Die Klimakrise ist aber hรถchst real.
Im Jahr 1648 reiste Johan Axelsson Oxenstierna als offizieller Vertreter Schwedens an die Friedensverhandlungen in Westfalen. In einem Brief an seinen Vater, den schwedischen Reichskanzler Axel Oxenstierna, รคusserte er seine Bedenken, dass er fรผr die Aufgabe eventuell zu unerfahren sei. Dieser hat ihn aber mit folgendem Satz beruhigt: ยซDu ahnst nicht, mein Sohn, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird.ยป
Im Jahr 2020 ist diese Einschรคtzung aktueller denn je. Im Weissen Haus sitzt ein Egomane, der sich weigert seine Wahlniederlage einzugestehen. Sein russisches Pendant ist etwas geschickter und stellt sicher, dass er die Wahlen jedes Mal gewinnt. In China werden gar keine Wahlen durchgefรผhrt, was den administrativen Aufwand der Machterhaltung deutlich reduziert. Die Briten haben sich entschieden, den Brexit um jeden Preis umzusetzen, auch wenn das Volk dabei verhungern wird, wรคhrend andere EU-Mitglieder immer grรถssere Mรผhe mit Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte bekunden. Zwischen Aserbaidschan und Armenien tobte ein kurzer Krieg, in dem die israelischen und tรผrkischen Drohnen der Aserbaidschaner die armenische Armee in kรผrzester Zeit ausgeschaltet haben. Im automatisierten Hightech-Krieg der Zukunft sind die Menschen nur noch Kanonenfutter. Darรผber wurde aber praktisch nichts berichtet, da die Medien zwischen Trump und der Pandemie schlicht keine Zeit dafรผr hatten. Und schliesslich hat COVID-19 gezeigt, dass jedes Thema politisiert werden kann, weil das Internet zu einem Selbstbedienungsladen fรผr alternative Fakten mutiert ist. Wie erklรคre ich meinen Kindern, dass wir von Egoisten, Hohlkรถpfen und Psychopathen regiert werden? Zum Glรผck haben sie es schon lรคngst begriffen.
Dabei hรคtten wir eigentlich eine Klimakrise zu bewรคltigen. November 2020 war der wรคrmste seit Beginn der Aufzeichnungen und die CO2-Konzentration der Atmosphรคre ist hรถher als jemals zuvor in den letzten drei Millionen Jahren. Es ist inzwischen klar, dass die bisherige Erderwรคrmung von โnurโ einem Grad verheerende Auswirkungen hatte und es ist ebenso klar, dass junge Menschen, die wie meine Kinder im 21. Jahrhundert geboren sind, mit einem weiteren Temperaturanstieg von mindestens einem Grad fertig werden mรผssen.
Leider gibt es auch nach 25 Klimakonferenzen der UNO nicht mal ansatzweise einen Plan, um die Klimazerstรถrung zu stoppen. Das Problem lรคsst sich graphisch sehr schรถn darstellen.

Das Diagramm enthรคlt nur รถffentlich verfรผgbare Daten. Die durchgezogenen Kurven zeigen das weltweite inflationsbereinigte Bruttoinlandprodukt (GDP) in Billionen USD (blau) und die globalen jรคhrlichen CO2-Emissionen in Gigatonnen (rot). Wenn man die Achsen richtig skaliert, ist die enge Korrelation der beiden Grรถssen offensichtlich. Die gestrichelte blaue Kurve stellt ein jรคhrliches Wirtschaftswachstum von +2% dar, was von den G20-Staaten als Minimalziel fรผr die nรคchste Zukunft erachtet wird. Die gestrichelte rote Kurve zeigt eine Halbierung der CO2-Emissionen innerhalb von 10 Jahren oder eine jรคhrliche Reduktion von 6.7%, wie es vom Pariser Klimaabkommen verlangt wird. Die Regierungen der Welt haben somit Ziele festgelegt, die sich wahrscheinlich gegenseitig ausschliessen. Wer die Quadratur des Kreises zum politischen Programm macht, wird seine Wรคhler*innen bald enttรคuschen.
Wenn ich รถffentliche Klimavortrรคge halte, fรคngt das Publikum spรคtestens an diesem Punkt an zu lachen. Man muss weder รkonom noch Wissenschaftler sein, um zu verstehen, was hier gespielt wird. Axel Oxenstierna hรคtte es sofort verstanden, Machiavelli auch. Wenn die Mรคchtigen von den langfristigen Konsequenzen ihres Handelns nichts zu befรผrchten haben, entscheiden sie sich immer fรผr den kurzfristigen Gewinn. Wenn Politik und Wirtschaft von รคlteren vorwiegend weissen Mรคnnern kontrolliert werden, ist nichts Anderes zu erwarten. In der Privatwirtschaft wird hรคufig von ยซDogfoodingยป gesprochen: die Mitarbeiter*innen eines Unternehmens mรผssen im รผbertragenen Sinn ยซdas eigene Hundefutter essenยป, um die Qualitรคt zu garantieren. Softwareentwickler sollen die eigene Software nutzen, Mitarbeiter eines Autoherstellers sollen nicht lieber mit den Autos der Konkurrenz fahren und das Personal von McDonalds soll auch bereit sein, ab und zu einen Hamburger zu essen. Die Reichen und Mรคchtigen dieser Welt, die fรผr die globale Wirtschaftspolitik zustรคndig sind, mรผssen sich wegen der Klimaerwรคrmung wenig Sorgen machen, da sie alt und reich genug sind, um sich von den Konsequenzen freikaufen zu kรถnnen.
Galileo Galilei wurde im Jahr 1633 zu Hausarrest verurteilt, weil er die Wahrheit รผber die Bewegung der Planeten gelehrt hatte. Interessanterweise scheint er das Universum viel besser verstanden zu haben als seine Mitmenschen, denn er versuchte die katholische Kirche mit Fakten zu รผberzeugen. Dies ist eine weit verbreitete Berufskrankheit der Wissenschaftler, die immer davon ausgehen, dass der politische Gegner sich fรผr die Wahrheit interessiert. Dabei war es im 17. Jahrhundert dem Papst ziemlich egal, welcher Planet sich um welchen drehte. Wichtiger war, dass die Kirche ihre Deutungshoheit des Weltgeschehens behalten konnte. Der Klerus hat mit allen Mitteln versucht, die wissenschaftliche Revolution aufzuhalten, was ihm in den katholischen Lรคndern auch teilweise gelungen ist. Die protestantischen Fรผrsten, denen es vor allem darum ging, die Macht des Papstes zu schwรคchen, waren eher fรผr neue Ideen offen. Ihre Kanonen haben vielleicht mehr fรผr die Verbreitung der Wissenschaft geleistet als Galileo. Ein hochgradig ketzerischer Gedanke.
Die Moral der Geschichte ist einfach: es geht immer nur um Macht. Die Reichen und Mรคchtigen der Welt interessieren sich nicht fรผr die Wissenschaft per se, sondern nur fรผr ihre Nรผtzlichkeit. Die Erforschung der Welt dient nur ihrer Ausbeutung und wissenschaftliche Erkenntnisse, welche die bestehende Gesellschaftsordnung in Frage stellen, waren aber nie beliebt.
Deshalb ist die Grafik oben so wichtig. Ein gewisser Optimismus bezรผglich der Mรถglichkeiten neuer Technologien ist vollkommen in Ordnung, aber auf ein Wunder zu hoffen ist keine Strategie. Es besteht ein Unterschied zwischen Optimismus und Fanatismus. Obwohl eine vollstรคndige Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch als sehr unwahrscheinlich erscheint, gilt ยซnachhaltiges Wachstumยป in der Politik als einzige ยซrealistische Lรถsungยป der Klimakrise. Das Primat des Kapitals steht nicht zur Diskussion, so wie die Lehren Aristoteles vor 400 Jahren nicht durch physikalische Beobachtungen in Frage gestellt werden durften. ยซMeine Herren, ich ersuche Sie in aller Demut, Ihren Augen zu trauenยป lรคsst Bertolt Brecht Galileo sagen. Ich kann diese Aufforderung nur mit zunehmender Verzweiflung wiederholen.
ยซDie ganze Welt ist Bรผhne und alle Fraun und Mรคnner bloรe Spielerยป schrieb ein berรผhmter Zeitgenosse Alex Oxenstiernas. Wir kรถnnen davon ausgehen, dass der Autor von Werken wie ยซRichard IIIยป, ยซKing Learยป oder ยซJulius Caesarยป die heutige Lage der Menschheit sehr schnell und treffend analysiert hรคtte. Denn es geht beim Klimaschutz nicht um Forschung oder Technik. Es geht um Gier, Macht und Geld. Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt und dessen Lรถsung ebenso: die Fรถrderung fossiler Brennstoffe muss so schnell wie mรถglich gestoppt werden! Leider hรคtte diese Entscheidung dermassen grosse gesellschaftliche Auswirkungen, ยซdaร wir die รbel, die wir haben, lieber ertragen als zu unbekannten fliehn.ยป
So wird seit Jahrzehnten Theater gespielt, ohne dass jemand sich traut, das tatsรคchliche Problem beim Namen zu nennen. Die Klimaforscher tun so als wรผrden wir noch mehr Klimadaten brauchen, obwohl wir mehr als genug wissen um zu handeln. Die Ingenieure wollen die Klimakrise mit Elektromobilitรคt und erneuerbaren Energien lรถsen, die Informatiker mit Digitalisierung, die รkonomen mit Wirtschaftswachstum, und die Politiker am liebsten gar nicht, wenn es sie Stimmen kosten kรถnnte. Wir spielen alle unsere Rollen mit dem Ziel, die nรคchste Lohnzahlung zu erhalten und vergessen dabei, dass die Klimakrise so nicht gelรถst werden kann. ยซZuerst kommt das Fressen, dann die Moralยป. Das Resultat ist eine Folge ungenรผgender Massnahmen, die uns in die Katastrophe fรผhren.
Dabei wรคre eine Lรถsung der Klimakrise gar nicht so schwierig, wenn wir uns von der Vorstellung des ewigen Wachstums lรถsen wรผrden. Wie Einstein so richtig festgehalten hat, kรถnnen wir Probleme niemals mit derselben Denkweise lรถsen, durch die sie entstanden sind. Die Industrienationen sind durch รผbermรคssigen Ressourcenverbrauch reich geworden und haben dadurch die Klimaerwรคrmung und viele andere Problemen verursacht. Sie haben jetzt sowohl die finanziellen Mittel wie auch die moralische Verantwortung, diese Probleme zu lรถsen, wie sie auch in der ยซUnited Nations Framework Convention on Climate Changeยป aus dem Jahr 1992 festgehalten haben.
Wir zahlen jetzt aber den Preis dafรผr, dass wir die Welt weitgehend privatisiert haben. Vor Kurzem nahm ich an einem Podiumsgesprรคch mit hochkarรคtigen Vertretern der Finanzbranche teil. Unter dem Titel ยซFinance in Climateยป wurde รผber die Auswirkungen des Klimawandels auf Geldanlagen gesprochen. Positiv dabei war die Feststellung, dass die fossilen Energietrรคger ausgedient haben. Wer heute noch in รl-, Kohle-, oder Gasfirmen investiert, verschenkt einfach sein Geld. Ein Beispiel: wรคhrend die Aktienkurse von BP und Shell im Jahr 2020 um mehr als ein Drittel eingebrochen sind, ist der Bรถrsenkurs des dรคnischen Windkraftherstellers VESTAS um 100% gestiegen. Die schlauen Anleger haben die Zeichen der Zeit erkannt und verlassen das sinkende Schiff.
Dass Anleger und Finanzinstitute Geld verdienen wollen, ist nicht erstaunlich und vielleicht nicht mal verwerflich. Schwierig wird es, wenn Geldvermehrung zum einzigen Ziel menschlichen Handelns wird. Hinter Begriffen wie ยซprivate-public- partnershipยป und ยซgreen investingยป versteckt sich die traurige Wahrheit, dass Probleme der heutigen Welt nur dann lรถsbar sind, wenn sich jemand dadurch bereichern kann. Heute besitzen 1% der Superreichen mehr als die restlichen 99% der Weltbevรถlkerung. Sie sind gerne bereit, etwas fรผr die Rettung der Welt zu tun, wenn sie dadurch noch reicher werden kรถnnen. Die Bemerkung, dass sie unrechtmรคssig reich geworden sind, weil sie ihr Vermรถgen mit nicht-nachhaltigen Investitionen aufgebaut haben, fรผhrt im Kreis der Reichen zum Eklat. Dabei sind es gerade sie, die durch ihren Lebensstil den Planeten am stรคrksten belasten.
Die Grafik oben zeigt somit die intellektuelle Kapitulation der Menschheit vor dem Primat des Kapitals. Von bestehenden Machtstrukturen werden wir gezwungen, auf dem Weg des Wachstums weiter ins Ungewisse zu laufen und hinter uns die Brรผcken zu verbrennen. Wir wissen nicht was wir tun und welche Auswirkungen es haben wird. Sicher ist nur, dass wir es nicht mehr rรผckgรคngig machen kรถnnen. Wenn wir in 10 Jahren feststellen, dass eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch unmรถglich ist, wird es lรคngst zu spรคt sein. Wie Soldaten in einer lรคngst verlorenen Schlacht machen wir einfach weiter, ohne den Sinn des letzten Befehls zu hinterfragen. Wir sind in einer Falle der gefรผhlten Ausweglosigkeit gefangen und kรถnnen uns nicht mehr vorstellen, dass es anders sein kรถnnte.
Man kann heute keine Diskussion รผber die Zukunft fรผhren, ohne auf die Globalisierung einzugehen. Ihre ideologische Seite besteht darin, alle anwachsenden Zumutungen im Kapitalismus als Wirkung eines objektiven Prozesses zu deuten, auf den man keinen Einfluss habe.
Gregor Gysi
Dabei kรถnnte alles anders sein. Die Reise Johan Oxenstiernas nach Westfalen wurde dadurch veranlasst, dass ein deutscher Mรถnch namens Martin Luther etwa 130 Jahre frรผher seine 95 Thesen in Wittenberg vorgelegt hatte. Er hat darin das Geschรคft mit dem Ablasshandel in Frage gestellt und viele Kritikpunkte rhetorisch geschickt als naive Fragen formuliert: ยซWarum baut der Papst, der heute reicher ist als der reichste Crassus, nicht wenigstens die Kirche St. Peter lieber mit seinem eigenen Geld als dem der armen Glรคubigen?ยป Eine berechtige Frage. Ihre heutige Entsprechung wรคre die Frage, wieso wir immer noch รผber globale Armut diskutieren, wenn die Superreichen das Problem morgen lรถsen kรถnnten.
Heute brauchen wir wieder eine Reformation des Denkens, die uns erlaubt, die intellektuelle Zwangsjacke des Kapitalismus abzuwerfen. Der Homo Oeconomicus wird die Klimakrise nicht lรถsen kรถnnen, der Homo Sapiens vielleicht schon. Wir mรผssen uns wieder darauf besinnen, dass Fragen ohne Antworten wertvoller sind als Antworten, die nicht hinterfragt werden dรผrfen.
Viele รkonomen kรถnnen sich eine Welt ohne Wirtschaftswachstum nicht vorstellen. Dies ist schon etwas fantasielos, denn ich kann mir eine Welt ohne รkonomen sehr gut vorstellen. Um die gesellschaftliche Debatte etwas zu beleben und ein paar Gedanken anzuregen, lege ich gleich folgende Thesen fรผr das neue Jahr vor:
- Selbstverstรคndlich kรถnnen wir die Klimazerstรถrung stoppen, da diese zu 100% von menschlichen Aktivitรคten verursacht wird. Dass der grรถsste Teil der Klimazerstรถrung auf Luxuskonsum der reichen Lรคnder zurรผckzufรผhren ist, macht die Lรถsung des Problems noch einfacher.
- Ob wir die Klimazerstรถrung aufhalten wollen, ist hauptsรคchlich eine ethische Frage und hat nichts mit Wissenschaft und Wirtschaft zu tun. Es geht gar nicht um Geld, sondern um das รberleben der Menschheit und den einzig bewohnbaren Planeten im uns bekannten Universum.
- Wir kรถnnen die Zukunft nicht vorhersagen. Der Planet ist dermassen komplex, dass nur ein Verrรผckter sich anmassen wรผrde, die Kosten des Klimaschutzes den wirtschaftlichen Schรคden der Klimaerwรคrmung gegenรผberzustellen, um ein Optimum zu finden. Leider hat er dafรผr Wirtschaftsnobelpreis erhalten.
- In der Vergangenheit war es nicht notwendig, die Zukunft vorherzusagen, weil das Klima stabil war. Es gab im Wesentlichen nur jรคhrliche Schwankungen, denen man sich anpassen konnte. Es gibt viele Bรคume, die รคlter als 1000 Jahre sind. Der Grund dafรผr ist, dass die mittlere Temperatur der Welt sich wรคhrend dieser Zeit um weniger als 0.2ยฐC verรคndert hat. Heute steigt die Temperatur um mehr als 0.2ยฐ pro Dekade. In der Zukunft wird es sicher keine Wรคlder mit alten Bรคume geben.
- Wir mรผssen den Gedanken akzeptieren, dass Klimaschutz mit Wirtschaftswachstum wahrscheinlich nicht vereinbar ist. Im Moment haben wir fรผr diesen Fall keinen Plan.
- Es gibt keine nationalen Klimaziele, sondern nur ein globales. Internationale Zusammenarbeit ist angesagt.
- Es gibt keinen Widerspruch zwischen Klimaschutz und Vollbeschรคftigung. Gรผnstige fossile Brennstoffe fรถrdern Globalisierung und Automatisierung, wodurch Arbeitsplรคtze abgebaut werden.
- Es gibt einen Widerspruch zwischen Klimaschutz und Kapitaleinkommen. In einer nachhaltigen Welt wird man wieder arbeiten mรผssen, um Geld zu verdienen.
- Was uns in den vergangenen 30 Jahren als Klimapolitik verkauft wurde, war ein verzweifelter Versuch, ein bankrottes System zu retten. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder und jedes Mal als Tragรถdie. Der Versuch, die europรคischen Monarchien zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu retten, hat viele Tote hinterlassen. Beim Versuch, den Kapitalismus zu retten, kรถnnten noch mehr Leute sterben.
Ich gebe offen zu, dass ich beim Nachdenken รผber den Zustand der Welt sowohl Wut wie auch Trauer verspรผre. Trauer รผber das bereits Verlorene. Wut darรผber, dass wir die Zerstรถrung der Zukunft unserer Kinder tatenlos hinnehmen.
Dabei gรคbe es viel Grund zum Optimismus. Der Planet ist immer noch bewohnbar und der Sonne ist es sowieso egal, was wir auf der Erde machen. Wenn wir mit der Zerstรถrung des Planeten rechtzeitig aufhรถren, kรถnnte sich die menschliche Zivilisation wรคhrend Jahrtausenden noch positiv weiterentwickeln. Wir mรผssen es aber nicht nur wollen, sondern auch den Mut haben, eine Zukunft fรผr unsere Kinder einzufordern.
Ohne einen Plan geht aber gar nichts, weshalb ich einen entwickelt habe: Die globale Klimakompensation. Mit dieser kann die Klimaerwรคrmung gestoppt, die globale Armut abgeschafft, die Flรผchtlingskrise beendet und fรผr mehr internationale Stabilitรคt gesorgt werden. Plรถtzlich kรถnnten unsere Kinder wieder Kinder sein und mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft schauen. Wenn sich das WEF wirklich fรผr das Wohlergehen der Menschheit interessieren wรผrde, kรถnnten ihre prominenten Mitglieder die globale Klimakompensation morgen umsetzen. Als Konsequenz wรผrden sie vielleicht kรผnftig auf ihre Business Jets verzichten mรผssen.
Und damit sind wir beim Kern des Problems angekommen. Mit der Globalisierung hat sich der Kapitalismus von den Fesseln der Demokratie befreit. Die Menschen, die ihre Kinder noch lieben, haben nicht die Macht, die Klimaerwรคrmung zu stoppen. Die Mรคchtigen wollen es nicht. Hier mรผssen wir ansetzen. Wir kรถnnen nicht zulassen, dass eine kleine Gruppe von Menschen, die weder gewรคhlt wurden noch sonst irgendwelche politische Legitimitรคt haben, die Zukunft unserer Kinder zerstรถren.
Kehren wir doch die Feststellung von Edmund Burke, Albert Einstein und anderen fรผr einmal um: damit das Gute gewinnt mรผssen anstรคndige Menschen etwas Rรผckgrat zeigen. In zehn Jahren wird es zu spรคt sein, die Klimazerstรถrung zu stoppen, und wir werden zehn Jahre รคlter sein. Die Zeit zum Handeln ist jetzt.
Ein am 25. Juli 1654 datierter Brief beginnt mit dem Satz ยซMein lieber Sohnยป und endet mit ยซDein treuer Vater, solange ich noch lebe, Axel Oxenstiernaยป. Memento mori. Auf der Rรผckseite hat der Adressat, Graf Erik Oxenstierna folgende Bemerkung hinzugefรผgt: ยซDies ist der letzte Brief meines verehrten Herrn Vatersยป. Aus den islรคndischen Sagen der Wikinger ist folgender Hinweis รผberliefert worden:
Das Vieh stirbt, die Freunde sterben,
Hรกvamรกl
endlich stirbt man selbst;
doch eines weiร ich, daร immer bleibt:
das Urteil รผber den Toten.
Wer den Sinn des Lebens nur in der Vermehrung materiellen Eigentums sieht, wird nicht als Vorbild oder wegen seines Charakters in Erinnerung bleiben, sondern hauptsรคchlich als Entsorgungsproblem.
Ich wรผnsche allen ein aufgeklรคrtes und gesundes neues Jahr!













