Presenting the OctoWheelBarrow!

Ladies and Gentlemen! I am delighted to present my latest invention: the OctoWheelBarrow. Don’t laugh – it is a lot better than the previous version, which used a square wheel.

A wheelbarrow with an octagonal wheel

Assume that we lived in a society where the state religion bans the use of round shapes in engineering. There would be two kinds of engineers: The opportunists and careerists would make a living from designing octagonal wheels and the decent ones would get politically involved and try to remove the ban. To paraphrase George Bernard Shaw:

The reasonable man adapts himself to the world; the unreasonable one persists in trying to adapt the world to himself. Therefore, all progress depends on the unreasonable man.

For this reason, I cannot attend innovation seminars anymore. To begin with, it is kind of surreal to have a person on stage telling people to think independently. Monty Python made fun of this in “Life of Brian”, where they had a huge crowd of people shouting “We are all different!” in unison. A creative person does not need to be told what to think.

Even worse, nobody attending such seminars is prepared to think outside the box of capitalism. There is an unwritten agreement that the purpose of all human activity is to generate ROI. If someone comes up with an idea to sell more guns, alcohol, or junk food, it is automatically considered a good thing. The purpose of a vending machine for soft drinks is to sell as many of those as possible, even if they are unhealthy. In order to accomplish this, engineers today use cameras with face recognition in order to display the gender- and age-appropriate ads. It is called progress.

My main point is not to criticize our current economic system. I just want to point out that we have all been brainwashed into believing that no alternatives are possible. Children are taught how to compute compound interest, but they do not learn where the money comes from. This way, innovation in our society is limited to technology. All other forms are banned. Ideas without business models are dead on arrival. That is not very innovative.

Here is a simple question I like to ask my students and attendees of my public lectures:

A gold digger departs into the mountains and finds a huge goldnugget. Upon returning to civilization, he is considered rich. Why?

Even though there is a simple and obvious answer to this question, many people do not get it.(*)

Our collective lack of imagination gets almost unbearable when talking about sustainability. We start by excluding the 99.9% of solutions which would be good for the environment but not have a business model and focus on the 0.1% of solutions that allow someone to get rich. That is no way to conduct a brainstorming. (Note: the figures quoted are used for rhetorical effect. They should not be interpreted literally)

Is there are conflict between economic growth and sustainability? I believe it is obvious because we are ultimately interested in consuming things. We do not work to earn money but to acquire purchasing power. Money allows us to have buy a big house with a huge garden, to get a nice car, and to travel to interesting places. In short, it allows us to consume non-renewable resources. If we were not allowed to use our money, we probably would not work that hard.

Anyway, I am not the only one of this opinion (see below). I would be happy to be proven wrong but currently I am more interested in finding out the truth. That will be the topic of a future blog post.

Some sources:

  • Isaksen, Elisabeth T.; Narbel, Patrick A. (2017): A carbon footprint proportional to expenditure – A case for Norway? In: Ecological Economics 131, S. 152–165. DOI: 10.1016/j.ecolecon.2016.08.027.
  • Ward, James D.; Sutton, Paul C.; Werner, Adrian D.; Costanza, Robert; Mohr, Steve H.; Simmons, Craig T. (2016): Is Decoupling GDP Growth from Environmental Impact Possible? In: PloS one 11 (10), e0164733. DOI: 10.1371/journal.pone.0164733.
  • Hickel, Jason (2019): The contradiction of the sustainable development goals: Growth versus ecology on a finite planet. In: Sustainable Development 145 (6), S. 10. DOI: 10.1002/sd.1947.

(*) Depending on demand, I might publish the correct answer here.

Denken ist erlaubt

GALILEI (fast unterwürfig): Meine Herren, der Glaube an die Autorität des Aristoteles ist eine Sache, Fakten, die mit Händen zu greifen sind, eine andere. Sie sagen, nach dem Aristoteles gibt es dort oben Kristallschalen, und so können gewisse Bewegungen nicht stattfinden, weil die Gestirne die Schale durchstoßen müßten. Aber wie, wenn Sie diese Bewegungen konstatieren könnten? Vielleicht sagt Ihnen das, daß es diese Kristallschalen gar nicht gibt? Meine Herren, ich ersuche Sie in aller Demut, Ihren Augen zu trauen.

Brecht, Bertolt. Leben des Galilei: Schauspiel. Suhrkamp Verlag.

Das Problem einer autoritären Erziehung ist, dass die Kinder nie zu denken lernen. Wenn jede ihrer Fragen mit dem Satz «weil ich es sage» beantwortet wird, verlieren Sie ihre Neugier und haben keine Lust mehr, sich selber Gedanken zu machen. Sie gewöhnen sich daran, dass es immer Autoritäten gibt – seien es die Eltern, die Priester oder die Lehrer – die alles besser wissen. Das Erfolgserlebnis des Denkens bleibt aus.

Ein grossartiges Cartoon des iranischen Zeichners Mana Neyestani

Aus den autoritär erzogenen Kindern werden gehorsame Bürger autoritärer Regime. Studien in den USA haben gezeigt, dass die Wähler und Wählerinnen, die für Donald Trump stimmten, sich vor allem einen starken Mann als Präsidenten wünschten. Sie brauchen einen Führer, der immer sofort auf alles eine einfache Antwort hat, ganz unabhängig davon, ob diese richtig ist oder nicht. Das Nachdenken gilt für sie als Zeichen der Schwäche. Diese Haltung ist in der Gesellschaft weit verbreitet. Im Jahr 2000 hatte ich ein Vorstellungsgespräch bei Boston Consulting in Chicago. Die Stelle habe ich nicht bekommen, weil der Personalverantwortliche das Gefühl hatte, ich denke bevor ich spreche. Mit diesem Urteil kann ich gut leben.

Autoritäre Systeme zeichnen sich durch ein einfaches Weltbild und die Unterdrückung abweichender Meinungen aus. Der Neoliberalismus ist deshalb autoritär, da er eine Lösung für alle Probleme postuliert und keine anderen Ideen zulässt. Die berühmte Behauptung von Margret Thatcher, dass es keine Alternative gibt (TINA), lässt sich kaum als Einladung zum Dialog interpretieren.

Wir leben heute in einer Welt, in der die freie Marktwirtschaft als göttliche Ordnung verstanden wird. Unbequeme Fakten werden unterdrückt und Unwahrheiten zu Dogmen erhoben. Obwohl unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten offensichtlich unmöglich ist, wird die Notwendigkeit des Wirtschaftswachstums selten infrage gestellt. Die Tatsache, dass der ökologische Fussabdruck der Menschheit um einen Faktor zwei zu gross ist und immer noch zunimmt, wird von den Mächtigen zur Kenntnis genommen und gleich ignoriert. Was nicht sein darf, kann auch nicht sein. Galileo hätte den Frust der Klimaforscher sofort verstanden.

«Die Wahrheit ist das Kind der Zeit, nicht der Autorität» sagt Galileo im oben zitierten Theaterstück von Bertolt Brecht. Was Galileo wirklich gesagt hat, wissen wir aus einem Brief an die Grossherzogin Christine (etwa aus dem Jahr 1615):

Ich möchte jene sehr klugen Väter bitten, dass sie mit aller Sorgfalt den Unterschied bedenken möchten, der zwischen den auf Meinung gegründeten und den beweisbaren Lehren besteht: Wenn sie sich nämlich deutlich vor Augen stellen würden, mit welcher Kraft die zwangsläufigen Schlussfolgerungen zwingend sind, würde ihnen eher klar werden, dass es nicht in der Macht der Professoren der beweisenden Wissenschaften steht, die Meinungen nach ihrem Willen zu ändern, indem sie sich bald dieser und bald jener anschliessen, und dass ein grosser Unterschied besteht zwischen dem Befehl an einen Mathematiker oder an einen Philosophen und der Anordnung an einen Kaufmann oder an einen Rechtsgelehrten, und dass die bewiesenen Schlüsse über die Dinge der Natur und des Himmels nicht mit der gleichen Leichtigkeit geändert werden können wie die Meinungen über das, was in einem Vertrag, einem Census oder einem Wechsel zulässig ist.

Hans Bieri, Der Streit um das kopernikanische Weltsystem im 17. Jahrhundert, Peter Lang Verlag

Anders gesagt, auch vor 400 Jahren musste die Rolle der Wissenschaft den Mächtigen erklärt werden. In den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften gibt es keine Naturgesetze, da das ganze System menschengemacht ist. Gesetzliche Vorschriften, von denen erstaunlich viele für das Funktionieren der angeblich «freien Marktwirtschaft» erforderlich sind, können wir jederzeit ändern. Die Gesetze der Natur eben nicht. Ich bin nicht sicher, ob alle Juristen und Ökonomen dies verstehen.

Jesse Springer

Mit dem Coronavirus meldet sich die reale Welt zurück. Plötzlich haben wir es mit einer externen Bedrohung des Wirtschaftssystems zu tun, die sich nicht um menschengemachte Regeln und Gesetze kümmert. Erstaunt stellen wir fest, dass ein grosser Teil der Privatwirtschaft über Nacht abgestellt werden kann und wir trotzdem genug zu essen haben. Sogar das Klopapier reicht für alle. J. K. Galbraith hat dies in seinem Buch «Gesellschaft im Überfluss» schon im Jahr 1958 vorhergesagt. In einer Gesellschaft, deren materielle Bedürfnisse schon befriedigt sind, produziert die Wirtschaft hauptsächlich Produkte, die niemand braucht. «Die Wirtschaft schafft Arbeitsplätze» wird oft behauptet. Hoffentlich tut sie mehr als das, denn sonst müssten wir einen anderen Weg finden, die Menschen zu beschäftigen.

Im Gegensatz zur Klimaerwärmung stellt das Coronavirus keine Bedrohung der Menschheit dar. Weil aber diesmal Männer über 50 zur Risikogruppe gehören und ein Virus keine Lobby hat, wurde sofort reagiert. Es macht Sinn, die Verbreitung des Coronavirus so weit wie möglich einzudämmen, damit eine Überforderung des Gesundheitswesens vermieden werden kann. Zum Glück scheinen die meisten Regierungen der Welt dies zu verstehen und haben entsprechende Massnahmen ergriffen.

Die Coronakrise wäre auch eine gute Gelegenheit, unser Wirtschaftssystem grundsätzlich zu hinterfragen. Um dies zu verhindern, will eine Mehrheit der Meinungsbildner aus Politik und Wirtschaft möglichst schnell zur vermeintlichen Normalität zurückkehren. Es bestünde sonst die Gefahr, dass wir aus der Krise etwas lernten.

Genau dies sollten wir aber tun. Denn wir neigen dazu, jedes Problem mit minimalistischen Veränderungen des bestehenden Systems lösen zu wollen. Die Klimaerwärmung wollen wir mit Elektroautos und Solarpanels in den Griff bekommen, obwohl dies offensichtlich nicht ausreicht. Das Coronavirus lehrt uns, dass wir gewisse Herausforderungen auf diese Art nicht meistern können. Auch bei der Erwärmung des Erdklimas gibt es keinen Grund zu vermuten, dass das Problem innerhalb des bestehenden Wirtschaftssystems gelöst werden kann. Wir brauchen komplett neue Ideen.

Mike Lukovich

Die Frage ist, wer ein neues System aufbauen soll. Menschen wehren sich gegen Veränderungen, weil sie Angst haben, etwas zu verlieren. Es macht wenig Sinn, eine Gruppe von Kardinälen damit zu beauftragen, die Frage nach der Existenz Gottes zu klären. Analog können und wollen Menschen, die mit dem bestehenden Wirtschaftssystem reich und erfolgreich wurden, das System kaum umbauen. Niemand verlässt gerne den Bereich des Bekannten, um sich neue Themen zu widmen. Wenn Menschen doch über den Tellerrand schauen, werden sie mit dem Vorwurf konfrontiert, keine Experten zu sein.

Ich verstehe die Sorgen. Als Physiker hätte ich auch ein grosses Problem, wenn die Naturgesetze morgen aufhören würden zu gelten. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies passiert und ich es auch überleben würde, schätze ich aber als sehr gering ein. Somit bilden wissenschaftliche Fakten eine gute Basis für den Aufbau eines neuen Systems. Nicht weil sie von den Wissenschaftlern stammen, sondern weil sie wahr sind.

Wer jetzt bereit ist, der Bitte von Galileo folgend den eigenen Augen zu trauen, stellt Erstaunliches fest. In vielen Städten der Welt hat sich die Luftqualität wegen des wirtschaftlichen Lockdowns massiv verbessert und der Lärmpegel ist gesunken. Dies ist eindeutig gut für Mensch und Umwelt. Der wirtschaftliche Schaden hingegen ist systembedingt. Wenn unser Wirtschaftssystem nicht auf Wachstum und Überkonsum basierte, wäre der Lockdown kein Problem. «Die Wirtschaft leidet» verkünden die Medien unisono, aber niemand fragt sich wieso. Rein abgesehen davon, dass juristische Personen kaum leiden können.

Gleichzeitig geht es dem Planeten schlechter als je zuvor. Die ersten drei Monate dieses Jahres waren viel zu heiss, und Europa wird wieder von einer Dürre mit grossen Ernteausfällen bedroht. Der Lockdown wird den globalen CO2-Austoss um etwa 5% in diesem Jahr reduzieren. Wir brauchen aber eine Reduktion von über 7% pro Jahr über die nächsten 30 Jahre, um eine Klimakatastrophe abzuwenden. Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu verstehen, dass dies schwierig wird. Wenn wir in alten Denkmustern verharren, schaffen wir es sicher nicht.


Nachtrag 1: Ich möchte Margaret Thatcher nicht unrecht tun. Dass sie die Kohleminen in Grossbritannien geschlossen hat, war wohl gut für die Umwelt. Sie hat auch im Jahr 1989 in einem dringlichen Appell an die Generalversammlung der Uno vor den Gefahren der Umweltzerstörung und der Klimaerwärmung gewarnt. Ihre politischen Ideen waren sonst aber nicht besonders progressiv.

Nachtrag 2: Viele Denker*innen setzen sich im Moment mit den Konsequenzen der Coronakrise auseinander. Hier eine kleine Auswahl:

Nachtrag 3: Hier noch der Auszug aus dem Brief von Galilei Galileo:

Alla Serenissima Madama, la Gran Duchessa Madre.

….

Io vorrei pregar questi prudentissimi Padri, che volessero con ogni diligenza considerare la differenza che è tra le dottrine opinabili e le dimostrative; acciò, rappresentandosi ben avanti la mente con qual forza stringhino le necessarie illazioni, si accertassero maggiormente come non è in potestà de’professori delle scienze demostrative il mutar l’opinioni a voglia loro, applicandosi ora a questa ed ora a quella, e che gran differenza è tra il comandare a un matematico o a un filosofo e ‘l disporre un mercante o un legista, e che non con l’istessa facilità si possono mutare le conclusioni dimostrate circa le cose della natura e del cielo, che le opinioni circa a quello che sia lecito o no in un contratto, in un censo, o in un cambio.

Galileo Galilei, etwa 1615

Global Climate Compensation

Deutsche Version (English translation below)

Können wir die Klimakrise bewältigen? Die Antwort lautet ja, und es würde etwa $1.30 pro Kopf und Tag kosten. Dies ist weniger als eine Tasse Kaffee.

Das Problem ist nur, dass sich nicht alle Menschen auf der Welt so viel Geld haben. Die Wohlhabenderen müssen also bereit sein, den Ärmeren zu helfen.

Fast 30 Jahre nach der Unterzeichnung der Klimakonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) gibt es immer noch keinen praktikablen Plan, wie die Erderwärmung auf weniger als +2°C begrenzt werden kann, und die CO2-Konzentration der Atmosphäre steigt immer schneller an. Zusammen mit einigen Kollegen versuche ich deshalb einen Plan auszuarbeiten, um das Problem im Griff zu bekommen. Die Details dazu finden Sie hier: www.global-climate-compensation.org.

Ich meine dies ernst. Das CO2-Budget für +1.5°C Erderwärmung werden wir in weniger als 8 Jahren ausgeschöpft haben. Die Weichenstellung für eine bessere Zukunft muss also in den nächste 1-2 Jahren passieren. Nach COP25 in Paris und der Rede von Donald J. Trump in Davos bin ich der Meinung, dass die Reichen und Mächtigen versagt haben.

Melden Sie sich also bei mir, wenn sie an der Idee der globalen Klimakompensation mitarbeiten wollen. Das Problem können wir nur gemeinsam lösen. Das erste Treffen findet am 31. Januar 2020 in Zürich statt.

English Version

Can we overcome the climate crisis? The answer is yes, and it would cost about $1.30 per person per day. This is less than a cup of coffee.

The only problem is that not everyone in the world has that amount of money. The affluent must be willing to help the poor.

Almost 30 years after the signing of the United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC), there is still no workable plan to limit global warming to less than +2°C and the CO2 concentration in the atmosphere is rising faster than ever. Together with some colleagues, I am therefore trying to work out a plan to get the problem under control. You can find the details here: www.global-climate-compensation.org.

I’m serious about this. We will have exhausted the CO2 budget for +1.5°C global warming in less than 8 years. The course for a better future must therefore be set in the next 1-2 years. After COP25 in Madrid and Donald J. Trump’s speech in Davos, I believe that the rich and powerful have failed.

So, get in touch with me if you want to work on the idea of global climate compensation. We can only solve the problem together. The first meeting will be in Zurich on January 31, 2020.