Das Projekt macht weiter Hoffnung

Hier ein kurzes Update zum Projekt Hoffnung:

  • Der erste Vortrag mit dem Titel Der (einst) vitale Planet wurde erfolgreich aufgezeichnet. Die Slides und das Video sind auf der Webseite zu finden.
  • Der zweite Vortrag Macht und Wissenschaft wurde auch aufgezeichnet. Die Slides sind schon auf der Webseite und das Video dazu sollte demnächst folgen.

Was wir bisher gelernt haben:

  1. Ob eine Technologie als nachhaltig bezeichnet werden kann oder nicht, entscheidet weder die Politik noch die Wirtschaft, sondern die Thermodynamik. Um dies zu erklären, braucht man den ersten und zweiten Hauptsatz und den Begriff der Entropie.
  2. Propaganda und Meinungsmanipulation sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Auch wissenschaftliche Fakten und Erkenntnisse können jahrzehntelang unterdrückt werden. Was Galileo im 17. Jahrhundert passiert ist, geschieht heute täglich, denn die herrschende Meinung ist immer noch die Meinung der Herrschenden.

Ich freue mich sehr auf das nächste (hoffentlich) sehr interaktive Feierabendgespräch am Mittwoch, den 25. März. Wir wollen die Frage beantworten, ob der Kapitalismus noch zeitgemäss ist.

Weitere Infos hier: Kapitalismus als Religion?

Nieder mit den Alpen!

Die legendär gewordene aber nicht ganz ernst gemeinte Forderung «Nieder mit den Alpen! Freie Sicht aufs Mittelmeer!» wird langsam zur Realität. Nicht weil der Permafrost auftaut und grosse Geröllmassen ins Tal donnern, sondern weil das Tessiner Klima inzwischen die Alpen überquert hat. Die Figur unten zeigt die mittleren Monatstemperaturen in Lugano und Zürich in den 1960er-Jahren und seit dem Jahr 2020. Wie man sieht, liegen die beiden durchgezogenen Kurven (Zürich heute und Lugano vor 60 Jahren) praktisch aufeinander. Ob Hermann Hesse heute den Weg ins Tessin gefunden hätte, wissen wir somit nicht.

Line graph showing the monthly average temperatures in Zurich and Lugano for the years 1960-1969 and 2020-2025. Temperature in degrees Celsius plotted against months.

Die beiden Plots unten zeigen die Temperaturentwicklung in Zürich/Fluntern. Februar 2026 war sehr warm, und die Temperatur der Stadt hat seit den 1960er Jahren um 2 – 3 °C zugenommen. Mit der heutigen Energie- und Klimapolitik wird die Temperatur mit Sicherheit weiter ansteigen, was für die Hersteller von Klimaanlagen keine schlechte Nachricht ist. Für die Natur aber schon.

Line graph depicting monthly average temperatures in Zurich from 1960 to 2026, with data segmented by decades. The x-axis represents months, while the y-axis shows temperature in degrees Celsius. Different colored lines represent different decades, illustrating temperature trends over time.
Bar graph showing annual temperature anomalies in Zurich from 1960 to 2022, with values ranging from -1°C to 3°C.

Alle Daten sind öffentlich und auf der Webseite von MeteSchweiz zu finden: Homogene Messreihen ab 1864 – MeteoSchweiz.

Ist die Erde noch zu retten?

A woman asks a doctor if he can save a sick Earth, depicted as a sad face in a hospital bed, while the doctor responds that they won't be able to save it but will determine the cause of its death after it passes.

Letzten Samstag erschien im Tages-Anzeiger ein Artikel über Klimakipppunkte. Alles schön und gut. Heute muss man froh sein, wenn das Thema von den Medien überhaupt angesprochen wird. Leider wurde nichts darüber gesagt, wie der Weltuntergang zu verhindern wäre. Es gibt nämlich keinen Klimawandel, sondern nur Klimazerstörung: Die Erde stirbt, weil wir es so wollen. Wer erfahren möchte, wie der einzige bewohnbare Planet im uns bekannten Universum noch zu retten wäre, ist am 25. Februar 2026 an der OST in Rapperswil herzlich willkommen. Dann startet das Projekt Hoffnung: Veranstaltungen für zukunftsinteressierte Menschen.

Projekt Hoffnung

When the going gets tough, the tough get going!

Es gibt gute Gründe, wieso Kriegs- und Katastrophenfilme im Kino (oder auf Netflix) so gut ankommen. Offensichtlich fasziniert es uns zu sehen, wie Menschen in Extremsituationen reagieren und wie der Held (oder in moderneren Filmen auch mal eine Heldin) einen kühlen Kopf bewahrt und die Welt durch Mut und Kühnheit wieder einmal rettet.

Das einzige Realistische an solchen Filmen ist die Tatsache, dass viele Menschen in schwierigen Situationen zu schreienden Statisten werden. Offensichtlich sind die meisten von uns nicht in der Lage, in Krisensituationen rational zu denken und zu handeln. Stattdessen unternehmen wir alles, um nichts unternehmen zu müssen: Wir leugnen die Existenz der Gefahr, hoffen auf ein Wunder oder resignieren, weil wir uns machtlos fühlen. Alle drei Verhaltensmuster sind in der Politik der westlichen Demokratien heute deutlich zu erkennen.

Besonders beunruhigend ist die scheinbare Resignation der Jugend, die ich aber nicht als ganz irrational bezeichnen würde. Sie sind nicht schuld an der katastrophalen Weltlage und sie sehen wenig Möglichkeiten, innerhalb des bestehenden politischen Systems etwas zu verändern. Somit macht es mehr Sinn, das Leben zu geniessen und auf Kinder zu verzichten, als sich um die Zukunft zu kümmern. «Nach mir die Sintflut» ist das Verhalten, das sie von ihren Eltern und Lehrern gelernt haben.

Ich bin in der glücklichen Lage, täglich mit jungen Menschen zu interagieren. Die meisten von ihnen sind grossartig und ich wünsche ihnen von Herzen alles Gute. Nichtsdestotrotz zeigt die Fieberkurve unseres Planeten immer steiler nach oben, das Artensterben beschleunigt sich und die Doomsday Clock gibt inzwischen 85 Sekunden vor Mitternacht an. Es erstaunt deshalb nicht, dass es immer mehr junge Menschen gibt, denen es psychisch schlecht geht.

«When the going gets tough, the tough get going» heisst ein amerikanisches Sprichwort. Wir sind jetzt an dem Punkt im Actionfilm angelangt, wo die mutigen und rational denkenden Menschen die Sache in die Hand nehmen, um das Böse zu besiegen. Wer zu dieser Kategorie gehört, hat wenig mit Bildung und sozialem Status zu tun, sondern eher mit Charakter. Was wir tun müssen, basiert auf Fakten.

Seit über 12 Jahren beschäftige ich mich mit der Klimakrise und bin jetzt bereit, eine Synthese zu formulieren, die ich in einer Reihe von Vorträgen und Feierabendgesprächen an der OST präsentieren werde. Das Programm sieht wie folgt aus:

Der (einst) vitale Planet

Vortrag an der OST
Mittwoch, 25. Februar 2026, Hörsaal 3.008

Es handelt sich um einen Physikvortrag, in dem ich auf mathematische Formeln verzichte, um ihn allgemeinverständlich zu gestalten. Ich möchte zeigen, dass es eine wissenschaftliche Definition der Nachhaltigkeit gibt, die von den wenigsten verstanden wird. Ohne diese Definition kommen wir aber nicht weiter.

Macht und Wissenschaft

Feierabendgespräch an der OST
Mittwoch, 11. März 2026, Hörsaal 3.008

Hier wird der Spruch «die herrschende Meinung ist die Meinung der Herrschenden» erläutert, mit Beispielen aus den letzten 400 Jahren von Galileo bis zum Klimawandel.

Kapitalismus als Religion?

Feierabendgespräch an der OST
Mittwoch, 25. März 2026, Hörsaal 3.008

Basierend auf Arbeiten von Thomas Piketty, Joseph E. Stiglitz, John K. Galbraith, Kate Raworth, Ann Pettifor, Yanis Varoufakis, Jason Hickel, Bret Christophers, Steve Keen und anderen Ökonomen wird erklärt, wieso unser Wirtschaftssystem immer weniger Sinn macht.

Globale Klimakompensation

Feierabendgespräch an der OST
Mittwoch, 15. April 2026, Hörsaal 3.008

Es wird ein Plan zur Weltrettung vorgestellt, von dem 80 % der Weltbevölkerung profitieren würden und der sogar vom CEO der Exxon Mobil Corporation als sinnvoll erachtet wird.

Die friedliche Revolution

Feierabendgespräch an der OST
Mittwoch, 29. April 2026, Hörsaal 3.008

Es könnte alles anders sein. Die Probleme der Menschheit sind menschengemacht und können somit auch von Menschen gelöst werden. Wenn sich hinreichend viele von uns entscheiden würden, das Richtige zu tun, wäre der Weltuntergang kein Thema mehr.

Ich freue mich auf zahlreiche und engagierte Teilnahme, vor allem von jungen Menschen.

UEBER DIE ENERGIEVORRAETHE DER NATUR UND IHRE WERTHUNG ZUM NUTZEN DER MENSCHHEIT

Im Jahr 1885 hielt Rudolf Clausius – der Erfinder des Entropiebegriffes der Thermodynamik – eine bemerkenswerte Rede, in der er ein internationales Abkommen zur Begrenzung der Nutzung fossiler Brennstoffe (damals Kohle) forderte. Seine Argumentation hatte nichts mit dem Klimawandel zu tun, sondern war viel einfacher: Die fossilen Energieträger sind über einen sehr langen Zeitraum entstanden und können durch nichts ersetzt werden. Eine Gesellschaft, die auf den Verbrauch dieser nicht erneuerbaren Ressource angewiesen ist, wird in absehbarer Zeit untergehen.

Wir haben gefunden, dass unter der Erde Kohlenvorräthe aus alten Zeiten liegen, welche sich im Laufe so langer Zeiträume, dass alle historischen Zeiten dagegen verschwindend klein sind, durch allmähliches Wachsen der damals auf der Erde vorhandenen Pflanzen gebildet und massenhaft abgelagert haben. Diese verbrauchen wir nun, und verhalten uns dabei ganz wie lachende Erben, welche eine reiche Hinterlassenschaft verzehren. Es wird aus der Erde herausgeschafft, so viel sich durch Menschenkraft und technische Hülfsmittel nur irgend heraufschaffen lässt, und das wird verbraucht, als ob es unerschöpflich wäre. Dabei nehmen die kohlenverzehrenden Eisenbahnen, Dampfschiffe und durch Dampfmaschinen getriebenen Fabrikanlagen in Staunen erregenden Maasse zu, so dass sich beim Blick in die Zukunft unwillkürlich die Frage aufdrängt, was daraus werden soll, wenn die Kohlenlager erschöpft sind.

Er folgert daraus:

Während das letztverflossene Jahrhundert sich dadurch ausgezeichnet hat, dass durch Erfindung oder Vervollkommnung von Maschinen, unter denen die Dampfmaschine oben an steht, die Kraftquellen der Natur in einer früher nicht geahnten Weise dem Menschen dienstbar gemacht sind, werden die folgenden Jahrhunderte die Aufgabe haben, die in dem Verbrauch dessen, was uns an Kraftquellen in der Natur geboten ist, eine weise Oekonomie ein zuführen, und besonders dasjenige, was wir als Hinterlassenschaft früherer Zeitepochen im Erdboden vorfinden, und was durch nichts wieder ersetzt werden kann, nicht verschwenderisch zu verschleudern. Je eher hierin eine Wendung eintritt, desto besser wird es für die Zukunft sein. Die an der Spitze der Civilisation stehenden Nationen sollten sich bei Zeiten zusammenthun, um die Ausbeutung der Kohlenlager in ähnlicher Weise zu controlieren, wie in gut organisierten Staaten die Ausbeutung der Wälder controliert wird.

Jetzt kann selbstverständlich behauptet werden, dass sich die Technik in den 140 Jahren seit der Rede von Rudolf Clausius weiterentwickelt hat. Sein Argument gilt auch für Erdöl und Erdgas, aber was in seiner Analyse fehlt, sind Nuklearenergie und Photovoltaik, da diese Technologien zu seiner Zeit noch nicht bekannt waren. Das Kuchendiagramm unten zeigt den Energieverbrauch der Menschheit im Jahr 2024. Wir sehen, dass Nuklearenergie etwa 5 % und die Photovoltaik etwa 1 % des menschlichen Energieverbrauchs decken. Die Argumentation von Prof. Clausius aus dem Jahr 1885 ist somit immer noch zu 94 % richtig.

A pie chart illustrating energy sources, showing Oil (199.1), Natural Gas (148.6), Coal (165.1), Nuclear energy (30.7), Renewables (25.1), Hydro electric (16.0), Solar (7.6) and a small section for others.
Die globale Energieversorgung in Exajoule (EJ) im Jahr 2024. Quelle: Statistical Review of World Energy

Heute erscheinen immer mehr wissenschaftliche Publikationen, die Carbon Dioxide Removal (CDR) als Lösung der Klimakrise vorschlagen. Eigentlich müssen wir froh sein, dass sie nicht mehr von Carbon Removal Technology reden, denn es gibt dafür keine funktionierende Technologie. Sie wollen das Problem des Klimawandels lösen, indem noch mehr Öl, Gas und Kohle gefördert werden. Denn dank des von Prof. Clausius entdeckten zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik wissen wir, dass jede Methode, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu holen, sehr viel Energie brauchen wird. In einer Welt, in der mehr als 80 % der Energie aus fossilen Quellen kommt, würde diese Technologie keinen Sinn machen, auch wenn es sie gäbe.

Wir stellen somit fest: Es erscheinen heute wissenschaftliche Publikationen, deren Behauptungen schon vor 140 Jahren widerlegt waren. Ich weiss langsam nicht mehr, was ich dazu sagen soll. Vielleicht mit Brecht: «Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral.»