Die ganze Welt ist eine Bรผhne

Die Klimakrise ist aber hรถchst real.

Im Jahr 1648 reiste Johan Axelsson Oxenstierna als offizieller Vertreter Schwedens an die Friedensverhandlungen in Westfalen. In einem Brief an seinen Vater, den schwedischen Reichskanzler Axel Oxenstierna, รคusserte er seine Bedenken, dass er fรผr die Aufgabe eventuell zu unerfahren sei. Dieser hat ihn aber mit folgendem Satz beruhigt: ยซDu ahnst nicht, mein Sohn, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird.ยป

Im Jahr 2020 ist diese Einschรคtzung aktueller denn je. Im Weissen Haus sitzt ein Egomane, der sich weigert seine Wahlniederlage einzugestehen. Sein russisches Pendant ist etwas geschickter und stellt sicher, dass er die Wahlen jedes Mal gewinnt. In China werden gar keine Wahlen durchgefรผhrt, was den administrativen Aufwand der Machterhaltung deutlich reduziert. Die Briten haben sich entschieden, den Brexit um jeden Preis umzusetzen, auch wenn das Volk dabei verhungern wird, wรคhrend andere EU-Mitglieder immer grรถssere Mรผhe mit Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte bekunden. Zwischen Aserbaidschan und Armenien tobte ein kurzer Krieg, in dem die israelischen und tรผrkischen Drohnen der Aserbaidschaner die armenische Armee in kรผrzester Zeit ausgeschaltet haben. Im automatisierten Hightech-Krieg der Zukunft sind die Menschen nur noch Kanonenfutter. Darรผber wurde aber praktisch nichts berichtet, da die Medien zwischen Trump und der Pandemie schlicht keine Zeit dafรผr hatten. Und schliesslich hat COVID-19 gezeigt, dass jedes Thema politisiert werden kann, weil das Internet zu einem Selbstbedienungsladen fรผr alternative Fakten mutiert ist. Wie erklรคre ich meinen Kindern, dass wir von Egoisten, Hohlkรถpfen und Psychopathen regiert werden? Zum Glรผck haben sie es schon lรคngst begriffen.

Dabei hรคtten wir eigentlich eine Klimakrise zu bewรคltigen. November 2020 war der wรคrmste seit Beginn der Aufzeichnungen und die CO2-Konzentration der Atmosphรคre ist hรถher als jemals zuvor in den letzten drei Millionen Jahren. Es ist inzwischen klar, dass die bisherige Erderwรคrmung von โ€œnurโ€ einem Grad verheerende Auswirkungen hatte und es ist ebenso klar, dass junge Menschen, die wie meine Kinder im 21. Jahrhundert geboren sind, mit einem weiteren Temperaturanstieg von mindestens einem Grad fertig werden mรผssen.

Leider gibt es auch nach 25 Klimakonferenzen der UNO nicht mal ansatzweise einen Plan, um die Klimazerstรถrung zu stoppen. Das Problem lรคsst sich graphisch sehr schรถn darstellen.

Es geschehe ein Wunder!

Das Diagramm enthรคlt nur รถffentlich verfรผgbare Daten. Die durchgezogenen Kurven zeigen das weltweite inflationsbereinigte Bruttoinlandprodukt (GDP) in Billionen USD (blau) und die globalen jรคhrlichen CO2-Emissionen in Gigatonnen (rot). Wenn man die Achsen richtig skaliert, ist die enge Korrelation der beiden Grรถssen offensichtlich. Die gestrichelte blaue Kurve stellt ein jรคhrliches Wirtschaftswachstum von +2% dar, was von den G20-Staaten als Minimalziel fรผr die nรคchste Zukunft erachtet wird. Die gestrichelte rote Kurve zeigt eine Halbierung der CO2-Emissionen innerhalb von 10 Jahren oder eine jรคhrliche Reduktion von 6.7%, wie es vom Pariser Klimaabkommen verlangt wird. Die Regierungen der Welt haben somit Ziele festgelegt, die sich wahrscheinlich gegenseitig ausschliessen. Wer die Quadratur des Kreises zum politischen Programm macht, wird seine Wรคhler*innen bald enttรคuschen.

Wenn ich รถffentliche Klimavortrรคge halte, fรคngt das Publikum spรคtestens an diesem Punkt an zu lachen. Man muss weder ร–konom noch Wissenschaftler sein, um zu verstehen, was hier gespielt wird. Axel Oxenstierna hรคtte es sofort verstanden, Machiavelli auch. Wenn die Mรคchtigen von den langfristigen Konsequenzen ihres Handelns nichts zu befรผrchten haben, entscheiden sie sich immer fรผr den kurzfristigen Gewinn. Wenn Politik und Wirtschaft von รคlteren vorwiegend weissen Mรคnnern kontrolliert werden, ist nichts Anderes zu erwarten. In der Privatwirtschaft wird hรคufig von ยซDogfoodingยป gesprochen: die Mitarbeiter*innen eines Unternehmens mรผssen im รผbertragenen Sinn ยซdas eigene Hundefutter essenยป, um die Qualitรคt zu garantieren. Softwareentwickler sollen die eigene Software nutzen, Mitarbeiter eines Autoherstellers sollen nicht lieber mit den Autos der Konkurrenz fahren und das Personal von McDonalds soll auch bereit sein, ab und zu einen Hamburger zu essen. Die Reichen und Mรคchtigen dieser Welt, die fรผr die globale Wirtschaftspolitik zustรคndig sind, mรผssen sich wegen der Klimaerwรคrmung wenig Sorgen machen, da sie alt und reich genug sind, um sich von den Konsequenzen freikaufen zu kรถnnen.

Galileo Galilei wurde im Jahr 1633 zu Hausarrest verurteilt, weil er die Wahrheit รผber die Bewegung der Planeten gelehrt hatte. Interessanterweise scheint er das Universum viel besser verstanden zu haben als seine Mitmenschen, denn er versuchte die katholische Kirche mit Fakten zu รผberzeugen. Dies ist eine weit verbreitete Berufskrankheit der Wissenschaftler, die immer davon ausgehen, dass der politische Gegner sich fรผr die Wahrheit interessiert. Dabei war es im 17. Jahrhundert dem Papst ziemlich egal, welcher Planet sich um welchen drehte. Wichtiger war, dass die Kirche ihre Deutungshoheit des Weltgeschehens behalten konnte. Der Klerus hat mit allen Mitteln versucht, die wissenschaftliche Revolution aufzuhalten, was ihm in den katholischen Lรคndern auch teilweise gelungen ist. Die protestantischen Fรผrsten, denen es vor allem darum ging, die Macht des Papstes zu schwรคchen, waren eher fรผr neue Ideen offen. Ihre Kanonen haben vielleicht mehr fรผr die Verbreitung der Wissenschaft geleistet als Galileo. Ein hochgradig ketzerischer Gedanke.

Die Moral der Geschichte ist einfach: es geht immer nur um Macht. Die Reichen und Mรคchtigen der Welt interessieren sich nicht fรผr die Wissenschaft per se, sondern nur fรผr ihre Nรผtzlichkeit. Die Erforschung der Welt dient nur ihrer Ausbeutung und wissenschaftliche Erkenntnisse, welche die bestehende Gesellschaftsordnung in Frage stellen, waren aber nie beliebt.

Deshalb ist die Grafik oben so wichtig. Ein gewisser Optimismus bezรผglich der Mรถglichkeiten neuer Technologien ist vollkommen in Ordnung, aber auf ein Wunder zu hoffen ist keine Strategie. Es besteht ein Unterschied zwischen Optimismus und Fanatismus. Obwohl eine vollstรคndige Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch als sehr unwahrscheinlich erscheint, gilt ยซnachhaltiges Wachstumยป in der Politik als einzige ยซrealistische Lรถsungยป der Klimakrise. Das Primat des Kapitals steht nicht zur Diskussion, so wie die Lehren Aristoteles vor 400 Jahren nicht durch physikalische Beobachtungen in Frage gestellt werden durften. ยซMeine Herren, ich ersuche Sie in aller Demut, Ihren Augen zu trauenยป lรคsst Bertolt Brecht Galileo sagen. Ich kann diese Aufforderung nur mit zunehmender Verzweiflung wiederholen.

ยซDie ganze Welt ist Bรผhne und alle Fraun und Mรคnner bloรŸe Spielerยป schrieb ein berรผhmter Zeitgenosse Alex Oxenstiernas. Wir kรถnnen davon ausgehen, dass der Autor von Werken wie ยซRichard IIIยป, ยซKing Learยป oder ยซJulius Caesarยป die heutige Lage der Menschheit sehr schnell und treffend analysiert hรคtte. Denn es geht beim Klimaschutz nicht um Forschung oder Technik. Es geht um Gier, Macht und Geld. Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt und dessen Lรถsung ebenso: die Fรถrderung fossiler Brennstoffe muss so schnell wie mรถglich gestoppt werden! Leider hรคtte diese Entscheidung dermassen grosse gesellschaftliche Auswirkungen, ยซdaรŸ wir die รœbel, die wir haben, lieber ertragen als zu unbekannten fliehn.ยป

So wird seit Jahrzehnten Theater gespielt, ohne dass jemand sich traut, das tatsรคchliche Problem beim Namen zu nennen. Die Klimaforscher tun so als wรผrden wir noch mehr Klimadaten brauchen, obwohl wir mehr als genug wissen um zu handeln. Die Ingenieure wollen die Klimakrise mit Elektromobilitรคt und erneuerbaren Energien lรถsen, die Informatiker mit Digitalisierung, die ร–konomen mit Wirtschaftswachstum, und die Politiker am liebsten gar nicht, wenn es sie Stimmen kosten kรถnnte. Wir spielen alle unsere Rollen mit dem Ziel, die nรคchste Lohnzahlung zu erhalten und vergessen dabei, dass die Klimakrise so nicht gelรถst werden kann. ยซZuerst kommt das Fressen, dann die Moralยป. Das Resultat ist eine Folge ungenรผgender Massnahmen, die uns in die Katastrophe fรผhren.

Dabei wรคre eine Lรถsung der Klimakrise gar nicht so schwierig, wenn wir uns von der Vorstellung des ewigen Wachstums lรถsen wรผrden. Wie Einstein so richtig festgehalten hat, kรถnnen wir Probleme niemals mit derselben Denkweise lรถsen, durch die sie entstanden sind. Die Industrienationen sind durch รผbermรคssigen Ressourcenverbrauch reich geworden und haben dadurch die Klimaerwรคrmung und viele andere Problemen verursacht. Sie haben jetzt sowohl die finanziellen Mittel wie auch die moralische Verantwortung, diese Probleme zu lรถsen, wie sie auch in der ยซUnited Nations Framework Convention on Climate Changeยป aus dem Jahr 1992 festgehalten haben.

Wir zahlen jetzt aber den Preis dafรผr, dass wir die Welt weitgehend privatisiert haben. Vor Kurzem nahm ich an einem Podiumsgesprรคch mit hochkarรคtigen Vertretern der Finanzbranche teil. Unter dem Titel ยซFinance in Climateยป wurde รผber die Auswirkungen des Klimawandels auf Geldanlagen gesprochen. Positiv dabei war die Feststellung, dass die fossilen Energietrรคger ausgedient haben. Wer heute noch in ร–l-, Kohle-, oder Gasfirmen investiert, verschenkt einfach sein Geld. Ein Beispiel: wรคhrend die Aktienkurse von BP und Shell im Jahr 2020 um mehr als ein Drittel eingebrochen sind, ist der Bรถrsenkurs des dรคnischen Windkraftherstellers VESTAS um 100% gestiegen. Die schlauen Anleger haben die Zeichen der Zeit erkannt und verlassen das sinkende Schiff.

Dass Anleger und Finanzinstitute Geld verdienen wollen, ist nicht erstaunlich und vielleicht nicht mal verwerflich. Schwierig wird es, wenn Geldvermehrung zum einzigen Ziel menschlichen Handelns wird. Hinter Begriffen wie ยซprivate-public- partnershipยป und ยซgreen investingยป versteckt sich die traurige Wahrheit, dass Probleme der heutigen Welt nur dann lรถsbar sind, wenn sich jemand dadurch bereichern kann. Heute besitzen 1% der Superreichen mehr als die restlichen 99% der Weltbevรถlkerung. Sie sind gerne bereit, etwas fรผr die Rettung der Welt zu tun, wenn sie dadurch noch reicher werden kรถnnen. Die Bemerkung, dass sie unrechtmรคssig reich geworden sind, weil sie ihr Vermรถgen mit nicht-nachhaltigen Investitionen aufgebaut haben, fรผhrt im Kreis der Reichen zum Eklat. Dabei sind es gerade sie, die durch ihren Lebensstil den Planeten am stรคrksten belasten.

Die Grafik oben zeigt somit die intellektuelle Kapitulation der Menschheit vor dem Primat des Kapitals. Von bestehenden Machtstrukturen werden wir gezwungen, auf dem Weg des Wachstums weiter ins Ungewisse zu laufen und hinter uns die Brรผcken zu verbrennen. Wir wissen nicht was wir tun und welche Auswirkungen es haben wird. Sicher ist nur, dass wir es nicht mehr rรผckgรคngig machen kรถnnen. Wenn wir in 10 Jahren feststellen, dass eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch unmรถglich ist, wird es lรคngst zu spรคt sein. Wie Soldaten in einer lรคngst verlorenen Schlacht machen wir einfach weiter, ohne den Sinn des letzten Befehls zu hinterfragen. Wir sind in einer Falle der gefรผhlten Ausweglosigkeit gefangen und kรถnnen uns nicht mehr vorstellen, dass es anders sein kรถnnte.

Man kann heute keine Diskussion รผber die Zukunft fรผhren, ohne auf die Globalisierung einzugehen. Ihre ideologische Seite besteht darin, alle anwachsenden Zumutungen im Kapitalismus als Wirkung eines objektiven Prozesses zu deuten, auf den man keinen Einfluss habe.

Gregor Gysi

Dabei kรถnnte alles anders sein. Die Reise Johan Oxenstiernas nach Westfalen wurde dadurch veranlasst, dass ein deutscher Mรถnch namens Martin Luther etwa 130 Jahre frรผher seine 95 Thesen in Wittenberg vorgelegt hatte. Er hat darin das Geschรคft mit dem Ablasshandel in Frage gestellt und viele Kritikpunkte rhetorisch geschickt als naive Fragen formuliert: ยซWarum baut der Papst, der heute reicher ist als der reichste Crassus, nicht wenigstens die Kirche St. Peter lieber mit seinem eigenen Geld als dem der armen Glรคubigen?ยป Eine berechtige Frage. Ihre heutige Entsprechung wรคre die Frage, wieso wir immer noch รผber globale Armut diskutieren, wenn die Superreichen das Problem morgen lรถsen kรถnnten.

Heute brauchen wir wieder eine Reformation des Denkens, die uns erlaubt, die intellektuelle Zwangsjacke des Kapitalismus abzuwerfen. Der Homo Oeconomicus wird die Klimakrise nicht lรถsen kรถnnen, der Homo Sapiens vielleicht schon. Wir mรผssen uns wieder darauf besinnen, dass Fragen ohne Antworten wertvoller sind als Antworten, die nicht hinterfragt werden dรผrfen.

Viele ร–konomen kรถnnen sich eine Welt ohne Wirtschaftswachstum nicht vorstellen. Dies ist schon etwas fantasielos, denn ich kann mir eine Welt ohne ร–konomen sehr gut vorstellen. Um die gesellschaftliche Debatte etwas zu beleben und ein paar Gedanken anzuregen, lege ich gleich folgende Thesen fรผr das neue Jahr vor:

  • Selbstverstรคndlich kรถnnen wir die Klimazerstรถrung stoppen, da diese zu 100% von menschlichen Aktivitรคten verursacht wird. Dass der grรถsste Teil der Klimazerstรถrung auf Luxuskonsum der reichen Lรคnder zurรผckzufรผhren ist, macht die Lรถsung des Problems noch einfacher.
  • Ob wir die Klimazerstรถrung aufhalten wollen, ist hauptsรคchlich eine ethische Frage und hat nichts mit Wissenschaft und Wirtschaft zu tun. Es geht gar nicht um Geld, sondern um das รœberleben der Menschheit und den einzig bewohnbaren Planeten im uns bekannten Universum.
  • Wir kรถnnen die Zukunft nicht vorhersagen. Der Planet ist dermassen komplex, dass nur ein Verrรผckter sich anmassen wรผrde, die Kosten des Klimaschutzes den wirtschaftlichen Schรคden der Klimaerwรคrmung gegenรผberzustellen, um ein Optimum zu finden. Leider hat er dafรผr Wirtschaftsnobelpreis erhalten.
  • In der Vergangenheit war es nicht notwendig, die Zukunft vorherzusagen, weil das Klima stabil war. Es gab im Wesentlichen nur jรคhrliche Schwankungen, denen man sich anpassen konnte. Es gibt viele Bรคume, die รคlter als 1000 Jahre sind. Der Grund dafรผr ist, dass die mittlere Temperatur der Welt sich wรคhrend dieser Zeit um weniger als 0.2ยฐC verรคndert hat. Heute steigt die Temperatur um mehr als 0.2ยฐ pro Dekade. In der Zukunft wird es sicher keine Wรคlder mit alten Bรคume geben.
  • Wir mรผssen den Gedanken akzeptieren, dass Klimaschutz mit Wirtschaftswachstum wahrscheinlich nicht vereinbar ist. Im Moment haben wir fรผr diesen Fall keinen Plan.
  • Es gibt keine nationalen Klimaziele, sondern nur ein globales. Internationale Zusammenarbeit ist angesagt.
  • Es gibt keinen Widerspruch zwischen Klimaschutz und Vollbeschรคftigung. Gรผnstige fossile Brennstoffe fรถrdern Globalisierung und Automatisierung, wodurch Arbeitsplรคtze abgebaut werden.
  • Es gibt einen Widerspruch zwischen Klimaschutz und Kapitaleinkommen. In einer nachhaltigen Welt wird man wieder arbeiten mรผssen, um Geld zu verdienen.
  • Was uns in den vergangenen 30 Jahren als Klimapolitik verkauft wurde, war ein verzweifelter Versuch, ein bankrottes System zu retten. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder und jedes Mal als Tragรถdie. Der Versuch, die europรคischen Monarchien zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu retten, hat viele Tote hinterlassen. Beim Versuch, den Kapitalismus zu retten, kรถnnten noch mehr Leute sterben.

Ich gebe offen zu, dass ich beim Nachdenken รผber den Zustand der Welt sowohl Wut wie auch Trauer verspรผre. Trauer รผber das bereits Verlorene. Wut darรผber, dass wir die Zerstรถrung der Zukunft unserer Kinder tatenlos hinnehmen.

Dabei gรคbe es viel Grund zum Optimismus. Der Planet ist immer noch bewohnbar und der Sonne ist es sowieso egal, was wir auf der Erde machen. Wenn wir mit der Zerstรถrung des Planeten rechtzeitig aufhรถren, kรถnnte sich die menschliche Zivilisation wรคhrend Jahrtausenden noch positiv weiterentwickeln. Wir mรผssen es aber nicht nur wollen, sondern auch den Mut haben, eine Zukunft fรผr unsere Kinder einzufordern.

Ohne einen Plan geht aber gar nichts, weshalb ich einen entwickelt habe: Die globale Klimakompensation. Mit dieser kann die Klimaerwรคrmung gestoppt, die globale Armut abgeschafft, die Flรผchtlingskrise beendet und fรผr mehr internationale Stabilitรคt gesorgt werden. Plรถtzlich kรถnnten unsere Kinder wieder Kinder sein und mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft schauen. Wenn sich das WEF wirklich fรผr das Wohlergehen der Menschheit interessieren wรผrde, kรถnnten ihre prominenten Mitglieder die globale Klimakompensation morgen umsetzen. Als Konsequenz wรผrden sie vielleicht kรผnftig auf ihre Business Jets verzichten mรผssen.

Und damit sind wir beim Kern des Problems angekommen. Mit der Globalisierung hat sich der Kapitalismus von den Fesseln der Demokratie befreit. Die Menschen, die ihre Kinder noch lieben, haben nicht die Macht, die Klimaerwรคrmung zu stoppen. Die Mรคchtigen wollen es nicht. Hier mรผssen wir ansetzen. Wir kรถnnen nicht zulassen, dass eine kleine Gruppe von Menschen, die weder gewรคhlt wurden noch sonst irgendwelche politische Legitimitรคt haben, die Zukunft unserer Kinder zerstรถren.

Kehren wir doch die Feststellung von Edmund Burke, Albert Einstein und anderen fรผr einmal um: damit das Gute gewinnt mรผssen anstรคndige Menschen etwas Rรผckgrat zeigen. In zehn Jahren wird es zu spรคt sein, die Klimazerstรถrung zu stoppen, und wir werden zehn Jahre รคlter sein. Die Zeit zum Handeln ist jetzt.

Ein am 25. Juli 1654 datierter Brief beginnt mit dem Satz ยซMein lieber Sohnยป und endet mit ยซDein treuer Vater, solange ich noch lebe, Axel Oxenstiernaยป. Memento mori. Auf der Rรผckseite hat der Adressat, Graf Erik Oxenstierna folgende Bemerkung hinzugefรผgt: ยซDies ist der letzte Brief meines verehrten Herrn Vatersยป. Aus den islรคndischen Sagen der Wikinger ist folgender Hinweis รผberliefert worden:

Das Vieh stirbt, die Freunde sterben,
endlich stirbt man selbst;
doch eines weiรŸ ich, daรŸ immer bleibt:
das Urteil รผber den Toten.

Hรกvamรกl

Wer den Sinn des Lebens nur in der Vermehrung materiellen Eigentums sieht, wird nicht als Vorbild oder wegen seines Charakters in Erinnerung bleiben, sondern hauptsรคchlich als Entsorgungsproblem.

Ich wรผnsche allen ein aufgeklรคrtes und gesundes neues Jahr!

Presenting the OctoWheelBarrow!

Ladies and Gentlemen! I am delighted to present my latest invention: the OctoWheelBarrow. Donโ€™t laugh โ€“ it is a lot better than the previous version, which used a square wheel.

A wheelbarrow with an octagonal wheel

Assume that we lived in a society where the state religion bans the use of round shapes in engineering. There would be two kinds of engineers: The opportunists and careerists would make a living from designing octagonal wheels and the decent ones would get politically involved and try to remove the ban. To paraphrase George Bernard Shaw:

The reasonable man adapts himself to the world; the unreasonable one persists in trying to adapt the world to himself. Therefore, all progress depends on the unreasonable man.

For this reason, I cannot attend innovation seminars anymore. To begin with, it is kind of surreal to have a person on stage telling people to think independently. Monty Python made fun of this in โ€œLife of Brianโ€, where they had a huge crowd of people shouting โ€œWe are all different!โ€ in unison. A creative person does not need to be told what to think.

Even worse, nobody attending such seminars is prepared to think outside the box of capitalism. There is an unwritten agreement that the purpose of all human activity is to generate ROI. If someone comes up with an idea to sell more guns, alcohol, or junk food, it is automatically considered a good thing. The purpose of a vending machine for soft drinks is to sell as many of those as possible, even if they are unhealthy. In order to accomplish this, engineers today use cameras with face recognition in order to display the gender- and age-appropriate ads. It is called progress.

My main point is not to criticize our current economic system. I just want to point out that we have all been brainwashed into believing that no alternatives are possible. Children are taught how to compute compound interest, but they do not learn where the money comes from. This way, innovation in our society is limited to technology. All other forms are banned. Ideas without business models are dead on arrival. That is not very innovative.

Here is a simple question I like to ask my students and attendees of my public lectures:

A gold digger departs into the mountains and finds a huge goldnugget. Upon returning to civilization, he is considered rich. Why?

Even though there is a simple and obvious answer to this question, many people do not get it.(*)

Our collective lack of imagination gets almost unbearable when talking about sustainability. We start by excluding the 99.9% of solutions which would be good for the environment but not have a business model and focus on the 0.1% of solutions that allow someone to get rich. That is no way to conduct a brainstorming. (Note: the figures quoted are used for rhetorical effect. They should not be interpreted literally)

Is there are conflict between economic growth and sustainability? I believe it is obvious because we are ultimately interested in consuming things. We do not work to earn money but to acquire purchasing power. Money allows us to have buy a big house with a huge garden, to get a nice car, and to travel to interesting places. In short, it allows us to consume non-renewable resources. If we were not allowed to use our money, we probably would not work that hard.

Anyway, I am not the only one of this opinion (see below). I would be happy to be proven wrong but currently I am more interested in finding out the truth. That will be the topic of a future blog post.

Some sources:

  • Isaksen, Elisabeth T.; Narbel, Patrick A. (2017): A carbon footprint proportional to expenditure โ€“ A case for Norway? In: Ecological Economics 131, S. 152โ€“165. DOI: 10.1016/j.ecolecon.2016.08.027.
  • Ward, James D.; Sutton, Paul C.; Werner, Adrian D.; Costanza, Robert; Mohr, Steve H.; Simmons, Craig T. (2016): Is Decoupling GDP Growth from Environmental Impact Possible? In: PloS one 11 (10), e0164733. DOI: 10.1371/journal.pone.0164733.
  • Hickel, Jason (2019): The contradiction of the sustainable development goals: Growth versus ecology on a finite planet. In: Sustainable Development 145 (6), S. 10. DOI: 10.1002/sd.1947.

(*) Depending on demand, I might publish the correct answer here.

Denken ist erlaubt

GALILEI (fast unterwรผrfig): Meine Herren, der Glaube an die Autoritรคt des Aristoteles ist eine Sache, Fakten, die mit Hรคnden zu greifen sind, eine andere. Sie sagen, nach dem Aristoteles gibt es dort oben Kristallschalen, und so kรถnnen gewisse Bewegungen nicht stattfinden, weil die Gestirne die Schale durchstoรŸen mรผรŸten. Aber wie, wenn Sie diese Bewegungen konstatieren kรถnnten? Vielleicht sagt Ihnen das, daรŸ es diese Kristallschalen gar nicht gibt? Meine Herren, ich ersuche Sie in aller Demut, Ihren Augen zu trauen.

Brecht, Bertolt. Leben des Galilei: Schauspiel. Suhrkamp Verlag.

Das Problem einer autoritรคren Erziehung ist, dass die Kinder nie zu denken lernen. Wenn jede ihrer Fragen mit dem Satz ยซweil ich es sageยป beantwortet wird, verlieren Sie ihre Neugier und haben keine Lust mehr, sich selber Gedanken zu machen. Sie gewรถhnen sich daran, dass es immer Autoritรคten gibt โ€“ seien es die Eltern, die Priester oder die Lehrer โ€“ die alles besser wissen. Das Erfolgserlebnis des Denkens bleibt aus.

Ein grossartiges Cartoon des iranischen Zeichners Mana Neyestani

Aus den autoritรคr erzogenen Kindern werden gehorsame Bรผrger autoritรคrer Regime. Studien in den USA haben gezeigt, dass die Wรคhler und Wรคhlerinnen, die fรผr Donald Trump stimmten, sich vor allem einen starken Mann als Prรคsidenten wรผnschten. Sie brauchen einen Fรผhrer, der immer sofort auf alles eine einfache Antwort hat, ganz unabhรคngig davon, ob diese richtig ist oder nicht. Das Nachdenken gilt fรผr sie als Zeichen der Schwรคche. Diese Haltung ist in der Gesellschaft weit verbreitet. Im Jahr 2000 hatte ich ein Vorstellungsgesprรคch bei Boston Consulting in Chicago. Die Stelle habe ich nicht bekommen, weil der Personalverantwortliche das Gefรผhl hatte, ich denke bevor ich spreche. Mit diesem Urteil kann ich gut leben.

Autoritรคre Systeme zeichnen sich durch ein einfaches Weltbild und die Unterdrรผckung abweichender Meinungen aus. Der Neoliberalismus ist deshalb autoritรคr, da er eine Lรถsung fรผr alle Probleme postuliert und keine anderen Ideen zulรคsst. Die berรผhmte Behauptung von Margret Thatcher, dass es keine Alternative gibt (TINA), lรคsst sich kaum als Einladung zum Dialog interpretieren.

Wir leben heute in einer Welt, in der die freie Marktwirtschaft als gรถttliche Ordnung verstanden wird. Unbequeme Fakten werden unterdrรผckt und Unwahrheiten zu Dogmen erhoben. Obwohl unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten offensichtlich unmรถglich ist, wird die Notwendigkeit des Wirtschaftswachstums selten infrage gestellt. Die Tatsache, dass der รถkologische Fussabdruck der Menschheit um einen Faktor zwei zu gross ist und immer noch zunimmt, wird von den Mรคchtigen zur Kenntnis genommen und gleich ignoriert. Was nicht sein darf, kann auch nicht sein. Galileo hรคtte den Frust der Klimaforscher sofort verstanden.

ยซDie Wahrheit ist das Kind der Zeit, nicht der Autoritรคtยป sagt Galileo im oben zitierten Theaterstรผck von Bertolt Brecht. Was Galileo wirklich gesagt hat, wissen wir aus einem Brief an die Grossherzogin Christine (etwa aus dem Jahr 1615):

Ich mรถchte jene sehr klugen Vรคter bitten, dass sie mit aller Sorgfalt den Unterschied bedenken mรถchten, der zwischen den auf Meinung gegrรผndeten und den beweisbaren Lehren besteht: Wenn sie sich nรคmlich deutlich vor Augen stellen wรผrden, mit welcher Kraft die zwangslรคufigen Schlussfolgerungen zwingend sind, wรผrde ihnen eher klar werden, dass es nicht in der Macht der Professoren der beweisenden Wissenschaften steht, die Meinungen nach ihrem Willen zu รคndern, indem sie sich bald dieser und bald jener anschliessen, und dass ein grosser Unterschied besteht zwischen dem Befehl an einen Mathematiker oder an einen Philosophen und der Anordnung an einen Kaufmann oder an einen Rechtsgelehrten, und dass die bewiesenen Schlรผsse รผber die Dinge der Natur und des Himmels nicht mit der gleichen Leichtigkeit geรคndert werden kรถnnen wie die Meinungen รผber das, was in einem Vertrag, einem Census oder einem Wechsel zulรคssig ist.

Hans Bieri, Der Streit um das kopernikanische Weltsystem im 17. Jahrhundert, Peter Lang Verlag

Anders gesagt, auch vor 400 Jahren musste die Rolle der Wissenschaft den Mรคchtigen erklรคrt werden. In den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften gibt es keine Naturgesetze, da das ganze System menschengemacht ist. Gesetzliche Vorschriften, von denen erstaunlich viele fรผr das Funktionieren der angeblich ยซfreien Marktwirtschaftยป erforderlich sind, kรถnnen wir jederzeit รคndern. Die Gesetze der Natur eben nicht. Ich bin nicht sicher, ob alle Juristen und ร–konomen dies verstehen.

Jesse Springer

Mit dem Coronavirus meldet sich die reale Welt zurรผck. Plรถtzlich haben wir es mit einer externen Bedrohung des Wirtschaftssystems zu tun, die sich nicht um menschengemachte Regeln und Gesetze kรผmmert. Erstaunt stellen wir fest, dass ein grosser Teil der Privatwirtschaft รผber Nacht abgestellt werden kann und wir trotzdem genug zu essen haben. Sogar das Klopapier reicht fรผr alle. J. K. Galbraith hat dies in seinem Buch ยซGesellschaft im รœberflussยป schon im Jahr 1958 vorhergesagt. In einer Gesellschaft, deren materielle Bedรผrfnisse schon befriedigt sind, produziert die Wirtschaft hauptsรคchlich Produkte, die niemand braucht. ยซDie Wirtschaft schafft Arbeitsplรคtzeยป wird oft behauptet. Hoffentlich tut sie mehr als das, denn sonst mรผssten wir einen anderen Weg finden, die Menschen zu beschรคftigen.

Im Gegensatz zur Klimaerwรคrmung stellt das Coronavirus keine Bedrohung der Menschheit dar. Weil aber diesmal Mรคnner รผber 50 zur Risikogruppe gehรถren und ein Virus keine Lobby hat, wurde sofort reagiert. Es macht Sinn, die Verbreitung des Coronavirus so weit wie mรถglich einzudรคmmen, damit eine รœberforderung des Gesundheitswesens vermieden werden kann. Zum Glรผck scheinen die meisten Regierungen der Welt dies zu verstehen und haben entsprechende Massnahmen ergriffen.

Die Coronakrise wรคre auch eine gute Gelegenheit, unser Wirtschaftssystem grundsรคtzlich zu hinterfragen. Um dies zu verhindern, will eine Mehrheit der Meinungsbildner aus Politik und Wirtschaft mรถglichst schnell zur vermeintlichen Normalitรคt zurรผckkehren. Es bestรผnde sonst die Gefahr, dass wir aus der Krise etwas lernten.

Genau dies sollten wir aber tun. Denn wir neigen dazu, jedes Problem mit minimalistischen Verรคnderungen des bestehenden Systems lรถsen zu wollen. Die Klimaerwรคrmung wollen wir mit Elektroautos und Solarpanels in den Griff bekommen, obwohl dies offensichtlich nicht ausreicht. Das Coronavirus lehrt uns, dass wir gewisse Herausforderungen auf diese Art nicht meistern kรถnnen. Auch bei der Erwรคrmung des Erdklimas gibt es keinen Grund zu vermuten, dass das Problem innerhalb des bestehenden Wirtschaftssystems gelรถst werden kann. Wir brauchen komplett neue Ideen.

Mike Lukovich

Die Frage ist, wer ein neues System aufbauen soll. Menschen wehren sich gegen Verรคnderungen, weil sie Angst haben, etwas zu verlieren. Es macht wenig Sinn, eine Gruppe von Kardinรคlen damit zu beauftragen, die Frage nach der Existenz Gottes zu klรคren. Analog kรถnnen und wollen Menschen, die mit dem bestehenden Wirtschaftssystem reich und erfolgreich wurden, das System kaum umbauen. Niemand verlรคsst gerne den Bereich des Bekannten, um sich neue Themen zu widmen. Wenn Menschen doch รผber den Tellerrand schauen, werden sie mit dem Vorwurf konfrontiert, keine Experten zu sein.

Ich verstehe die Sorgen. Als Physiker hรคtte ich auch ein grosses Problem, wenn die Naturgesetze morgen aufhรถren wรผrden zu gelten. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies passiert und ich es auch รผberleben wรผrde, schรคtze ich aber als sehr gering ein. Somit bilden wissenschaftliche Fakten eine gute Basis fรผr den Aufbau eines neuen Systems. Nicht weil sie von den Wissenschaftlern stammen, sondern weil sie wahr sind.

Wer jetzt bereit ist, der Bitte von Galileo folgend den eigenen Augen zu trauen, stellt Erstaunliches fest. In vielen Stรคdten der Welt hat sich die Luftqualitรคt wegen des wirtschaftlichen Lockdowns massiv verbessert und der Lรคrmpegel ist gesunken. Dies ist eindeutig gut fรผr Mensch und Umwelt. Der wirtschaftliche Schaden hingegen ist systembedingt. Wenn unser Wirtschaftssystem nicht auf Wachstum und รœberkonsum basierte, wรคre der Lockdown kein Problem. ยซDie Wirtschaft leidetยป verkรผnden die Medien unisono, aber niemand fragt sich wieso. Rein abgesehen davon, dass juristische Personen kaum leiden kรถnnen.

Gleichzeitig geht es dem Planeten schlechter als je zuvor. Die ersten drei Monate dieses Jahres waren viel zu heiss, und Europa wird wieder von einer Dรผrre mit grossen Ernteausfรคllen bedroht. Der Lockdown wird den globalen CO2-Austoss um etwa 5% in diesem Jahr reduzieren. Wir brauchen aber eine Reduktion von รผber 7% pro Jahr รผber die nรคchsten 30 Jahre, um eine Klimakatastrophe abzuwenden. Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu verstehen, dass dies schwierig wird. Wenn wir in alten Denkmustern verharren, schaffen wir es sicher nicht.


Nachtrag 1: Ich mรถchte Margaret Thatcher nicht unrecht tun. Dass sie die Kohleminen in Grossbritannien geschlossen hat, war wohl gut fรผr die Umwelt. Sie hat auch im Jahr 1989 in einem dringlichen Appell an die Generalversammlung der Uno vor den Gefahren der Umweltzerstรถrung und der Klimaerwรคrmung gewarnt. Ihre politischen Ideen waren sonst aber nicht besonders progressiv.

Nachtrag 2: Viele Denker*innen setzen sich im Moment mit den Konsequenzen der Coronakrise auseinander. Hier eine kleine Auswahl:

Nachtrag 3: Hier noch der Auszug aus dem Brief von Galilei Galileo:

Alla Serenissima Madama, la Gran Duchessa Madre.

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Io vorrei pregar questi prudentissimi Padri, che volessero con ogni diligenza considerare la differenza che รจ tra le dottrine opinabili e le dimostrative; acciรฒ, rappresentandosi ben avanti la mente con qual forza stringhino le necessarie illazioni, si accertassero maggiormente come non รจ in potestร  deโ€™professori delle scienze demostrative il mutar lโ€™opinioni a voglia loro, applicandosi ora a questa ed ora a quella, e che gran differenza รจ tra il comandare a un matematico o a un filosofo e โ€˜l disporre un mercante o un legista, e che non con lโ€™istessa facilitร  si possono mutare le conclusioni dimostrate circa le cose della natura e del cielo, che le opinioni circa a quello che sia lecito o no in un contratto, in un censo, o in un cambio.

Galileo Galilei, etwa 1615