Russland und der Westen

Das grösste Problem, dass wir mit Russland haben, ist die Tatsache, dass die russische Ökonomie in einem Ausmass nach wie vor abhängig ist, von der Erschliessung, Nutzung und dem Export fossiler Energie, dass es unser aller gemeinsames Interesse sein muss, den Russen zu helfen, aus dieser fatalen Abhängigkeit rauszukommen. Weil wenn das nicht passiert, dann können wir uns die Pariser Klimaziele sonst wohin schmieren

Andreas Zumach

Wer wissen möchte, worum es in der Ukraine wirklich geht, sollte sich diesen Vortrag von Andreas Zumach anhören.

Vortrag Andreas Zumach (https://youtu.be/eA034XI0Y1w)

Der Vortrag ist etwas lang, aber eine Zusammenfassung ist auf Infosperber zu finden. Auch die Rede Putins vor dem Deutschen Bundestag aus dem Jahr 2001 ist sehr lesenswert.

Zufälligerweise habe ich heute einen Link zu einem guten Film über das Ende des kalten Krieges und die jüngste Geschichte der Welt erhalten: The Arrow Of Time. Für eine begrenzte Zeit steht dieser Gratis zur Verfügung.

Leider fehlt diese Information in der heutigen Berichterstattung über die Situation in der Ukraine.

Wann Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg. Falls es da Regeln gäbe, müsste man sie weitersagen, in Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da? Da stünde, unter andern Sätzen: Lasst euch nicht von den Eignen täuschen.

Christa Wolf, Kassandra

Das Offensichtliche

Ein Teil der Bevölkerung lässt sich immer täuschen und die gesamte Bevölkerung für eine gewisse Zeit. Es ist aber unmöglich, die gesamte Bevölkerung immer zu täuschen.

Wird häufig Abraham Lincoln zugeschrieben

Es ist bemerkenswert, wie lange offensichtliche Wahrheiten auch in einer Demokratie mit einer vermeintlich freien Presse unterdrückt werden können. Die Methoden sind ein wenig raffinierter als in totalitären Staaten, aber das Ergebnis ist das gleiche: Eine gefügige Bevölkerung, die sich nur um das eigene Wohlergehen kümmert und keine unbequemen Fragen stellt. Um mit Dürrenmatt zu sprechen: «Es gibt nur eine Schwierigkeit für dieses Gefängnis, nämlich die, zu beweisen, dass es kein Gefängnis ist, sondern ein Hort der Freiheit.»

Irgendwann wird aber jede Gesellschaft, deren staatstragende Ideologie auf Unwahrheiten basiert, von der Realität eingeholt. Zu viele Menschen haben inzwischen die Endlichkeit des Planeten und die daraus resultierenden Grenzen des Wachstums verstanden, um den Durchhalteparolen der Politik Glauben zu schenken. Das «weiter so» ist keine Zukunftsvision, sondern eine Bankrotterklärung unserer Gesellschaft.

Ein wichtiges Zeichen der Veränderung ist, dass das Offensichtliche plötzlich ausgesprochen werden darf. Im September letzten Jahres durfte ich meinen Klimavortrag zweimal vor einem eher traditionell wirtschaftsliberalen Publikum halten und die Rückmeldungen waren sehr positiv. Offensichtlich wollen die Menschen nicht mehr angelogen werden, was sicher als Zeichen der Genesung interpretiert werden kann.

Das Ganze erinnert ein wenig an die Reformation und die wissenschaftliche Revolution. Es ist kein Zufall, dass diese mit der europäischen Expansion zusammenfielen, denn mit dem Weltbild von Aristoteles wäre der Globus nicht zu erobern gewesen. Wenn der staatstragende Mythos in zu krassem Widerspruch zur Realität steht, muss er abgeschafft werden. Ein Wirtschaftssystem, das auf unendlichem Wachstum basiert, hat nie wirklich Sinn gemacht. Heute ist es nicht nur sinnlos, sondern suizidal.

Es stellt sich somit die Frage, wie wir die Revolution und den damit verbundenen Systemwandel möglichst gewaltfrei gestalten können. Dazu habe ich einen konkreten Vorschlag, der kürzlich auf higgs.ch veröffentlicht wurde: Globale Klimakompensation.

Ich werde von März bis Ende August im Sabbatical sein und werde somit die Möglichkeit haben, 100% meiner Zeit für die Rettung des Planeten einzusetzen. Die Klimakompensation (Global Climate Compensation) wird Teil meiner Aktivitäten sein. Wer mehr darüber erfahren möchte, findet meinen Blog dazu unter www.global-climate-compensation.org (in English).

Sonst bin sehr offen für weitere Ideen und Aktivitäten. Wir haben nur einen Planeten, wenig Zeit, und viel zu tun. Wer Angst hat, dreckige Hände zu bekommen, hat den Ernst der Lage nicht verstanden.

Wir können uns das Zeitalter nicht aussuchen, in dem wir geboren werden. Wir können nur entscheiden, wie wir die Zeit nutzen, die uns gegeben wird.

Nach J. R. R. Tolkien

Globale Klimakompensation

Niemand tut etwas gegen die Klimazerstörung, weil es heute weder politisch noch wirtschaftlich Sinn macht, etwas dagegen zu tun. Klimaschutz kostet nämlich Geld und politisches Kapital. Greenwashing, hingegen, besänftigt das Gewissen der Menschen, ohne etwas zu kosten.

Unser Problem ist nicht, dass die meisten Politiker und Unternehmer böse Menschen sind. Das Problem ist, dass sie alle im Rahmen des bestehenden Wirtschaftssystems, welches die externen Kosten der fossilen Brennstoffe konsequent ausblendet, rational handeln. Wer sich für Klimaschutz einsetzt ist irrational. Dies muss sich ändern!

Die Globale Klimakompensation ist ein Versuch, die Spielregeln der globalen Wirtschaft so zu verändern, dass die Zerstörung des Erdklimas etwas kostet. Einige Details dazu sind in diesem Vortrag vom 18. November 2021 an der OST zu finden.

Der Vortrag wurde von der Nachhaltigkeitswoche Rapperswil organisiert.

Aus dem Youtube-Kanal des Studiengangs Erneuerbare Energien und Umwelttechnik an der OST

Die Präsentation als PDF kann hier heruntergeladen werden:

Infotag Erneuerbare Energien und Umwelttechnik an der OST

Am 13. November hat wieder ein Infotag des Studiengangs Erneuerbare Energien und Umwelttechnik an der OST in Rapperswil stattgefunden. Es hat richtig Spass gemacht, wieder mit jungen Leuten zu reden, welche die Energiewende umsetzen wollen.

Im Studiengang EEU geht es um zwei Themen:

  • Die Energieversorgung der Zukunft (Sonne, Wind, Wasserkraft, Energiespeicher, Sektorkopplung, …)
  • Die sinnvolle Nutzung natürlicher Ressourcen (Recycling, Kreislaufwirtschaft, Wasseraufbereitung, Wasserstoff)

Alles unter dem Motto Innovative Technik für eine nachhaltige Zukunft.

Hier einige Impressionen. Ein weiterer Infotag wird am 19. März stattfinden.

Pulp Fiction on Paper

COP26 promise to ‘end deforestation by 2030’ is not worth the pulp and paper it’s written on

by Bernice Maxton-Lee

World leaders at the climate meeting in Glasgow are celebrating their agreement to stop deforestation by 2030, specifically naming Indonesia, Brazil, and Democratic Republic of Congo. The pledge is being hailed as the meeting’s first major deal, but in reality it is little more than a cheap, gaudy toy. If it weren’t so pathetic, it would almost be funny that this is being suggested as something new, clever, or remotely useful.

The idea of protecting forests as ‘the lungs of our planet‘ is old wine in new bottles. Indonesia’s former President Yudhoyono invoked the term back in 2012. Forest conservation has been a favourite of climate discussions for decades, as an easy, low resistance way of tackling climate change. It looks like a no-brainer: trees suck up carbon emissions and do lots of other things humans find useful, so why not kill two birds with one stone, and keep the trees standing? But we know perfectly well too, that for 20 years there has been no reduction in deforestation or emissions. In fact, both have risen.

The rate of deforestation is increasing globally (Source WRI and Bernice Maxton Lee)

An Executive Director at Chatham House Sustainability Accelerator, which produced a report to COP26 promoting the Amazon rainforest as an important building block in a climate agreement, said this deal is ‘a really important step’ to keeping global temperature rises below 1.5C, but that ‘the devil is in the detail’. Actually, the devil is in the whole idea in the first place, but economists and finance evangelists will now have their fun with discussions about how best to put a financial value on the carbon content of forests, and the biodiversity and ecosystem services they supposedly provide to the global economy. None of this is new, and none of it has even begun to make a dent in the real source of greenhouse gas emissions, despite years of refinement and practice.

In 1997 the Kyoto Protocol presented forest conservation as a magic bullet for mitigating climate change. Since then, billions of US dollars have been spent in rainforest countries on legal reforms, governance improvement, and transparency drives (all of which, by an amazing coincidence, are keystones of neoliberal free market ideology). Certification programmes (of which there are almost too many to count) have sprung up to encourage responsible consumer engagement in palm oil, soy, and timber markets (regulated by the very companies that produce those goods), conservation enclosures have been funded by big energy companies (who naturally support any alternative to a restriction on fossil fuel use), and national payments to rainforest countries have been promised (and sometimes made) by apparently beneficent wealthy industrialised countries like Norway (much of whose wealth comes from fossil fuel extraction and export). Yet despite all these activities (we might even say because of them) global emissions have risen at terrifying rates, and forest cover has fallen.

Deforestation is not the most important source of global long-term emissions, and nor are they now the most reliable carbon sinks. As the climate warms, forests are now turning from carbon sinks to carbon contributors. Their ability to absorb carbon is fading, thanks to greater heat and water stress. Many are also dying. If we actually want to prevent runaway climate change, there is a much quicker and more effective way to reduce emissions, which is to stop burning fossil fuels.

The carbon concentration of the atmosphere is not only rising, it is rising at an accelerating rate (Source: Henrik Nordborg)

But we shouldn’t expect any new ideas when the old ones still have such appeal to an audience that doesn’t want fundamental change. The deforestation agenda is, in fact, a massive smoke screen, designed to detract attention from the real emissions problem. 

The real cause of the emissions driving climate change is the fossil fuel combusting global economic engine. Global climate change is caused by anthropogenic emissions of greenhouse gases, and most greenhouse gas emissions come overwhelmingly from fossil fuel combustion and industrial processes like cement production and chemical and metal processes. The vast majority of these have historically been emitted by countries in the Global North since the Industrial Revolution, which makes US President Joe Biden’s rant against China at the opening of COP26 especially nauseating. The rise in emissions from developing and later developed countries like India and China follows the model of industrialisation, economic growth through large-scale production, and compulsory participation in global trade prescribed by the Global North. But that essential context is omitted from the hypocritical finger-wagging lectures of rich countries.

Pretending to save the world’s rainforests is simply a more cost effective policy for the Global North, and an easier concept for their economists, businesses, politicians, and voters to accept, because it effectively means they have to do nothing. This way, rich countries get to maintain their status quo, and dictate the terms of engagement, while shirking the consequences of their historical and continuing actions.

Bernice Maxton-Lee is co-author of A Chicken Can’t Lay a Duck Egg: How Covid-19 can solve the climate crisis and author of Forest Conservation and Sustainability in Indonesia: A Political Economy Study of International Governance Failure.