Es gibt gute Gründe, wieso Kriegs- und Katastrophenfilme im Kino (oder auf Netflix) so gut ankommen. Offensichtlich fasziniert es uns zu sehen, wie Menschen in Extremsituationen reagieren und wie der Held (oder in moderneren Filmen auch mal eine Heldin) einen kühlen Kopf bewahrt und die Welt durch Mut und Kühnheit wieder einmal rettet.
Das einzige Realistische an solchen Filmen ist die Tatsache, dass viele Menschen in schwierigen Situationen zu schreienden Statisten werden. Offensichtlich sind die meisten von uns nicht in der Lage, in Krisensituationen rational zu denken und zu handeln. Stattdessen unternehmen wir alles, um nichts unternehmen zu müssen: Wir leugnen die Existenz der Gefahr, hoffen auf ein Wunder oder resignieren, weil wir uns machtlos fühlen. Alle drei Verhaltensmuster sind in der Politik der westlichen Demokratien heute deutlich zu erkennen.
Besonders beunruhigend ist die scheinbare Resignation der Jugend, die ich aber nicht als ganz irrational bezeichnen würde. Sie sind nicht schuld an der katastrophalen Weltlage und sie sehen wenig Möglichkeiten, innerhalb des bestehenden politischen Systems etwas zu verändern. Somit macht es mehr Sinn, das Leben zu geniessen und auf Kinder zu verzichten, als sich um die Zukunft zu kümmern. «Nach mir die Sintflut» ist das Verhalten, das sie von ihren Eltern und Lehrern gelernt haben.
Ich bin in der glücklichen Lage, täglich mit jungen Menschen zu interagieren. Die meisten von ihnen sind grossartig und ich wünsche ihnen von Herzen alles Gute. Nichtsdestotrotz zeigt die Fieberkurve unseres Planeten immer steiler nach oben, das Artensterben beschleunigt sich und die Doomsday Clock gibt inzwischen 85 Sekunden vor Mitternacht an. Es erstaunt deshalb nicht, dass es immer mehr junge Menschen gibt, denen es psychisch schlecht geht.
«When the going gets tough, the tough get going» heisst ein amerikanisches Sprichwort. Wir sind jetzt an dem Punkt im Actionfilm angelangt, wo die mutigen und rational denkenden Menschen die Sache in die Hand nehmen, um das Böse zu besiegen. Wer zu dieser Kategorie gehört, hat wenig mit Bildung und sozialem Status zu tun, sondern eher mit Charakter. Was wir tun müssen, basiert auf Fakten.
Seit über 12 Jahren beschäftige ich mich mit der Klimakrise und bin jetzt bereit, eine Synthese zu formulieren, die ich in einer Reihe von Vorträgen und Feierabendgesprächen an der OST präsentieren werde. Das Programm sieht wie folgt aus:
Vortrag an der OST Mittwoch, 25. Februar 2026, Hörsaal 3.008
Es handelt sich um einen Physikvortrag, in dem ich auf mathematische Formeln verzichte, um ihn allgemeinverständlich zu gestalten. Ich möchte zeigen, dass es eine wissenschaftliche Definition der Nachhaltigkeit gibt, die von den wenigsten verstanden wird. Ohne diese Definition kommen wir aber nicht weiter.
Feierabendgespräch an der OST Mittwoch, 11. März 2026, Hörsaal 3.008
Hier wird der Spruch «die herrschende Meinung ist die Meinung der Herrschenden» erläutert, mit Beispielen aus den letzten 400 Jahren von Galileo bis zum Klimawandel.
Feierabendgespräch an der OST Mittwoch, 25. März 2026, Hörsaal 3.008
Basierend auf Arbeiten von Thomas Piketty, Joseph E. Stiglitz, John K. Galbraith, Kate Raworth, Ann Pettifor, Yanis Varoufakis, Jason Hickel, Bret Christophers, Steve Keen und anderen Ökonomen wird erklärt, wieso unser Wirtschaftssystem immer weniger Sinn macht.
Feierabendgespräch an der OST Mittwoch, 15. April 2026, Hörsaal 3.008
Es wird ein Plan zur Weltrettung vorgestellt, von dem 80 % der Weltbevölkerung profitieren würden und der sogar vom CEO der Exxon Mobil Corporation als sinnvoll erachtet wird.
Feierabendgespräch an der OST Mittwoch, 29. April 2026, Hörsaal 3.008
Es könnte alles anders sein. Die Probleme der Menschheit sind menschengemacht und können somit auch von Menschen gelöst werden. Wenn sich hinreichend viele von uns entscheiden würden, das Richtige zu tun, wäre der Weltuntergang kein Thema mehr.
Ich freue mich auf zahlreiche und engagierte Teilnahme, vor allem von jungen Menschen.
Im Jahr 1885 hielt Rudolf Clausius – der Erfinder des Entropiebegriffes der Thermodynamik – eine bemerkenswerte Rede, in der er ein internationales Abkommen zur Begrenzung der Nutzung fossiler Brennstoffe (damals Kohle) forderte. Seine Argumentation hatte nichts mit dem Klimawandel zu tun, sondern war viel einfacher: Die fossilen Energieträger sind über einen sehr langen Zeitraum entstanden und können durch nichts ersetzt werden. Eine Gesellschaft, die auf den Verbrauch dieser nicht erneuerbaren Ressource angewiesen ist, wird in absehbarer Zeit untergehen.
Wir haben gefunden, dass unter der Erde Kohlenvorräthe aus alten Zeiten liegen, welche sich im Laufe so langer Zeiträume, dass alle historischen Zeiten dagegen verschwindend klein sind, durch allmähliches Wachsen der damals auf der Erde vorhandenen Pflanzen gebildet und massenhaft abgelagert haben. Diese verbrauchen wir nun, und verhalten uns dabei ganz wie lachende Erben, welche eine reiche Hinterlassenschaft verzehren. Es wird aus der Erde herausgeschafft, so viel sich durch Menschenkraft und technische Hülfsmittel nur irgend heraufschaffen lässt, und das wird verbraucht, als ob es unerschöpflich wäre. Dabei nehmen die kohlenverzehrenden Eisenbahnen, Dampfschiffe und durch Dampfmaschinen getriebenen Fabrikanlagen in Staunen erregenden Maasse zu, so dass sich beim Blick in die Zukunft unwillkürlich die Frage aufdrängt, was daraus werden soll, wenn die Kohlenlager erschöpft sind.
Er folgert daraus:
Während das letztverflossene Jahrhundert sich dadurch ausgezeichnet hat, dass durch Erfindung oder Vervollkommnung von Maschinen, unter denen die Dampfmaschine oben an steht, die Kraftquellen der Natur in einer früher nicht geahnten Weise dem Menschen dienstbar gemacht sind, werden die folgenden Jahrhunderte die Aufgabe haben, die in dem Verbrauch dessen, was uns an Kraftquellen in der Natur geboten ist, eine weise Oekonomie ein zuführen, und besonders dasjenige, was wir als Hinterlassenschaft früherer Zeitepochen im Erdboden vorfinden, und was durch nichts wieder ersetzt werden kann, nicht verschwenderisch zu verschleudern. Je eher hierin eine Wendung eintritt, desto besser wird es für die Zukunft sein. Die an der Spitze der Civilisation stehenden Nationen sollten sich bei Zeiten zusammenthun, um die Ausbeutung der Kohlenlager in ähnlicher Weise zu controlieren, wie in gut organisierten Staaten die Ausbeutung der Wälder controliert wird.
Jetzt kann selbstverständlich behauptet werden, dass sich die Technik in den 140 Jahren seit der Rede von Rudolf Clausius weiterentwickelt hat. Sein Argument gilt auch für Erdöl und Erdgas, aber was in seiner Analyse fehlt, sind Nuklearenergie und Photovoltaik, da diese Technologien zu seiner Zeit noch nicht bekannt waren. Das Kuchendiagramm unten zeigt den Energieverbrauch der Menschheit im Jahr 2024. Wir sehen, dass Nuklearenergie etwa 5 % und die Photovoltaik etwa 1 % des menschlichen Energieverbrauchs decken. Die Argumentation von Prof. Clausius aus dem Jahr 1885 ist somit immer noch zu 94 % richtig.
Heute erscheinen immer mehr wissenschaftliche Publikationen, die Carbon Dioxide Removal (CDR) als Lösung der Klimakrise vorschlagen. Eigentlich müssen wir froh sein, dass sie nicht mehr von Carbon Removal Technology reden, denn es gibt dafür keine funktionierende Technologie. Sie wollen das Problem des Klimawandels lösen, indem noch mehr Öl, Gas und Kohle gefördert werden. Denn dank des von Prof. Clausius entdeckten zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik wissen wir, dass jede Methode, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu holen, sehr viel Energie brauchen wird. In einer Welt, in der mehr als 80 % der Energie aus fossilen Quellen kommt, würde diese Technologie keinen Sinn machen, auch wenn es sie gäbe.
Wir stellen somit fest: Es erscheinen heute wissenschaftliche Publikationen, deren Behauptungen schon vor 140 Jahren widerlegt waren. Ich weiss langsam nicht mehr, was ich dazu sagen soll. Vielleicht mit Brecht: «Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral.»
Das dumpfe Einverstandensein mit aller Verschlechterung der Zukunftsaussichten zeigt sich vor allem darin, dass wir widerspruchslos in einer Kultur leben, in der »Gutmensch« genauso als Beleidigung gilt wie »Wutbürger«.
Die Utopie ist am Horizont. Ich laufe zwei Schritte, sie entfernt sich zwei Schritte und der Horizont rückt zehn Schritte weiter fort. Also, wofür ist die Utopie dann gut? Eben dafür, damit man läuft.
– Eduardo Galeano
Vor langer Zeit habe ich zusammen mit einem deutschen Postdoc den theoretischen Physiker Paul Wiegmann in seinem Büro in Chicago besucht. Er hat uns von einem spannenden Forschungsthema erzählt und uns gleichzeitig davon abgeraten, daran zu arbeiten. Der Grund war, dass die Lösung – wenn es überhaupt eine gäbe – mindestens zehn Jahre dauern würde, ohne brauchbare Zwischenergebnisse. Der Versuch, dieses Problem zu lösen, käme somit einem akademischen Selbstmord gleich.
Kein System ist perfekt. Jeder Versuch, menschliche Leistung zu messen, ob in der Schule, in der Forschung oder in der Privatwirtschaft, ist fehlerbehaftet. Nichtsdestotrotz leben wir in einer Welt des zunehmenden Controllings. «Was nicht gemessen werden kann, kann nicht gemanagt werden» lautet ein bekannter Spruch. Daraus wird immer gefolgert, dass mehr gemessen werden muss, auch wenn eine viel einfachere Lösung zur Verfügung stünde: Vielleicht müssen wir nicht alles managen. Erwachsene und gut ausgebildete Menschen, wie Lehrer, Ärzte oder Forscher (weibliche Form inbegriffen) müssten eigentlich in der Lage sein, sich selbst zu führen.
Die aus dem Kontrollwahn resultierende Bürokratisierung der Hochschulen hat sicherlich dazu geführt, dass Wissenschaftler immer weniger Forschung machen, weil sie zu viel Zeit mit Administration und dem Schreiben von Anträgen aufwenden (Binswanger 2024). Dies ist aber nicht der Hauptgrund, wieso sich das akademische System in einer Krise befindet. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass Forschungsfinanzierung sehr politisch geworden ist. Die «akademische Freiheit» ist durch ein System der «Wissenschaftsprostitution» ersetzt worden; die Forschenden machen das, wofür sie Geld bekommen, und tun so, als würde es ihnen gefallen (Tsakraklides 2025).
Leider ist dadurch ein System aufgebaut worden, das «wissenschaftliche Revolutionen» im Sinne von Thomas Kuhn verhindert (Kuhn 1962). Insbesondere ist es nicht dazu geeignet, Lösungen der planetaren Krise zu entwickeln. Wenn Forschung als Karriere gesehen wird, werden sich Wissenschaftler hauptsächlich mit Forschung beschäftigen, die dieser Karriere dienlich ist. Sie haben keine andere Wahl. Die verrückten Ideen, die lange dauern, eine tiefe Erfolgsquote haben, aber das Potenzial hätten, die Welt zu verändern, werden von den Förderagenturen ignoriert.
Das Problem ist nicht neu. Galileo Galilei wurde für seine bahnbrechenden Entdeckungen der Astronomie mit Hausarrest belohnt, und die Philosophen und Wissenschaftler der Aufklärung haben keine Mühe gescheut, die Vereinbarkeit ihrer Thesen mit den Dogmen der Kirche zu betonen, auch wenn sie vom Gegenteil überzeugt waren. Philipp Blom erzählt in «Die Unterwerfung» die Geschichte des deutschen Universalgelehrten Christian Wolff, der wegen der Behauptung, die chinesische Kultur liefere den Beweis für die Möglichkeit einer nicht-christlichen Ethik, im Jahr 1723 gecancelt wurde. Genau wie Galileo hatte er nicht verstanden, dass Kritik an der «göttlichen Ordnung» von den Mächtigen nicht goutiert wird.
Solche Gedanken führten direkt in den Abgrund und so wendete die »Moderate mainstream«-Aufklärung enorm viel Tinte auf, um sich vor ihren eigenen Konsequenzen zu schützen, denn letztendlich hatte die Philosophie im Verständnis vieler Zeitgenossen die Aufgabe, die Welt nicht nur zu erklären, sondern auch in ihren gegenwärtigen Strukturen zu rechtfertigen, was häufig auch mit wirtschaftlichen Abhängigkeiten verbunden war, siehe Christian Wolff.
-Philipp Blom, Die Unterwerfung
Im Jahr 1972 erschien der Bericht «Die Grenzen des Wachstums» (Meadows et al. 1972). Auch hier handelte es sich um eine wissenschaftlich korrekte Aussage mit dem Potenzial, bestehende Machtstrukturen zu zerrütten. Konsequenterweise ist den Autoren das gleiche Schicksal widerfahren wie Galileo etwa 340 Jahre früher. Die Frage, wie unbegrenztes Wachstum auf einem endlichen Planeten möglich sein kann, wurde nie beantwortet; sie wurde verboten. Die ganze Geschichte kann man auf «Cassandra’s Legacy» nachlesen oder im Podcast «Tipping Point» nachhören. Gaya Herrington hat einen aktuellen Vergleich zwischen den Vorhersagen des ursprünglichen Berichtes und der Realität veröffentlicht, und die Übereinstimmung ist erstaunlich gut (Herrington 2020). Bei der Unmöglichkeit des unbegrenzten Wachstums handelt es sich um eine verbotene Wahrheit. Oder anders gesagt, das Wirtschaftswachstum ist die Mutter aller Lügen.
Die heutigen Klima- und Nachhaltigkeitsforscher haben daraus gelernt. Wer Forschungsfinanzierung erhalten möchte, muss sich zuerst bereit erklären, den offensichtlichen Widerspruch zwischen Kapitalismus und Nachhaltigkeit zu leugnen. Die meisten tun dies, indem sie sich auf ein Teilproblem spezialisieren und sich somit nicht mit den grossen Fragen der Gegenwart auseinandersetzen müssen. Den Satz «dies wird die Welt auch nicht retten, aber …» habe ich inzwischen zu häufig gehört, um ihn lustig zu finden.
“Once the rockets are up, who cares where they come down? That’s not my department,” says Wernher von Braun
Ich weiss heute immer noch nicht, ob das von Paul Wiegmann vorgeschlagene Forschungsthema interessant gewesen wäre. Wahrscheinlich nicht, da sich die theoretische Physik inzwischen von der realen Welt entfernt zu haben scheint. Inzwischen habe ich aber mehr als zehn Jahre investiert, um die sich beschleunigende Klimazerstörung zu stoppen. Oder anders gesagt, ich habe nach Möglichkeiten gesucht, den kollektiven Selbstmord der Menschheit zu verhindern. Es war ein langer Weg, der mich inzwischen wieder zum Ausgangspunkt zurückgeführt hat. Denn ob es uns gefällt oder nicht, am Ende geht es nur um Thermodynamik: Wir können den Planeten nachhaltig bewirtschaften oder ihn verheizen. Leider haben wir uns für die zweite Option entschieden und leben deshalb auf einem sterbenden Planeten.
Das Problem mit fossilen Brennstoffen ist längst bekannt. Professor Rudolf Clausius, einer der Pioniere der Thermodynamik und der Erfinder des Entropiebegriffes, hat schon im Jahr 1885 ein internationales Abkommen zur Begrenzung des Kohleabbaus gefordert (Erdöl und Erdgas gab es damals noch nicht) und Svante Arrhenius hat im Jahr 1896 das erste Klimamodell veröffentlicht. Für die Erklärung des Klimawandels wurde keine neue Physik benötigt – wie die Relativitätstheorie oder die Quantenmechanik – weil die gute alte Thermodynamik vollkommen ausreichte. Trotzdem fehlt in der Abschlussdeklaration des COP 30 – 140 Jahre nach der Empfehlung von Herrn Clausius – jede Erwähnung der fossilen Brennstoffe. Es gibt heute viel mehr Menschen auf unserem Planeten als vor 400 Jahren, aber die kollektive Intelligenz scheint eher abgenommen zu haben. Zwischen den Veröffentlichungen von Kopernikus «De revolutionibus orbium coelestium» (1543) und Newtons «Philosophiæ Naturalis Principia Mathematica» (1687) sind nur 144 Jahre verstrichen. Und sowohl die Relativitätstheorie als auch die Quantenmechanik wurden viel schneller von der Gesellschaft akzeptiert als die offensichtliche Tatsache des anthropogenen Klimawandels.
Jeder von uns trägt ein Weltbild mit sich, das uns erlaubt, die Welt zu interpretieren und schnelle Entscheidungen zu treffen. Um den Vergleich mit künstlicher Intelligenz zu wagen, tragen wir alle ein neuronales Netz im Kopf, das durch unsere Erfahrungen, Erziehung, Bildung und Indoktrination trainiert wurde und uns erlaubt, auf vorhandenes Wissen schnell zuzugreifen. Ein gelernter Automechaniker, der beim Autofahren ein komisches Rattern hört, wird das Geräusch anders interpretieren als der normale Autofahrer. Analog wird eine Ärztin die Symptome eines kranken Menschen hoffentlich besser interpretieren als der Laie.
Der entscheidende Punkt ist, dass Menschen die gleiche Information sehr unterschiedlich interpretieren. Im Mittelalter wurden Seuchen und Naturkatastrophen als die Strafe Gottes gedeutet, was der Lösungsfindung nicht gerade förderlich war. Heute sind wir vielleicht etwas weiter und nutzen unser Vorwissen aus der Medizin und Meteorologie, um die gleichen Ereignisse zu verstehen. Daraus zu schliessen, dass die Menschen im Mittelalter dumm waren, ist aber falsch. Basierend auf dem Weltbild eines allmächtigen Gottes lag die Vermutung nahe, dass dieser auch in der Lage war, in das Leben der Menschen direkt einzugreifen.
Almost everything that distinguishes the modern world from earlier centuries is attributable to science, which achieved its most spectacular triumphs in the seventeenth century.
– Bertrand Russell, History of Western Philosophy
Die grösste Errungenschaft der wissenschaftlichen Revolution war die Einführung der wissenschaftlichen Methode, von Francis Bacon bereits im Jahr 1620 als «Novum Organum» bezeichnet. Diese Methode hat es uns ermöglicht, die Korrektheit einer Aussage objektiv zu überprüfen. Damit waren Fakten erfunden, die von religiösen Autoritäten unabhängig waren und somit die Macht der Kirche in Frage stellten. Am Ende konnte sich die Wissenschaft durchsetzen, weil sie den weltlichen Fürsten nützlicher war als die Religion. Die Wissenschaftler haben die Priester nicht nur als Berater ersetzt, sondern sie wurden Teil der «Rechtfertigungsindustrie», welche für den Erhalt bestehender Machtstrukturen notwendig ist. Wie Philipp Blom so schön festgehalten hat, wurde die vermeintliche Unterlegenheit der Frauen oder anderer Rassen zuerst religiös begründet und nachher wissenschaftlich (Blom 2022). Das Ziel war immer das gleiche, denn die herrschende Meinung ist immer die Meinung der Herrschenden. Dass die Wissenschaft inzwischen religiöse Züge angenommen hat, ist kein Zufall, sondern eine Notwendigkeit, denn ohne ein allumfassendes Weltbild (oder eben eine Religion) können komplexe Gesellschaften nicht funktionieren (Harari 2015). Nietzsche hatte wohl recht, als er feststellte, dass Gottesmord ein schweres Verbrechen ist, das nicht so leicht gesühnt werden kann.
Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde. Weiter reichte seine Vorstellungskraft nicht.
– Tage Danielsson
Die Wissenschaft kann aber die existenziellen Fragen der Menschen nicht beantworten und ist somit als Weltbild unzulänglich. Es folgt, dass wir alle – unabhängig vom Bildungsstand und der Profession – viele unbegründete und irrationale Meinungen in uns tragen, die unser Denken und Handeln massgeblich beeinflussen. Das Weltbild der Europäer ist von der christlichen Vorstellung der Unterwerfung der Natur, kombiniert mit einer guten Portion Rassismus und Gewaltfixierung, geprägt. Seit Hunderten von Jahren führen wir einen Dauerkrieg nicht nur gegen die Natur, sondern auch gegen andere Kulturen und Rassen. Lange waren wir erfolgreich, weshalb Australien, Neuseeland und Amerika grösstenteils von Europäern besiedelt sind und die Erde inzwischen Fieber hat. Heute stellen wir fest, dass die restliche Welt und die Natur durchaus imstande sind, Widerstand zu leisten.
Das ist eine böse Zeit, wenn Wahnwitzige die Blinden führen.
Das Problem mit Weltbildern fängt dann an, wenn sie so starr werden, dass sie weiteres Lernen verunmöglichen. Intelligente Menschen zeichnen sich durch ihre Lernfähigkeit aus. Sie bleiben neugierig, sind bereit zuzuhören und können aufgrund neuer Fakten ihre Meinung ändern. Was wir momentan in Europa erleben, ist das Gegenteil von Intelligenz. Die herrschende Elite und ein Grossteil der Bürgerinnen und Bürger können gar nicht akzeptieren, dass weiteres Wirtschaftswachstum weder möglich noch erwünscht ist oder dass die USA bereit sind, das europäische Projekt aufzugeben (Donald 2025). Wir werden von Vertretern der Gattung «Homo Ignorans» regiert, die bewusst jede Information ausblenden, die nicht zu ihrem Weltbild passt (Hertwig und Engel 2016).
Als ich im Jahr 2013 meinen ersten Klimavortrag an der Hochschule in Rapperswil hielt, war der Hörsaal zum Bersten voll. Damals hatte noch niemand vom Pariser Klimaabkommen oder den Klimastreiks gehört und die Studierenden schienen grosses Interesse daran zu haben, mehr über die Klimazerstörung zu erfahren. Die CO2-Konzentration der Atmosphäre war kleiner als 400 ppm, die globale Erwärmung lag etwa bei 1 °C, und die meisten Nationen der Welt hatten handlungsfähige und rational denkende Regierungen.
Heute, 12 Jahre später, hat sich die Weltlage in fast jeder Hinsicht massiv verschlechtert. Die einzige positive Nachricht ist, dass die Chinesen inzwischen sehr günstige Batterien und Solarpanels produzieren können, weshalb der Ausbau der erneuerbaren Energien schnell voranschreitet. Dies wird aber nicht ausreichen, weil der globale Energiebedarf weiterhin ansteigt und die Biosphäre allmählich ihre Fähigkeit verliert, zusätzliches CO2 aufzunehmen. Das Ergebnis ist, dass die Konzentration der Treibhausgase immer schneller ansteigt, wie aus dem Diagramm unten ersichtlich ist. Wir fahren gegen eine Wand und beschleunigen immer noch. Jeder Versuch, den Fuss vom Gaspedal wegzunehmen oder sogar die Bremse zu betätigen, gilt als politisch zu radikal, um mehrheitsfähig zu sein.
Die Keeling-Kurve (Scripps Institution of Oceanography) mit der atmosphärischen Kohlendioxidkonzentration. Der kleine rote Kreis zeigt das Datum meines ersten Klimavortrags. Mehr als 20 % der Gesamtemissionen stammen aus der Zeit nach diesem Vortrag.
Gleichzeitig scheint die nächste Generation – mit wenigen Ausnahmen – aufgegeben zu haben. Der Grund dafür ist das «bla, bla, bla» (Zitat Greta Thunberg) der Politik, Wirtschaft und Medien. Junge Menschen haben das Gefühl, ständig angelogen zu werden, und der Grund dafür ist, dass sie ständig angelogen werden. Jeder denkende Mensch versteht, dass Begriffe wie «nachhaltiges Wachstum» oder «Klimarealismus» nur euphemistische Umschreibungen der geplanten Weltzerstörung sind. Wir scheinen von Menschen regiert zu werden, die weder das Wissen noch die intellektuelle Kapazität oder die Führungsqualität haben, um realistische Lösungen für höchst reale Probleme anzubieten. Ausserdem ist es unklar, ob sie es überhaupt wollen; Regierungen, die einem Genozid tatenlos zuschauen können, werden kaum einen Ökozid verhindern wollen. Die Bürgerinnen und Bürger haben verständlicherweise Angst vor dem Kollaps und suchen verzweifelt nach dem Erlöser. Wie es enden könnte, kann man in «Die Geschichte eines Deutschen» von Sebastian Haffner nachlesen, der Deutschland im Jahr 1938 rechtzeitig verlassen konnte (Haffner 2014).
Während Hitler das Tausendjährige Reich durch den Massenmord aller Juden herbeiführen wollte, gab es in Thüringen einen gewissen Lamberty, der es durch allgemeinen Volkstanz, Singen und Luftsprünge erreichen wollte. Jeder Erlöser hatte seinen eigenen Stil. Nichts und niemand war überraschend; die Überraschung war etwas schon lange vergessenes.
– Haffner, Sebastian. Geschichte eines Deutschen: Die Erinnerungen 1914-1933
In den USA haben viele Wählerinnen und Wähler in New York für Alexandria Ocasio-Cortez (AOC) und für Donald Trump gestimmt (siehe dazu ein faszinierendes Gespräch zwischen Bernie Sanders und Trevor Noah). Sie haben ihre Stimmen der Person gegeben, die bereit war zuzugeben, dass das bestehende System nicht mehr funktioniert. Der gleiche Trend ist in Europa zu beobachten und die etablierten Parteien verlieren immer mehr an Bedeutung. Dies ist nicht unbedingt eine schlechte Entwicklung. Die Frage ist, wodurch sie ersetzt werden.
Wenn, wie es im Fall der Erderhitzung und der anderen ökologischen Probleme, evident zu sein scheint, dass sich die Lebens- und Überlebensbedingungen deutlich verändern werden, und die herrschenden Parteien und Akteure ganz offensichtlich die Probleme nicht angemessen adressieren, weil sie erstens noch in einer Weltsicht aus dem 20. Jahrhundert verfangen sind und zweitens von ihrem Lebensalter her nicht so hart von den ökologischen Krisen getroffen sein werden wie die Jüngeren: Dann hat man einen handfesten, der Sache nach radikalen Generationenkonflikt.
Paradoxerweise gibt der Kollaps der westlichen Demokratien Anlass zur Hoffnung. Es dürfte inzwischen allen klar sein, dass der Globale Norden nie vorhatte, die Klimakrise zu lösen. Es gab einfach zu viel zu verlieren, und die Oligarchie hat alles darangesetzt, den Status Quo so lange wie nur möglich zu erhalten. In einem kapitalistischen System kann die Klimakrise nur gelöst werden, wenn es nichts kostet.
Das fundamentale Problem ist so alt wie die menschliche Zivilisation: Die Elite einer Gesellschaft besteht aus Menschen, die vom bestehenden System maximal profitiert haben und somit die Letzten sind, die das System verändern wollen. Denn auch bei der Lösung der Klimakrise wird es Gewinner und Verlierer geben, und die Letzteren werden nicht kampflos aufgeben. In der Privatwirtschaft wird meistens das Führungsteam ausgewechselt, wenn grosse Umbaumassnahmen anstehen. Nur wenn es um die grösste Herausforderung der Menschheitsgeschichte geht, scheinen wir der Meinung zu sein, dass sich das Problem von selbst lösen wird, basierend auf Freiwilligkeit. Dies ist einigermassen naiv.
Ausserdem sorgt eine tief verwurzelte Angst vor Veränderungen dafür, «dass wir die Übel, die wir haben, lieber ertragen als zu unbekannten fliehn» (Shakespeare, Hamlet). Wir können aber den Aufstieg der Populisten und Rechtsradikalen nicht stoppen, indem wir veraltete und korrupte Machtstrukturen erhalten. Wie Zoran Mamdani in New York gezeigt hat, müssen wohl die rechten Parteien eher links überholt werden.
Wollen wir den Weltuntergang einfach so hinnehmen?
Es ist offensichtlich, dass wir nicht auf Kurs sind, die Klimakatastrophe abzuwenden. Die Treibhauskonzentrationen und die Temperaturen steigen immer schneller, die Biodiversität nimmt weiterhin ab und die meisten planetaren Grenzen haben wir bereits hinter uns gelassen. Mitte dieses Jahrhunderts wird sich die Erde um 2 °C erwärmt haben, und wir können praktisch nichts dagegen tun. In Afrika und Südostasien sind inzwischen 30-40 % aller Kinder unterernährt und die Lage wird sich mit steigenden Temperaturen dramatisch zuspitzen (Nature 2025).
Da Gewalt immer eine Option menschlichen Handelns ist, ist es unausweichlich, dass gewaltsame Lösungen auch für Probleme gefunden werden, die auf sich verändernde Umweltbedingungen zurückgehen.
Weltweit nimmt die Anzahl bewaffneter Konflikte wieder zu, und viele davon haben mit dem Zugang zu Ressourcen zu tun. Es könnte durchaus sein, dass die Menschheit durch einen Atomwaffenkrieg ausgelöscht wird, bevor wir die klimatischen Kipppunkte erreichen, aber dies wäre ein schwacher Trost.
Die Frage ist, wer uns retten soll. Die Privatwirtschaft wird die planetare Krise nicht lösen, weil es dafür keine Anreize gibt. Die Politiker können es nicht tun, weil es sich erstens um ein globales Problem handelt und sie zweitens kein Mandat dazu haben; nur die Quadratur des Kreises ist mehrheitsfähig. Die Wissenschaftler sind Angestellte der Regierungen und machen nur das, was die Politik von ihnen verlangt. Die traurige Wahrheit ist, dass die Klimakrise ein ungelöstes Problem bleibt, weil niemand an deren Lösung arbeitet. Es gibt weltweit keine Nation, kein Unternehmen oder sonst irgendeine Organisation, die einen realistischen Plan für das Abwenden der Klimakatastrophe hat.
Das grosse Problem unserer Zeit ist nicht die zunehmende Polarisierung, sondern die Tatsache, dass wir vergessen haben zu denken und zu argumentieren. Diese Entwicklung wurde bereits von Neil Postman im Jahr 1985 vorhergesagt (Postman 1985), und inzwischen zeigen linguistische Studien, dass er recht hatte (Scheffer et al. 2021). Statt eines seriösen politischen Diskurses finden heute nur Streitgespräche statt, die das hauptsächliche Ziel haben, das Publikum zu unterhalten. Sie führen zu nichts, weil die Weltbilder der Kontrahenten viel zu unterschiedlich sind. Ausserdem sind Debatten über die planetare Krise sinnlos, wenn sie nicht auf Fakten basieren. Die ganze Idee hinter der wissenschaftlichen Methode war, dass es eine objektive Wahrheit gibt, die es zu entdecken gilt. Damit dieser Prozess funktioniert, müssen wir bereit sein zuzuhören und unsere Meinung zu ändern, was auf einer Bühne vor einem kritischen Publikum kaum passieren wird.
Die Naturgesetze und insbesondere die Thermodynamik sind nicht demokratisch. Auch wenn es möglich ist, per Mehrheitsentscheid die Quadratur des Kreises oder die Abschaffung des zweiten Hauptsatzes zu beschliessen, macht dies wenig Sinn. In seinem im Jahr 1961 erschienenen Buch «The Image» beschreibt Daniel J. Boorstin «wie wir unseren Wohlstand, unsere Bildung, unsere Technologie und unseren Fortschritt genutzt haben, um das Dickicht der Unwirklichkeit zu schaffen, das zwischen uns und den Tatsachen des Lebens steht» (Boorstin 1961). Er fängt bei den «übersteigerten Erwartungen» der Menschen an und beschreibt, wie aus dem «amerikanischen Traum» eine «amerikanische Illusion» geworden ist. «Wir müssen zuerst aufwachen, bevor wir in die richtige Richtung laufen können. Wir müssen unsere Illusionen erkennen, bevor wir verstehen, dass wir schlafgewandelt sind.» Erst wenn wir verstehen, wer wir sind und wo wir stehen, können wir entscheiden, wo wir hingehen wollen.
Seit mehr als einem Jahrzehnt habe ich den grössten Teil meiner Freizeit damit verbracht, die planetare Krise nicht nur zu verstehen, sondern auch eine Lösung zu finden. Ich habe mich dabei frei über die Grenzen der wissenschaftlichen Disziplinen bewegt, was im heutigen System der formalisierten Forschungsfinanzierung gar nicht möglich gewesen wäre, hätte ich dafür Geld gewollt. Ich habe verstanden, dass Paul Wiegmann doch recht hatte: Das Lösen relevanter Probleme dauert mindestens 10 Jahre und ist für die wissenschaftliche Karriere eher schlecht. Umso grösser die Genugtuung, wenn die Lösung doch gefunden wird.
Ja, ich glaube an die sanfte Gewalt der Vernunft über die Menschen. Sie können ihr auf die Dauer nicht widerstehen. Kein Mensch kann lange zusehen, wie ich einen Stein fallen lasse und dazu sage: er fällt nicht. Dazu ist kein Mensch imstande. Die Verführung, die von einem Beweis ausgeht, ist zu groß. Ihr erliegen die meisten, auf die Dauer alle. Das Denken gehört zu den größten Vergnügungen der menschlichen Rasse.
– Bertolt Brecht, Leben des Galilei
Einer alten akademischen Tradition folgend werde ich im Frühling 2026 eine Reihe öffentlicher Vorträge – oder vielleicht eher Feierabendgespräche – durchführen. Ich möchte die Teilnehmenden auf eine Reise durch Zeit und Raum mitnehmen, mit dem Ziel, ihnen das Denken beizubringen, damit sie die Welt von heute verstehen können. Dabei geht es weniger um den Aufbau eines neuen Weltbildes als um die Dekonstruktion eines falschen. Denn entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist unsere Welt nicht komplexer geworden. Das Problem ist das «Dickicht der Unwirklichkeit», das sich in der Werbung, in den Medien und in der Politik ausgebreitet hat. Nur wer die Welt versteht, kann den Weg aus dem Morast der Lügen finden.
Persönlich möchte ich mit den Veranstaltungen meinem Motto treu bleiben und «unseren Kindern einen Grund geben, uns nicht zu hassen». Ich freue mich auf zahlreiches Erscheinen, besonders von der jüngeren Generation.
Die genauen Daten und der Veranstaltungsort müssen noch festgelegt werden, aber das vorläufige Programm sieht wie folgt aus:
Der (einst) vitale Planet
In diesem Vortrag werde ich den Begriff des vitalen Planeten einführen und erklären, wieso wir uns heute aus thermodynamischer Sicht auf einen sterbenden Planeten befinden. Schuld daran ist die menschliche Zivilisation und eine Heilung wäre möglich, aber nur unter Berücksichtigung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik.
Kapitalismus als Religion
Hier wird erklärt, wieso der Kapitalismus immer eine schlechte Idee war und wie wir ein Wirtschaftssystem entwickeln können, das ohne Wachstum und Kapitaleinkommen auskommt. Die gute Nachricht ist, dass dies nicht schwierig wäre.
Globale Klimakompensation
Die globale Klimakompensation ist ein konkreter Plan, wie wir die Klimakrise lösen könnten. Der Plan würde geopolitische Spannungen reduzieren, globale Armut abschaffen und hätte die Unterstützung von mindestens 80 % der Weltbevölkerung.
Die friedliche Revolution der anständigen Menschen
Wir können wir unsere Gesellschaft hinreichend schnell verändern? Auch dafür gibt es einen Plan, der ohne illegale Aktionen auskommt. Da wir dem Gegner keinen Informationsvorsprung gewähren wollen, werden die Details bis auf weiteres unter Verschluss gehalten.
Wenn irgendetwas von dem, was wir schätzen, überleben soll, muss das Problem gelöst werden. Wie es gelöst werden kann, ist klar; die Schwierigkeit besteht darin, die Menschheit zu überzeugen, ihrem eigenen Überleben zuzustimmen. Ich kann nicht glauben, dass diese Aufgabe unmöglich ist.
– Bertrand Russell
«Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen des Klimawandels spürt, und die letzte Generation, die etwas dagegen tun kann» hat Präsident Barack Obama im Jahr 2014 gesagt. Bald werden wir den letzten Teil dieses wunderbaren Zitats in «hätte tun können» umformulieren müssen. Wir leben in einer Zeit, die von grossen Unsicherheiten geprägt ist. Die daraus resultierende Angst wird von populistischen Politikern und den Ultrareichen instrumentalisiert, um das Fussvolk gefügig zu halten. Das Denken ist in unserer Gesellschaft immer noch erlaubt, aber nicht obligatorisch. Das Nichtdenken ist aber inzwischen tödlich geworden.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern inspirierende und erholsame Festtage. Hoffentlich sehen wir uns im neuen Jahr.
Am 13. November werde ich meinen nächsten Klimavortrag halten. Diesmal beim Kulturverein Rex in Pfäffikon ZH. Ich freue mich sehr.
Im Jahr 1885 hat Prof. Dr. Rudolf Clausius, einer der Pioniere der Thermodynamik und der Erfinder des Begriffs Entropie, eindringlich vor der Nutzung fossiler Brennstoffe gewarnt. Seine Hauptsorge war nicht der Klimawandel, der erst 11 Jahre später von Svante Arrhenius vorhergesagt wurde, sondern die Tatsache, dass es keinen Sinn macht, eine Gesellschaft auf einer endlichen und nicht zu ersetzenden Ressource aufzubauen. Leider haben die wenigsten auf ihn gehört und wir leben heute im Zeitalter des fossilen Kohlenstoffs. Unsere Abhängigkeit von Kohle, Öl und Erdgas führt dazu, dass wir den einzigen bewohnbaren Planeten im Universum zerstören, um einen verschwenderischen Lebensstil zu ermöglichen.
Tatsache ist, dass die Treibhausgaskonzentrationen der Atmosphäre immer steiler ansteigen. Wenn wir diesen Trend ändern wollen, sind nicht nur schöne Worte, sondern konkrete Massnahmen erforderlich. Es ist aber möglich, und die gute Nachricht ist, dass die grosse Mehrheit der Weltbevölkerung davon profitieren würde.
Wo: Verein Kultur im Rex, Tumbulenstrasse 6, 8330 Pfäffikon ZH Wann: Donnerstag 13. November, 20:00 Uhr Veranstaltungslink
Wir freuen uns, auch dieses Jahr das Filmfestival Films For Future in Zürich unterstützen zu können. Denn ohne eine positive Vision für die Zukunft, die jungen Menschen Hoffnung gibt, macht unser Bildungswesen keinen Sinn. Vom 1. bis 30. November bietet Films for Future eine ganze Reihe denkwürdiger und inspirierender Filme und Podiumsgespräche. Das Programm ist hier zu finden: Festival program 2025 | Films for Future
Wasser ist Ursprung, Element und Lebensquelle – und zugleich bedroht. «Our Blue World» nimmt uns mit auf eine filmische Odyssee durch die Welt des Wassers: von Gletschern über Flüsse bis zu den Tiefen der Ozeane. Angesichts zunehmender Dürren, Überschwemmungen, Brände und Artensterben wird deutlich: Wasser ist das Medium, durch das die Folgen des Klimawandels spürbar werden.
Der Film verbindet epische Bildsprache mit der Weisheit indigener Kulturen und moderner Wissenschaft und Technologie. Die hoffnungsvolle Botschaft: Mit einem Wandel im Bewusstsein und konkreten Maßnahmen können wir die Erde regenerieren und eine lebenswerte Zukunft gestalten.
In «Algorithmen – Die unberechenbare Gefahr» entlarvt Dorothe Dörholt die stille Macht digitaler Systeme, die längst unseren Alltag durchdringen. Der Film zeigt, wie Algorithmen Entscheidungen treffen, die unser Leben beeinflussen – von der Kreditvergabe über medizinische Diagnosen bis hin zur Strafverfolgung.
«Unschätzbare Wälder» führt uns in das Herz der Schweizer Wälder und zeigt eine Welt, die seit über 150 Jahren von nachhaltiger Forstwirtschaft geprägt ist. Der Film begleitet die Menschen, die diese Wälder Tag für Tag pflegen und am Leben erhalten. Nach und nach werden jedoch auch die Grenzen dieses scheinbar vorbildlichen Modells sichtbar, wenn es mit den Bedürfnissen der Gesellschaft konfrontiert wird, die wiederum Auswirkungen auf ferne Ökosysteme wie den Amazonas haben.
Ein eindringlicher Dokumentarfilm, der das Lokale mit dem Globalen verbindet und unsere westlichen Gewissheiten angesichts der dringenden Aufgabe, die Wälder unseres Planeten zu bewahren, hinterfragt.