Climate Destruction – when do we pull the emergency brake?

You can fool some of the people all of the time, and all of the people some of the time, but you cannot fool all of the people all of the time.

(quotation often attributed to Abraham Lincoln)

Well, it appears that many people have finally realized that they are being lied to. This time, it was a young girl in Stockholm who – much like in the story of the Emperor’s New Clothes – pointed out the obvious: if we continue with business as usual, it really does not make sense for young people to go to school, invest in an education, or put money in pension funds. The school strike started by Greta Thunberg has received quite some media attention and inspired young people all over the world. I can recommend you all to read her statement.

ClimateChangeTimeLine

Oops! It turns out that Limits to Growth was right after all. Unlimited economic growth is not possible on a finite planet and we have now reached or exceeded many of the planetary boundaries. Our children are now literally fighting for the lives. It is up to us – their parents – to decide which side we are on. For most people, this should be an easy choice.

Unfortunately, many people and almost all politicians continue to deny the obvious connection between the size of the economy and the rate of environmental destruction. As Greta Thunberg points out, global oil consumption recently passed 100 million barrels of oil per day. This ever-increasing oil consumption is caused by economic growth and it leads to environmental destruction.

Do we need to reduce the size of the economy to save humanity? Is water wet? Our refusal to accept the obvious makes us unable to implement even straightforward measures to avoid disaster. We know that every intercontinental flight emits hundreds of tons of CO2, which will remain in the atmosphere and heat the Earth for many centuries to come. Yet, we are not allowed to question whether all these flights are necessary. 50% of global emissions are caused by 10% of the world’s population. The rich are destroying the world.

We are now in state of Climate Emergency. If we act today, we might still save parts of the planet. If not, we will have abdicated our responsibility as parents and as civilized human beings. The time has come to pull the economic emergency brake and to cease unnecessary economic activity. So, if you love your children, you need to stop flying and stop buying. You should also join the environmental movement, because ten years from now it will be too late.

Oh, and in case you were wondering: global CO2 emissions soared to a new high in 2018.

PS. If you need an uplifting speech after all this misery, I can recommend Henry V. It is amazing what determined and brave people can accomplish.

Null Öl, null Gas, null Kohle

Öffentlicher Vortag an der HSR

Wie wir das Klima-Abkommen von Paris umsetzen können

Montag, 17. Dezember 2018, 17.15 – 19.00 Uhr
HSR Hochschule für Technik, Rapperswil, Gebäude 4, Aula

Im Klimaabkommen von Paris haben die Staaten vor vier Jahren vereinbart, bis 2050 aus den fossilen Energien auszusteigen. Damit wollen sie die Erderwärmung bis Ende dieses Jahrhunderts auf deutlich unter zwei Grad Celsius begrenzen.

Marcel Hänggi zeigt in seinem Vortrag auf, wie wir dieses ambitiöse Ziel erreichen können. Marcel Hänggi, geboren 1969, ist Umweltjournalist und Buchautor in Zürich. Er wurde mit dem Zürcher Journalistenpreis und dem Conrad-Matschoss-Preis für Technikgeschichte ausgezeichnet. 2013 wählte ihn die Zeitschrift Schweizer Journalist zum Wissenschaftsjournalisten des Jahres. Marcel Hänggi ist Mitinitiant der Gletscher-Initiative. Sie verlangt, dass die Schweiz ab 2050 vollkommen klimaneutral wird.

Flyer zum Anlass

 

 

Exxon was right!

Some remarkable documents have emerged from major oil companies in recent years. Obviously, they have long been aware of the effects of greenhouse gases on the Earth’s climate. Still, it is shocking to see to what extent they understood the problem of global warming already in the 1980s. An internal report by Exxon from 1982 contains a forecast for the global average temperature of the Earth (cf. Shell and Exxon’s secret 1980s climate change warnings, The Guardian 2018-09-19).

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I have allowed myself to add the actual development of the temperature (annual averages as red stars). Obviously, the Exxon scientists were correct. Faced with such evidence, the Exxon management took the decision not only to continue to sell oil, but also to use their economic power to influence the political and scientific process. Greed is not good!

The data sources for the dots can be found here: https://nordborg.ch/2020/08/29/climate-plots.

What you really need to know about climate change

It was a great pleasure to give a lecture on climate change, consequences, and actions at the University in beautiful Sønderborg. It finally gave me the opportunity to translate my presentation into English. The slides (as PDF) can be found here

What you really need to know about climate change

I working on a recording of the lecture.

sonderborg

 

Wenn wir die Zukunft vorhersagen können, aber nicht wollen.

Vergessen Sie die Digitalisierung – die Zukunft heisst Dekarbonisierung

Prof. Dr. Henrik Nordborg
Studiengangleiter Erneuerbare Energien und Umwelttechnik
HSR Hochschule für Technik, Rapperswil

Nehmen wir an, Sie wollen an einer Hanglage eine Wohnsiedlung errichten. Das erforderliche geologische Gutachten zeigt aber, dass der Hang instabil ist, weshalb nur mit kostspieligen Zusatzmassnahmen gebaut werden kann. In unserer Gesellschaft wären Sie verpflichtet, die erforderlichen Massnahmen umzusetzen, um überhaupt bauen zu dürfen. Niemand darf eine Siedlung realisieren, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Tal abrutschen wird. Die Moral der Geschichte: Die Sicherheit der Bevölkerung ist wichtiger als der Profit und wir verlassen uns auf Experten, um Gefahren abzuschätzen. Dies ist der Grund, wieso wir heute ohne Bedenken in ein Flugzeug steigen oder mit dem Auto über eine Autobahnbrücke fahren. Das Wissen der Experten garantiert unsere Sicherheit und wir sind bereit, die Zusatzkosten dafür zu zahlen.

Wenn es um die Klimaerwärmung geht, scheint die Menschheit weniger vernünftig zu agieren. Trotz mehrerer eindeutiger Berichte des IPCC [1], welche seit 1990 in regelmässigen Abständen erscheinen und in aller Deutlichkeit auf die Gefahren der Erderwärmung hinweisen, hat kein einziges Land der Welt eine mit den Zielen der Uno kompatible Klimapolitik [2]. Die Erde hat sich bereits um 1°C erwärmt und wir sind auf Kurs, diesen Planeten bis Ende des Jahrhunderts um weitere 2-3°C zu erwärmen [3]. Um beim obigen Vergleich zu bleiben: Die Wohnsiedlung wurde günstig gebaut und ist bereits ins Rutschen geraten. Wenn wir nicht schnell handeln, werden viele Menschen sterben. Zum Glück für die Politiker haben die jungen Leute, deren Leben akut gefährdet sind, noch kein Stimmrecht.

In der Gesellschaft tut sich aber etwas, da immer mehr Menschen Mühe haben, ihren Kindern oder Enkelkindern in die Augen zu schauen und ihnen die Wahrheit über den Zustand der Welt zu sagen. In der Schweiz haben die Klimaseniorinnen eine Klage einegereicht [4], um schärfere Massnahmen gegen die Klimazerstörung zu fordern. In den USA verklagen mehre Städte, wie z.B. New York [5] und San Francisco [6], die grossen Ölfirmen. Weitere Beispiele sind die Klage von Greenpeace gegen die norwegische Regierung [7], die Klage der Organisation «Our Children’s Trust» in den USA im Namen aller jungen Menschen und künftiger Generationen [8] und die von Arnold Schwarzenegger [9].

Bei der Klima- und Umweltzerstörung geht es nämlich nicht um mangelndes Wissen oder Technik. Es geht nur um kurzfristiges Denken, Dummheit und Gier. Die Lösung der Krise wird viel Geld kosten und niemand ist bereit, den Kindern zuliebe auf etwas zu verzichten. Wie Marc Baumann es in der Süddeutschen Zeitung formuliert hat: «Urlaub war uns wichtiger als eure Zukunft, sorry» [10]. Es geht dabei aber um etwas sehr Fundamentales: den Staatsvertrag. Ein Staat, der seine Bevölkerung nicht schützt, hat keine Existenzberechtigung. Politiker, denen die Zukunft der Kinder ihrer Wähler egal ist, landen bald auf dem «Schutthaufen der Geschichte». So gesehen gibt es keine Alternative zu einer ambitionierten Klimapolitik.

Offensichtlich ist diese Botschaft nicht überall angekommen. An einer Digitalisierungs-konferenz in Zürich vor einigen Jahren hat der Hauptredner den Vortrag mit folgenden Worten begonnen: «Meine Damen und Herren. Stellen sich die Welt in 30 Jahren vor. Das Energieproblem der Menschheit ist gelöst.» Dies hat mich sehr betroffen gemacht. Nicht nur, weil die Aussage offensichtlich falsch ist, sondern vor allem, weil sie eine weit verbreitete Denkfaulheit offenbart, welche für eine fortschrittliche Gesellschaft sehr gefährlich ist. Es mag einem Informatiker verziehen sein, nichts vom Energiesektor zu verstehen. Den Energiesektor zu ignorieren ist aber fahrlässig und dumm, da die Computer, Roboter und Kryptowährungen der Zukunft nur mit erneuerbarem Strom angetrieben werden können.  Die Produktion von Bitcoins verschlingt aber heute schon gleich viel elektrische Energie wie die Schweiz und nimmt rasant zu [11]. Eine einzige Bitcointransaktion verbraucht etwa 862 kWh elektrische Energie, was etwa der Jahresproduktion von 6 m2 Photovoltaikanlagen entspricht. Für eine einzige Transaktion! Die Frage, ob dies Sinn macht, erübrigt sich.

Leider können wir heute die Zukunft nur allzu gut vorhersagen. Wenn wir mit «business as usual» weiterfahren, wird die Menschheit das 21. Jahrhundert wohl kaum überleben. Die Temperatur der Erde wird um weitere 4-5 °C steigen, die Weltmeere werden, bei ständig zunehmender Versäuerung, im Jahre 2050 mehr Plastikmüll als Fische enthalten [12], und die Flüchtlingskrise wird sich zunehmend verschärfen, da viele Länder spätestens Mitte dieses Jahrhunderts nicht genug Wasser haben werden [13]. An der schwedischen Westküste ist die Artenvielfalt seit den dreissiger Jahren um 60% zurückgegangen und global ist die Anzahl der wildlebenden Wirbeltiere zwischen 1970 und 2012 um 58% zurückgegangen [14] [15]. Unsere Kinder leben in einer Welt, welche sich von der Welt unserer Eltern und Grosseltern fundamental unterscheidet. Das erschreckende dabei ist das Tempo der Veränderung. Während der letzten 27 Jahre ist die Insektenpopulation in Deutschland um 76% zurückgegangen. Heute muss man nach einer sommerlichen Autofahrt die Windschutzscheibe nicht mehr von zerquetschen Insekten reinigen. Das war in meiner Kindheit anders. Die Veränderung schreitet heute so schnell voran, dass die Sprache nicht mitkommt. Wie erklären Sie einem Kind den Begriff «Schmetterlinge im Bauch», wenn es noch nie einen Schmetterling gesehen hat?

Es muss aber nicht so sein. Der Studiengang Erneuerbare Energien und Umwelttechnik an der Hochschule für Technik in Rapperswil gibt jungen Menschen das notwendige Wissen, um die Klima- und Umweltkrise zu lösen. Dabei müssen wir davon ausgehen, dass unsere Gesellschaft bald die Trendwende zur Nachhaltigkeit einleiten wird. Denn es macht wenig Sinn, junge Menschen auszubilden, welche eh keine Zukunft haben. Ein wichtiges Ziel dabei ist klar und einfach zu kommunizieren: Spätestens 2050, also in etwa 30 Jahren, muss die Dekarbonisierung der Gesellschaft abgeschlossen sein. In Anbetracht der Tatsache, dass der Energiebedarf der Menschheit heute zu 85% durch fossile Energieträger (Kohle, Erdgas und Öl) gedeckt wird, ist dies sicher die grösste Herausforderung, der sich die Menschheit je gestellt hat [16].

Als Studiengangleiter für erneuerbare Energien und Umwelttechnik habe ich wohl einen der besten Jobs der Welt. Ich darf, zusammen mit meinen Kollegen und jungen begeisterungsfähigen Menschen an Lösungen arbeiten, welche eine Zukunft der Menschheit auf der Erde ermöglichen. Wir müssen uns überlegen, wie wir die gesamte Energieinfrastruktur der Welt in 30 Jahren umbauen können. Wer dies tut, entdeckt bald die Möglichkeit eine Gesellschaft zu bauen, welche friedlicher, gerechter und gesünder ist, als die jetzige. Das einzige, was es dafür braucht, ist Mut zur Veränderung. Denn «Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind», wie Albert Einstein dies formuliert hat.

Der amerikanische Präsident F. D. Roosevelt hat bei seinem ersten Amtsantritt seinen Landsleuten mit folgenden Worten Mut gemacht: «So lassen Sie mich zunächst meiner Überzeugung Ausdruck verleihen, dass es nur eine Sache gibt, die wir fürchten müssen, die Furcht selbst — namenloser, unvernünftiger, unbegründeter Terror, der nötige Anstrengungen lahmlegt, Rückschritt in Fortschritt zu verwandeln». Besser kann man es wohl kaum sagen. Wenn wir den Mut haben, unsere Gesellschaft drastisch umzubauen, sind alle Probleme lösbar. So schauen Sie Ihren Kindern, Enkelkindern oder Patenkindern ruhig in die Augen und versprechen Sie ihnen eine bessere Zukunft. Diese ist nämlich machbar aber keineswegs selbstverständlich.

[1] “IPCC Reports,” [Online]. Available: http://ipcc.ch/publications_and_data/publications_and_data_reports.shtml.
[2] D. Roberts, “No country on Earth is taking the 2 degree climate target seriously,” VOX, 29 April 2017. [Online]. Available: https://www.vox.com/2016/10/4/13118594/2-degrees-no-more-fossil-fuels.
[3] M. Kivner, “COP21: What does the Paris climate agreement mean for me?,” BBC, 14 December 2015. [Online]. Available: http://www.bbc.com/news/science-environment-35092127.
[4] “Klimaseniorinnen,” [Online]. Available: https://klimaseniorinnen.ch.
[5] B. Van Voris, “Big Apple Sues Big Oil Over Climate Change,” 10 Januar 2018. [Online]. Available: https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-01-10/exxon-bp-chevron-should-pay-for-climate-costs-new-york-says.
[6] I. Johnston, “San Francisco sues Big Oil for billions over climate change claiming they knew the dangers for decades,” Independent, 21 9 2017. [Online]. Available: http://www.independent.co.uk/environment/san-francisco-big-oil-lawsuit-climate-changes-fossil-fuels-knew-decades-tobacco-california-city-a7958871.html.
[7] Greenpeace.org, “www.greenpeace.org,” 15 2 2017. [Online]. Available: https://www.greenpeace.org/archive-international/en/press/releases/2017/Climate-lawsuit-against-Arctic-oil-goes-to-court/.
[8] Our Children’s Trust, “Our Children’s Trust,” [Online]. Available: https://www.ourchildrenstrust.org/.
[9] E.-I. Dovere, “politico.com,” 12 März 2018. [Online]. Available: https://www.politico.com/magazine/story/2018/03/12/arnold-schwarzenegger-sxsw-trump-big-oil-me-too-217345.
[10] M. Baumann, “Sueddeutsche Zeitung,” 14 7 2017. [Online]. Available: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/46223/Urlaub-war-uns-wichtiger-als-eure-Zukunft-sorry.
[11] Digiconomist, “Bitcoin Energy Consumption Index,” [Online]. Available: https://digiconomist.net/bitcoin-energy-consumption.
[12] G. Wearden, “More plastic than fish in the sea by 2050, says Ellen MacArthur,” The Guardian, 19 1 2016. [Online]. Available: https://www.theguardian.com/business/2016/jan/19/more-plastic-than-fish-in-the-sea-by-2050-warns-ellen-macarthur.
[13] UN Water for Life, “Water for Live,” United Nations, [Online]. Available: http://www.un.org/waterforlifedecade/scarcity.shtml.
[14] A. Clemens, “Massives Artensterben an Schwedens Küste,” Spektrum der Wissenschaft, 21 07 2017. [Online]. Available: http://www.spektrum.de/news/massives-artensterben-an-schwedens-kueste/1484643.
[15] WWF, “Living Planet Report 2016,” WWF, [Online]. Available: https://www.worldwildlife.org/pages/living-planet-report-2016.
[16] BP, “BP Energy Outlook,” BP, [Online]. Available: https://www.bp.com/en/global/corporate/energy-economics/energy-outlook.html.