fussabdruck leugnet und ohne belegbare Argumente und mit Verweis auf noch zu erfindende Technologien für eine Lösung der Klimakrise innerhalb des bestehenden Wirtschaftssystems argumentiert.

Als «Klimaleugner» werden Personen bezeichnet, welche mit falschen Daten und mehrmals widerlegten Argumenten eine zielführende klimapolitische Debatte verhindern. Häufig handelt es sich um bezahlte Provokateure, die von irgendwelchen Thinktanks oder direkt von den Ölfirmen finanziert werden, um die menschengemachte Klimaerwärmung zu leugnen. Was sie wirklich glauben, wissen wir nicht, denn sie machen ja nur ihren Job. Leider waren sie in der Vergangenheit recht erfolgreich und haben wirksame klimapolitische Massnahmen blockieren können. Inzwischen sind sie aber durch Fakten dermassen diskreditiert, dass sie grösstenteils ignoriert werden können.

Heute liegt das Problem woanders. Viele Umfragen zeigen, dass weltweit etwa zwei Drittel der Menschen von der Gefährlichkeit der Klimaerwärmung überzeugt sind. Nehmen wir an, wir könnten diese Zahl auf 100% erhöhen. Wäre die Klimakrise dadurch gelöst? Wohl kaum, da wir immer noch Gründe finden würden, untätig zu bleiben. Es macht sich schlecht, wenn die politische Mehrheit der Minderheit die Schuld dafür gibt, dass nichts passiert.

Das wirkliche Problem sind nicht die Klimaleugner, sondern die «Wirtschaftsleugner». Damit meine ich Menschen, die den offensichtlichen Zusammenhang zwischen Wirtschaftsleistung und Umweltzerstörung leugnen. Sie sind zahlreicher, gefährlicher und in einem gewissen Sinne ignoranter als die Klimaleugner. Denn sie leugnen etwas, was eigentlich offensichtlich ist. Jedes Kind versteht, dass der Bau eines Autos eine kleinere ökologische Katastrophe darstellt, egal ob es sich um ein Elektroauto oder ein Dieselfahrzeug handelt. Es werden nicht-erneuerbare Ressourcen aus dem Boden geholt, die nachher auf einer Mülldeponie landen. Der ökologische Schaden ist irreparabel. Analog sind Windturbinen und Solarpanels weder nachhaltig noch ökologisch. Unter der Annahme, dass wir den Strom unbedingt brauchen, macht es selbstverständlich Sinn, diesen mit Sonne oder Wind zu erzeugen. Für die Umwelt wäre es aber besser, möglichst wenig Strom zu verbrauchen.

Für die Wirtschaftsleugner gibt es kein fundamentales Problem mit dem heutigen Wirtschaftssystem. Die Klimakrise soll vollständig durch technische Innovation gelöst werden, welche am besten über Kredite von der nächsten Generation finanziert wird. So wird sichergestellt, dass unsere Kinder nicht nur die Auswirkungen der Klimaerwärmung, sondern auch die finanziellen Kosten der gescheiterten Klimapolitik zu tragen haben werden.

Die Wirtschaftsleugner haben den Vorteil, dass der Fortschrittsglaube unserer Gesellschaft den Status einer Religion bekommen hat. Probleme ohne technische Lösungen gibt es nicht, weil es sie nicht geben darf. Auch beim Coronavirus gehen wir davon aus, dass die Wissenschaft möglichst bald eine Lösung finden wird. Dass diese von grossen Pharmaunternehmen mithilfe von Gentechnik und Tierversuchen entwickelt wird, ist den Menschen diesmal egal.

Selbstverständlich brauchen wir Wissenschaft und neue Technologien, um die Herausforderungen der Menschheit zu meistern. Das Problem ist nur, dass die politische Debatte von Dogmen überschattet wird, welche komplett unwissenschaftlich sind. So wird die Notwendigkeit des Wirtschaftswachstums noch nicht ernsthaft in Frage gestellt, obwohl das BIP eher Umweltzerstörung als menschliches Glück misst. Mit einem zweieinhalb Tonnen schweren SUV herumzufahren macht keinen Sinn, egal ob der Antrieb elektrisch ist oder nicht. Eine solarbetriebene Gartenbeleuchtung ist für die Umwelt schlechter als keine Gartenbeleuchtung. Eine grosse Wohnfläche braucht mehr Ressourcen also eine kleine. Diese einfachen Feststellungen werden auch nach der erhofften Energiewende gültig sein.

Technologie ist immer nur ein Mittel, um ein Ziel zu erreichen. Die Festlegung des Zieles ist Aufgabe der Politik, die allerdings die technische Machbarkeit berücksichtigen muss. Auf ein Wunder zu hoffen ist keine Strategie.

Es gibt inzwischen viele Vordenker*innen, die das jetzige Wirtschaftssystem hinterfragen: Kate Raworth, Jason Hickel, Irmi Seidel, Julia Steinberger, Nico Paech, Harald Welzer, Graeme Maxton und Yuval Harari, um nur einige Namen zu nennen. Sie werden gelesen, diskutiert und ignoriert. Immer mehr wissenschaftliche Artikel stellen den eindeutigen Zusammenhang zwischen Konsum und ökologischem Fussabdruck fest: Reiche Menschen verursachen einen grossen ökologischen Schaden, arme Menschen einen etwas kleineren. Kann Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppelt werden? Dies ist die für unseren politischen Handlungsspielraum entscheidende Frage. Seriöse Forschung und der gesunde Menschenverstand kommen zum Schluss, dass eine Entkopplung nicht möglich ist. Nachhaltiges Wachstum ist Wunschdenken!

Die Menschen haben aber grosse Angst, etwas aufgeben zu müssen. Wie Upton Sinclair es so wunderbar formuliert hat: «Es ist schwierig jemandem etwas zu erklären, wenn sein Gehalt davon abhängig ist, dass er es nicht versteht». Deshalb suchen wir alle nach Lösungen, die keine Gefahr des Bestehenden darstellen. Der Informatiker möchte die Klimakrise mit der Blockchain lösen, der Banker mit nachhaltigen Investitionen und der Elektrotechniker mit E-Mobilität. Diese Ansätze sind per se nicht schlecht, aber sie reichen bei weitem nicht aus, um die Herausforderungen der Menschen zu lösen. Sie können sogar kontraproduktiv sein, wie ein Beispiel aus Afghanistan zeigt. Die Provinz Helmand erlebt gerade einen veritablen Solarboom, der komplett privatwirtschaftlich finanziert wird. Die Solarpanels haben die Kosten für künstliche Bewässerung massiv gesenkt, was zu einem signifikanten Anstieg der weltweiten Opiumproduktion geführt hat. Leider hat die Entwicklung auch dazu geführt, dass der Grundwasserpegel um etwa 3 m pro Jahr sinkt. Wir stehen somit vor der vielleicht ersten durch erneuerbare Energien verursachten ökologischen Katastrophe der Welt.

Seit 30 Jahren versuchen wir unsere Umweltprobleme mit technischen Lösungen in den Griff zu bekommen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurde so viel fossiler Brennstoff verfeuert wie im Jahr 2019. Es ist höchste Zeit, einen anderen Weg einzuschlagen. Die Einsicht, dass wir für die Lösung der Klimakrise eine komplette Transformation der Gesellschaft bräuchten, ist aber keine schlechte Nachricht. Sie gäbe uns die Möglichkeit, ein ganz neues Wirtschaftssystem aufzubauen, was tatsächlich eine spannende Aufgabe wäre. Allerdings dürfen wir uns dann nicht auf technische Innovationen beschränken. Menschen, die Lösungen nur innerhalb des bestehenden Wirtschaftssystems suchen, sind weder innovativ noch besonders mutig. Aus Bequemlichkeit, Angst oder reiner Denkfaulheit leugnen sie das Hauptproblem unserer Gesellschaft. Die Klimaleugner konnten während Jahrzehnte wirksame politische Massnahmen gegen die Klimaerwärmung verhindern. Wir können nicht zulassen, dass den Wirtschaftsleugnern das Gleiche gelingt.

Hinweise

Die eleganteste Lösungen der globalen Klimakrise ist hier zu finden: www.global-climate-compensation.org.

Am 4. September meldet sich der Klimastreik zurück.

Am 16. September findet die erste Klimakonferenz des Klimaclusters an der Hochschule in Rapperswil statt.

Lesetipps und Quellen

Oreskes, Naomi; Conway, Eric M. (2010): Merchants of doubt. How a handful of scientists obscured the truth on issues from tobacco smoking to global warming. London: Bloomsbury.

Fagan, Moira; Huang, Christine (2019): A look at how people around the world view climate change. Pew Research Center. Available online at https://www.pewresearch.org/fact-tank/2019/04/18/a-look-at-how-people-around-the-world-view-climate-change.

Rockström, Johan (2019): Önsketänkande med grön tillväxt – vi måste agera (”Nachhaltiges Wachstum ist Wunschdenken – wir müssen handeln.”. In Svenska Dagbladet, 10/21/2019. Available online at https://www.svd.se/onsketankande-med-gron-tillvaxt–vi-maste-agera/av/johan-rockstrom.

Kuhnhenn, Kai (2018): Economic Growth in mitigation scenarios: A blind spot in climate science. Henrich Böll Stiftung. Available online at https://www.boell.de/en/economic-growth-in-mitigation-scenarios.

Wiedmann, Thomas; Lenzen, Manfred; Keyßer, Lorenz T.; Steinberger, Julia K. (2020): Scientists’ warning on affluence. In Nature communications 11 (1), p. 3107. DOI: 10.1038/s41467-020-16941-y.

Raworth, Kate (2018): Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört. 2. Auflage. München: Carl Hanser Verlag.

Isaksen, Elisabeth T.; Narbel, Patrick A. (2017): A carbon footprint proportional to expenditure – A case for Norway? In Ecological Economics 131, pp. 152–165. DOI: 10.1016/j.ecolecon.2016.08.027.

Ward, James D.; Sutton, Paul C.; Werner, Adrian D.; Costanza, Robert; Mohr, Steve H.; Simmons, Craig T. (2016): Is Decoupling GDP Growth from Environmental Impact Possible? In PloS one 11 (10), e0164733. DOI: 10.1371/journal.pone.0164733.

Ivanova, Diana; Stadler, Konstantin; Steen-Olsen, Kjartan; Wood, Richard; Vita, Gibran; Tukker, Arnold; Hertwich, Edgar G. (2016): Environmental Impact Assessment of Household Consumption. In Journal of Industrial Ecology 20 (3), pp. 526–536. DOI: 10.1111/jiec.12371.

Hickel, Jason (2019): The contradiction of the sustainable development goals: Growth versus ecology on a finite planet. In Sustainable Development 145 (6), p. 10. DOI: 10.1002/sd.1947.

Larch, Mario; Löning, Markus; Wanner, Joschka (2018): Can degrowth overcome the leakage problem of unilateral climate policy? In Ecological Economics 152, pp. 118–130. DOI: 10.1016/j.ecolecon.2018.05.026.

Welzer, Harald (2017): Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand. 8. Aufl. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch (Fischer Taschenbuch, 19573).

Hickel, Jason (2018): Die Tyrannei des Wachstums. Wie globale Ungleichheit die Welt spaltet und was dagegen zu tun ist. München: dtv.

Maxton, Graeme P. (2018): Change! Warum wir eine radikale Wende brauchen. Grünwald: Komplett Media.

Rowlatt, Justin (2020): What the heroin industry can teach us about solar power. BBC News. Available online at https://www.bbc.com/news/science-environment-53450688

Nature cannot be fooled!

What the corona crisis teaches us about solving the climate crisis

Thursday, May 14, 2020
7:00 PM to 8:30 PM GMT+2
More information and registration

A recording of the lecture can be found here:

I am delighted to be able to give a public lecture again. This time it will be online and hosted by WWF in Basel.

The title is borrowed from Richard Feynman and I will explain why I believe it is highly relevant.

Abstract

With media’s attention almost entirely devoted to the corona crisis, it is easy to forget that climate change represents a much larger threat to humanity and that we are rapidly running out of time to fix the problem. We should therefore try to learn as much as possible from the current situation, which offers important insights into the politics of crisis management. The most important lesson is probably that “nature cannot be fooled”. Real threats cannot be countered with wishful thinking or political rhetoric.

The largest obstacle to fixing the climate crisis is in our heads. For almost 30 years, we have been arguing over minimal changes to society, hoping that these would miraculously suffice to solve the greatest challenge in human history. Political convenience was more important than solid facts. The corona crisis gives us an opportunity to change this. In my presentation, I will try to be more ambitious and present a plan to solve the climate crisis.

Quiz: Can you find the oil crisis in the plot below?

Leben in Zeiten des Coronavirus – danke liebe Jugend.

Gestern erreichte mich ein Aufruf zur Nachbarschaftshilfe, der mich sehr berührt hat. Da im Moment keine Klimastreiks oder andere Aktionen durchgeführt werden können, überlegen sich die jungen Klimastreikenden, wie sie den Alten und Schwachen der Gesellschaft helfen können. Das Besondere mit dem Coronavirus ist ja, dass es für junge gesunde Menschen praktisch keine Gefahr darstellt. Somit macht es Sinn, wenn sie z. B. die Einkäufe der Alten erledigen.

Ist dies selbstverständlich? Diejenigen, die von der Klimaerwärmung am stärksten betroffen sein werden, zeigen ihre Solidarität mit der Generation, die das Problem verursacht hat. Der Homo oeconomicus würde anders handeln und das Coronavirus als Chance sehen, sich Vorteile zu verschaffen oder die Politik zu erpressen. Die Jungen sind aber nicht zynisch genug, um dies zu tun.

Es gibt eine interessante Parallele zwischen der Klimaerwärmung und der Verbreitung des Coronavirus: Politisches Zögern ist in beiden Fällen tödlich, wie Elizabeth Sawin in einem Tweet schön gezeigt hat.

https://twitter.com/bethsawin/status/1238095987211751425

Der Grund dafür ist, dass beide Prozesse eine Eigendynamik besitzen. Bei der Verbreitung einer Grippe ist die Anzahl Neuansteckungen proportional zur Anzahl der Kranken (exponentielles Wachstum) aber der Wachstumskoeffizient ist davon abhängig, wie viele Menschen noch angesteckt werden können. Wenn eine kranke Person im Durchschnitt 1.3 andere Personen ansteckt, fangen die Fallzahlen dann an zu sinken, wenn 25% der Bevölkerung Immunität entwickelt hat, da 1.3×(1-0.25)<1. Wenn stattdessen im Durchschnitt 2.3 Personen angesteckt werden, müssen zuerst 60% der Bevölkerung krank werden, bevor die Ansteckungskurve abflacht.

Das Problem mit dem Coronavirus ist, dass es viel ansteckender und viel tödlicher ist als das normale Grippevirus. Dies führt dazu, dass mehr Menschen krank werden und viele davon sterben. Wenn zu viele Menschen gleichzeitig krank werden, nimmt die Mortalität zusätzlich zu, da die Spitäler nicht mehr in der Lage sind die Kranken zu behandeln. Dieser Zustand ist in Italien schon eingetreten und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis andere Länder so weit sind. Dies wäre dann der Kipppunkt (tipping point) der Pandemie: Endliche Ressourcen und exponentielles Wachstum vertragen sich schlecht.

Eine sehr gute Zusammenfassung der Gefahren des Coronavirus ist hier zu finden: Coronavirus: Why You Must Act Now. Den Artikel gibt es auch in deutscher Übersetzung.

Ohne drastische Massnahmen gegen das Coronavirus, werden viele alte Menschen sterben. Wenn wir nichts gegen die Klimaerwärmung unternehmen, werden noch mehr junge Menschen sterben. Worin liegt der Unterschied? Nur darin, dass die Alten mehr politisches Gewicht haben und die katastrophalen Wirkungen des Coronavirus innerhalb einer Legislaturperiode sichtbar werden.

Die Coronapandemie wird wohl in 1-2 Jahren vorbei sein. Es ist zu hoffen, dass der Begriff Solidarität etwas länger in Erinnerung bleibt.


Hier ein interessanter Artikel zu unserem Umgang mit Klimaerwärmung und Coronavirus.