Hier zur Abwechslung eine gute Nachricht: Die Anmeldezahlen für den Studiengang Erneuerbare Energien und Umwelttechnik sehen in diesem Jahr gut aus. Offensichtlich sind die Schülerinnen und Schüler der Schweiz klüger als die Politik und wissen, was wichtig ist.
Der Humor ist nur der Selbstvorwurf eines, der nicht wahnsinnig wurde bei dem Gedanken, mit heilem Hirn die Zeugenschaft dieser Zeitdinge bestanden zu haben. Außer ihm, der die Schmach solchen Anteils einer Nachwelt preisgibt, hat kein anderer ein Recht auf diesen Humor. Die Mitwelt, die geduldet hat, daß die Dinge geschehen, die hier aufgeschrieben sind, stelle das Recht, zu lachen, hinter die Pflicht, zu weinen. Die unwahrscheinlichsten Taten, die hier gemeldet werden, sind wirklich geschehen; ich habe gemalt, was sie nur taten. Die unwahrscheinlichsten Gespräche, die hier geführt werden, sind wörtlich gesprochen worden; die grellsten Erfindungen sind Zitate. Sätze, deren Wahnwitz unverlierbar dem Ohr eingeschrieben ist, wachsen zur Lebensmusik.
– Karl Kraus, Die letzten Tage der Menschheit.
Als ich im Jahr 2013 meinen ersten Klimavortrag hielt, war ich immer noch der Meinung, dass Aufklärung etwas bewirken würde. Wenn die Menschen nur wüssten, wie gross das Problem ist und wie wir es lösen könnten, würden sie ihren Kindern zuliebe etwas tun. Das glaube ich nicht mehr. Die meisten Menschen sind zu bequem, faul und feige, um aktiv zu werden, und ausserdem scheint ihnen die Zukunft der eigenen Kinder vollkommen egal zu sein. Diese Gleichgültigkeit der Menschen ist am schwersten zu ertragen.
Wie Harald Welzer festgehalten hat, leben wir heute in einer Gesellschaft, die den Generationenvertrag einseitig aufgekündigt hat (Welzer, Harald. Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand). Junge Menschen sind da, um die Privilegien der Alten zu verteidigen. Entweder durch ihre Arbeit, die dazu dient, ein kaputtes Pensionssystem etwas länger am Leben zu halten oder als Kanonenfutter in einem Krieg, dessen angebliches Ziel es ist, ein Europa zu verteidigen, das es längst nicht mehr gibt. Nach der Finanzkrise, der COVID-Krise, dem Krieg in der Ukraine und dem Genozid in Gaza ist vom paneuropäischen Gedanken wenig übrig. Wenn sogar die grünen Parteien lieber Kriege führen als den Klimawandel und die Umweltzerstörung zu verhindern, fällt es einem nicht leicht, hoffnungsvoll zu bleiben.
Eine Szene aus “Das Lächeln einer Sommernacht” von Ingmar Bergman
Vor allem stellt sich die Frage, wer einen Plan für die Zukunft hat. Vor 12 Jahren haben viele Politiker und Politikerinnen zumindest so getan, als läge ihnen das Überleben der Menschheit am Herzen. Heute nicht mehr. Stattdessen werden von PR-Experten ausgearbeitete Pressemitteilungen als politische Programme verkleidet und verkündet. In der politischen Kommunikation ist es offensichtlich nicht mehr relevant, ob eine Aussage richtig oder falsch ist, oder ob ein politisches Programm nur ansatzweise umsetzbar ist. Es ist, als hätte die politische Klasse komplett den Bezug zur Realität verloren. Europa soll gleichzeitig die erneuerbaren Energien ausbauen, die Energiepreise senken, die Rüstungsausgaben deutlich erhöhen, um einen ewigen Krieg gegen Russland führen zu können, und einen 50-jährigen Rückstand in Computertechnologie aufholen, um führend im Bereich der künstlichen Intelligenz zu werden. Und dies alles soll mit einer immer älter werdenden Bevölkerung passieren und durch Staatsverschuldung und Kürzungen der anderen Staatsausgaben finanziert werden. Die Überlegung macht gewissermassen Sinn: Wer braucht schon Bildung, Forschung oder Umweltschutz, wenn es sowieso keine Zukunft geben wird. Das Einzige, was nicht in Frage kommt, sind Steuererhöhungen für die Reichen. Dies sind politische Programme, deren Wahnwitz dem Ohr unverlierbar eingeschrieben ist, wie Karl Kraus es vor über 100 Jahren so schön formuliert hat.
Das große Europa führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
– frei nach Bertolt Brecht
Wer sich die Nutzung des Wortes Kakistokratie – die Herrschaft der Schlechtesten – auf Google Ngram anschaut, wird eine stetige Zunahme seit dem Jahr 2016 feststellen. Das mächtigste Land der Welt wird seit mehr als acht Jahren von einem Präsidenten regiert, der nicht denken kann. Entweder weil er zu alt ist oder weil er es nie konnte. Das Phänomen ist aber in praktisch allen westlichen Demokratien zu beobachten. Wahrscheinlich sind die gesellschaftlichen Herausforderungen inzwischen so gross, dass wer mit guten Absichten in die Politik steigt nur verlieren kann. Somit stellen sich nur Scharlatane, Betrüger und Opportunisten zur Wahl, weil sie sich selbst und ihre Freunde bereichern wollen und nicht, weil sie eine Vision für die Zukunft haben.
Wenigstens müssen wir uns heute nicht mehr fragen, wie die grossen Katastrophen der Vergangenheit – der Erste Weltkrieg, der Holocaust oder der Vietnamkrieg – passieren konnten, da sie gerade vor unseren Augen wieder passieren würden, wenn wir den Mut hätten, unsere Augen aufzumachen. Die menschliche Fähigkeit des Wegschauens, der Realitätsverweigerung und des Normalisierens scheint keine Grenzen zu kennen. Was gerade in Gaza, in der Ukraine oder in den USA passiert ist weder normal noch akzeptabel.
Es wird sicher nie eine Welt ohne Konflikte geben. Dies ist aber nicht notwendig, wie John F. Kennedy in seiner grossartigen Rede vom 10. Juni 1963 festgehalten hat. Frieden hiesse, dass wir uns endlich verpflichteten, Konflikte durch Verhandlungen und Diplomatie zu lösen statt durch Gewalt. Oder uns wieder dazu verpflichten, denn in der Charta der Vereinten Nationen steht das Wesentliche schon drin:
Wir, die Völker der Vereinten Nationen – fest entschlossen, künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat, unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen, Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und die Achtung vor den Verpflichtungen aus Verträgen und anderen Quellen des Völkerrechts gewahrt werden können, den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern.
– Charta der Vereinigten Nationen (1945)
Was ist schiefgelaufen? Nur drei Jahre nach der Unterzeichnung der UN-Charta hat George Kennan die Ziele der amerikanischen Aussenpolitik festgehalten:
Ausserdem verfügen wir über etwa 50 % des weltweiten Reichtums, aber nur 6,3 % der Bevölkerung. Dieses Missverhältnis ist besonders groß zwischen uns und den Völkern Asiens. In dieser Situation sind wir unweigerlich das Ziel von Neid und Missgunst. Unsere eigentliche Aufgabe in der kommenden Zeit besteht darin, ein Beziehungsgefüge zu entwickeln, das es uns ermöglicht, diese ungleiche Position ohne signifikante negative Auswirkungen auf unsere nationale Sicherheit zu halten. Dazu müssen wir auf alle Sentimentalitäten und Träumereien verzichten und unsere Aufmerksamkeit überall auf unsere unmittelbaren nationalen Ziele richten. Wir brauchen uns nicht vorzumachen, dass wir uns heute den Luxus von Altruismus und Weltverbesserung leisten können.
Es ist schwierig, in Frieden zu leben und gleichzeitig andere Länder auszubeuten. Im Diagramm unten habe ich die Bevölkerung, das Bruttoinlandsprodukt und die Militärausgaben der Welt in drei Gruppen eingeteilt. Der globale Norden hat heute etwa 14 % der Weltbevölkerung, 56 % des BIP und knapp zwei Drittel der Militärausgaben.
Die reichen Industrinationen versuchen immer noch, ihre militärische Überlegenheit zu nutzen, um die Welt auszubeuten. Es gibt aber viele andere Grossmächte, die auch ein Stück vom Kuchen haben wollen.
Europa hat einen großen Appetit, aber sehr schlechte Zähne.
– frei nach Otto von Bismarck
Der berühmte Satz von Bismarck passt wunderbar auf das heutige Europa. Lange haben die europäischen Kolonialmächte selbst den globalen Süden ausgebeutet. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs tun sie es immer noch, aber hauptsächlich als Trittbrettfahrer der amerikanischen Kriegsmaschine. Jetzt hat die USA entschieden, den Ballast abzuwerfen, da sie selbst durch zwei grosse Ozeane geschützt sind. Es macht deutlich mehr Sinn, sich auf die Konsolidierung des nordamerikanischen Territoriums zu fokussieren, wozu aus ihrer Sicht auch Grönland gehört. Die Europäer sollen selbst schauen, wie sie klarkommen.
Europa hat aber schlechte Voraussetzungen, eine globale Grossmacht zu werden. Der Subkontinent hat keine nennenswerten Energie- oder Naturressourcen, eine immer älter werdende Bevölkerung und keine politische Einigkeit. Ausserdem ist Europa keine Insel und auch keine Festung. Die Aussengrenze gegen einen grossangelegten militärischen Angriff zu verteidigen, würde eine enorme Armee erfordern, die einfach nicht zur Verfügung steht.
Manchmal muss man aus der Not eine Tugend machen. Der grosse strategische Vorteil der Europäer ist, dass niemand sie angreifen möchte, weil es nichts zu holen gibt. Die Europäer sind nicht mal in Friedenszeiten in der Lage, sich zu regieren. Wieso sollte eine Besatzungsmacht es wollen? Wenn die EU nur bereit wäre, konstruktiv mit den Nachbarn auf dem eurasischen und afrikanischen Kontinent zusammenzuarbeiten, hätten wir deutlich weniger Probleme.
«Wer eine friedliche Revolution verhindert, macht eine gewaltsame Revolution unumgänglich» hat John F. Kennedy gesagt. Und wer eine friedliche Revolution verhindern möchte, muss inkompetente oder korrupte Führungspersonen einsetzen. Wenn ranghohe europäische Politiker*innen behaupten, dass wir gegen Russland siegen müssen, um später China besiegen zu können, muss man «das Recht zu lachen hinter die Pflicht zu weinen» stellen. Wer sich die Konsequenzen dieser Aussage kurz überlegt, versteht sofort, dass hier der Dritte Weltkrieg vorbereitet wird. Wollen wir das?
Wer den Frieden will, muss bereit sein, seinen Wohlstand zu teilen. Die Kräfte, die zum Untergang Europas führen werden, sind hauptsächlich Gier und Rassismus. Wir scheinen immer noch zu glauben, dass wir einen Lebensstandard und einen damit verbundenen ökologischen Fussabdruck haben können, die viel höher sind als in den Nachbarländern. Ausserdem sind viele unserer Politikerinnen der Meinung, dass alle Rassen gleich sind, aber die weisse Rasse doch ein wenig gleicher. Ob wir uns empören, wenn unschuldige Menschen getötet werden, ist immer noch von ihrer Hautfarbe abhängig.
Keeling-Kurve: Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre steigt immer steiler an. Die Oszillationen der gemessen Daten zeigen, dass der Planet noch lebt.
Schliesslich hängt über unseren Köpfen immer noch das Damoklesschwert des Klimawandels. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre nimmt immer schneller zu und die Rückkopplungsmechanismen, vor denen uns die Klimaforscher gewarnt haben, fangen an zu wirken. Unsere Biosphäre verliert zunehmend ihre Fähigkeit, Kohlendioxid zu absorbieren, weshalb die Konzentration in der Atmosphäre schneller ansteigt als die Emissionen. Wenn man die Amplitude der Oszillationen der CO2-Konzentration im obigen Diagramm als das «Atmen des Planeten» bezeichnet, kann sich leicht überzeugen, dass der Planet stirbt. Der Plot unten zeigt den jährlichen Anstieg der CO2-Konzentration (Decay) und die Amplitude der Oszillation (Breathing). Seit etwa 25 Jahren werden die Atemzüge unseres Planeten immer schwächer.
Wenn ich sage, dass die Welt zunehmend von Vollidioten regiert wird, meine ich dies nicht als Beleidigung, sondern als eine objektive Feststellung. Die führenden Politiker*innen verstehen nicht, wie unsere Welt funktioniert. Schlimmer noch, sie verstehen nicht, dass sie nichts verstehen, oder dass es etwas zu verstehen gäbe. Sie leben in einer artifiziellen Realität und erkennen nicht «den Unterschied […], der zwischen den auf Meinung gegründeten und den beweisbaren Lehren besteht.» Dieses Zitat ist einem Brief von Galileo Galilei aus dem Jahr 1615 entnommen.
Unsere Hoffnung besteht darin, dass immer mehr Menschen die Korruption des politischen Systems erkennen und verstehen, dass wir in Scheindemokratien leben. Es geht jetzt darum, diesen Menschen einen realistischen Aktionsplan zu geben. Die Global Climate Compensation ist ein ernstgemeinter Versuch, dies zu tun. Es wäre schön, wenn es gelingen würde. Wenn nicht, ist alles sowieso egal.
Es gehört zum Schwierigsten, was einem denkenden Menschen auferlegt werden kann, wissend unter Unwissenden den Ablauf eines historischen Prozesses miterleben zu müssen, dessen unausweichlichen Ausgang er längst mit Deutlichkeit kennt. Die Zeit des Irrtums der anderen, der falschen Hoffnungen, der blind begangenen Fehler wird dann sehr lang
Here is an inspiring conversation on the future of Europe. My biggest fear is that the people in charge — from left to right on the political spectrum and the private sector — simply do not get it. We have reached a point in time where old ideas do not work anymore.
The crisis consists precisely in the fact that the old is dying and the new cannot be born; in this interregnum a great variety of morbid symptoms appear. — Antonio Gramsci
Einige Gedanken zum Klimawandel und zur Wiederwahl von Donald Trump.
Auf Wunsch der Studierenden fing ich im Jahr 2013 an, Klimavorträge zu halten. Damals hatte die atmosphärische CO2-Konzentration den Wert von 400 ppm noch nicht erreicht, die USA hatte mit Barack Obama einen Präsidenten, der in vollständigen Sätzen kommunizieren konnte, und die Welt hatte noch nichts vom Pariser Klimaabkommen oder dem 1,5-Grad-Ziel gehört. Einen Sonnenzyklus später haben wir dieses Ziel bereits hinter uns gelassen, der amerikanische Präsident heisst zum zweiten Mal Donald Trump, und die Treibhausgaskonzentrationen steigen immer steiler an.
Wir fahren gegen eine Wand und beschleunigen immer noch! Obwohl die Auswirkungen des Klimawandels inzwischen unübersehbar sind, hat keine Regierung der Welt einen Plan, um etwas dagegen zu tun. Sogar das UN Environment Programme bezeichnet die internationale Klimapolitik als «heisse Luft» und betont, dass reale Probleme nicht durch Rhetorik allein gelöst werden können.
In diesem Vortrag möchte ich gnadenlos aufzeigen, was schiefgelaufen ist, und wie wir trotz allem die Menschheit retten könnten. Erstaunlicherweise ist die Lösung in meinem ersten Vortrag aus dem Jahr 2013 zu finden, denn wirtschaftliche und politische Lösungen funktionieren besser, wenn sie mit der Thermodynamik kompatibel sind.
Wann: 25. Februar 2025 um 17:15 Wo: Ostschweizer Fachhochschule, Oberseestrasse 10, Rapperswil Anmeldung: Eventbrite
Der Vortrag ist besonders für junge Menschen geeignet, um etwas Hoffnung zu schöpfen. Wer den Event bewerben möchte, findet das entsprechende Plakat hier:
Am Samstag 16. November haben wir uns in Zürich würdevoll vom fossilen Verbrennungsmotor verabschiedet. Herzlichen Danke an weactnow für die Einladung. Unten der Text meiner kurzen Ansprache.
Liebe Trauergemeinde, Freunde, hört mich an: Begraben will ich den Verbrennungsmotor, nicht ihn preisen. Was Maschinen Übles tun, das überlebt sie, Das Gute wird mit ihnen oft begraben.
So war es auch mit dem Verbrennungsmotor. Der Nutzen war von kurzer Dauer, der Schaden bleibt. Schon Prof. Clausius, einer der Erfinder der Thermodynamik, hat im Jahr 1885 auf eines der Hauptprobleme hingewiesen: «Die fossilen Brennstoffe verbrauchen wir nun, und verhalten uns dabei ganz wie lachende Erben, welche eine reiche Hinterlassenschaft verzehren. Es wird aus der Erde herausgeschafft, so viel sich durch Menschenkraft und technische Hilfsmittel nur irgendwie heraufschaffen lässt, und das wird verbraucht, als ob es unerschöpflich wäre.» Vom Anfang an war klar, dass eine Gesellschaft, die auf der Nutzung fossiler Brennstoffe basiert, nicht lange überleben wird.
Der Verbrennungsmotor war aber sehr verführerisch. Plötzlich war es möglich, ohne zu arbeiten reich zu werden – ein alter Traum der Menschheit. Der unbegrenzte Zugang zu Energie hat uns ermöglicht, Berge zu versetzen, Wälder zu roden, Flüsse umzuleiten, und nur so zum Spaß, um die Welt zu reisen. Die Frage, warum wir dies denn tun sollten, wurde aber nie abschließend beantwortet. «Weil wir es können» war stets die Begründung.
Lieber Verbrennungsmotor, was hätten wir bloß ohne Dich getan?
Dank Dir waren die großen zerstörerischen Kriege des 20. und 21. Jahrhunderts erst möglich. Denn nur mit Lastwagen, Panzern und Flugzeugen konnten genug Soldaten, Waffen, und Sprengstoff an die Front transportiert werden, um die volle Zerstörungswut der Menschen zu entfalten. Dabei war die Kriegsursache stets die gleiche: der Zugang zum Erdöl. Die Mächtigen waren auf das schwarze Gold angewiesen, und mussten immer teurere und blutigere Kriege führen, um den Nachschub zu sichern. Die Absurdität dieses Teufelskreises hat einem der Mitbegründer der OPEC dazu veranlasst, Erdöl als «die Ausscheidung des Teufels» zu bezeichnen.
Lieber Verbrennungsmotor, wie hätten wir ohne Dich gelebt?
Einen großen Einfluss auf unsere Gesellschaft hatte das Privatauto; das Symbol der Freiheit, das uns vollends versklavt hat. Seinetwegen wurde nicht nur Parkgaragen, Straßen, und Autobahnen gebaut, sondern auch Fabriken, welche die Autos produzierten. Hier wieder der Teufelskreis: Die Menschen haben geschuftet, um sich ein Auto leisten zu können, das sie hauptsächlich dafür genutzt haben, um zur Arbeit zu fahren. Dank der Ineffizienz des motorisierten Individualverkehrs war es möglich, trotz des angeblich arbeitssparenden Verbrennungsmotors immer mehr zu arbeiten.
Lieber Verbrennungsmotor, wie hätten wir ohne Dich geatmet?
Auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort: Besser. Mit dem Autoverkehr kam auch die Luftverschmutzung: Blei, Feinstaub, Ozon, Stickoxide. Jährlich starben weltweit Millionen von Menschen an den Folgen der schlechten Luftqualität. Dazu kamen noch die vielen Verkehrstoten. Der Kollateralschaden des Autoverkehrs wurde einfach hingenommen, weil unsere Gesellschaft vom Auto abhängig geworden war. «Was nicht sein darf, kann auch nicht sein.» Die von dem Verbrennungsmotor verursachten Problem wurden geleugnet, weil eine Konsumgesellschaft ohne ihn gar nicht möglich war.
Lieber Verbrennungsmotor, «Is it a man’s world?»
Mein Onkel Sven wurde im Jahr 1927 geboren. Kürzlich habe ich ein Foto von ihm als Teenager gefunden und eine junge Verwandte von mir hat den besten Kommentar dazu geliefert: «So sehen junge Männer halt nicht mehr aus.» Der Bauernsohn aus Südschweden steht lächelnd wie ein Spitzenathlet am Strand: Nur Muskeln und kein Fett.
Die Zeiten, in denen viele Arbeiten mit Muskelkraft verrichtet wurden, liegen erst 1-2 Generationen zurück. Da Männer größer und physisch stärker sind als Frauen, gab es auch für Männer mit schlechten Schulnoten genug zu tun. Wer bereit war, hart zu arbeiten, musste keine Angst haben, arbeitslos zu sein. Die Automatisierung, die Maschinen, und der Verbrennungsmotor haben dies verändert. Wenn Männer sich über den gefühlten Statusverlust in der modernen Gesellschaft beschweren, haben sie nicht ganz unrecht. Daran sind aber nicht die Frauen schuld, sondern ihre eigene Dummheit. Mit der Erfindung des Verbrennungsmotors haben sie sich selbst überflüssig gemacht.
“Man made the car, to take us over the road, Man made the train, to carry the heavy load” singt James Brown in “It is a man’s world”. Über die Konsequenzen hat er wohl auch nie nachgedacht.
Lieber Verbrennungsmotor, lange werden wir uns an Dich erinnern (müssen). Leider!