Projekt Hoffnung

When the going gets tough, the tough get going!

Es gibt gute Gründe, wieso Kriegs- und Katastrophenfilme im Kino (oder auf Netflix) so gut ankommen. Offensichtlich fasziniert es uns zu sehen, wie Menschen in Extremsituationen reagieren und wie der Held (oder in moderneren Filmen auch mal eine Heldin) einen kühlen Kopf bewahrt und die Welt durch Mut und Kühnheit wieder einmal rettet.

Das einzige Realistische an solchen Filmen ist die Tatsache, dass viele Menschen in schwierigen Situationen zu schreienden Statisten werden. Offensichtlich sind die meisten von uns nicht in der Lage, in Krisensituationen rational zu denken und zu handeln. Stattdessen unternehmen wir alles, um nichts unternehmen zu müssen: Wir leugnen die Existenz der Gefahr, hoffen auf ein Wunder oder resignieren, weil wir uns machtlos fühlen. Alle drei Verhaltensmuster sind in der Politik der westlichen Demokratien heute deutlich zu erkennen.

Besonders beunruhigend ist die scheinbare Resignation der Jugend, die ich aber nicht als ganz irrational bezeichnen würde. Sie sind nicht schuld an der katastrophalen Weltlage und sie sehen wenig Möglichkeiten, innerhalb des bestehenden politischen Systems etwas zu verändern. Somit macht es mehr Sinn, das Leben zu geniessen und auf Kinder zu verzichten, als sich um die Zukunft zu kümmern. «Nach mir die Sintflut» ist das Verhalten, das sie von ihren Eltern und Lehrern gelernt haben.

Ich bin in der glücklichen Lage, täglich mit jungen Menschen zu interagieren. Die meisten von ihnen sind grossartig und ich wünsche ihnen von Herzen alles Gute. Nichtsdestotrotz zeigt die Fieberkurve unseres Planeten immer steiler nach oben, das Artensterben beschleunigt sich und die Doomsday Clock gibt inzwischen 85 Sekunden vor Mitternacht an. Es erstaunt deshalb nicht, dass es immer mehr junge Menschen gibt, denen es psychisch schlecht geht.

«When the going gets tough, the tough get going» heisst ein amerikanisches Sprichwort. Wir sind jetzt an dem Punkt im Actionfilm angelangt, wo die mutigen und rational denkenden Menschen die Sache in die Hand nehmen, um das Böse zu besiegen. Wer zu dieser Kategorie gehört, hat wenig mit Bildung und sozialem Status zu tun, sondern eher mit Charakter. Was wir tun müssen, basiert auf Fakten.

Seit über 12 Jahren beschäftige ich mich mit der Klimakrise und bin jetzt bereit, eine Synthese zu formulieren, die ich in einer Reihe von Vorträgen und Feierabendgesprächen an der OST präsentieren werde. Das Programm sieht wie folgt aus:

Der (einst) vitale Planet

Vortrag an der OST
Mittwoch, 25. Februar 2026, Hörsaal 3.008

Es handelt sich um einen Physikvortrag, in dem ich auf mathematische Formeln verzichte, um ihn allgemeinverständlich zu gestalten. Ich möchte zeigen, dass es eine wissenschaftliche Definition der Nachhaltigkeit gibt, die von den wenigsten verstanden wird. Ohne diese Definition kommen wir aber nicht weiter.

Macht und Wissenschaft

Feierabendgespräch an der OST
Mittwoch, 11. März 2026, Hörsaal 3.008

Hier wird der Spruch «die herrschende Meinung ist die Meinung der Herrschenden» erläutert, mit Beispielen aus den letzten 400 Jahren von Galileo bis zum Klimawandel.

Kapitalismus als Religion?

Feierabendgespräch an der OST
Mittwoch, 25. März 2026, Hörsaal 3.008

Basierend auf Arbeiten von Thomas Piketty, Joseph E. Stiglitz, John K. Galbraith, Kate Raworth, Ann Pettifor, Yanis Varoufakis, Jason Hickel, Bret Christophers, Steve Keen und anderen Ökonomen wird erklärt, wieso unser Wirtschaftssystem immer weniger Sinn macht.

Globale Klimakompensation

Feierabendgespräch an der OST
Mittwoch, 15. April 2026, Hörsaal 3.008

Es wird ein Plan zur Weltrettung vorgestellt, von dem 80 % der Weltbevölkerung profitieren würden und der sogar vom CEO der Exxon Mobil Corporation als sinnvoll erachtet wird.

Die friedliche Revolution

Feierabendgespräch an der OST
Mittwoch, 29. April 2026, Hörsaal 3.008

Es könnte alles anders sein. Die Probleme der Menschheit sind menschengemacht und können somit auch von Menschen gelöst werden. Wenn sich hinreichend viele von uns entscheiden würden, das Richtige zu tun, wäre der Weltuntergang kein Thema mehr.

Ich freue mich auf zahlreiche und engagierte Teilnahme, vor allem von jungen Menschen.

Das ist eine böse Zeit, wenn Wahnwitzige die Blinden führen.

Ich habe meinen Vortrag in Rapperswil am 25. Februar 2025 mit einem Zitat von William Shakespeare begonnen und mit einer Botschaft der Hoffnung beendet. Dazwischen habe ich versucht zu erklären, warum unser Wirtschaftssystem mit dem Überleben der Menschheit unvereinbar ist, was wir eigentlich schon seit der Veröffentlichung von «Die Grenzen des Wachstums» im Jahr 1972 wissen.

Wer die Ideen für die Umsetzung der globalen Klimakompensation oder des Konsumstreiks hat, darf sich gerne bei mir melden.

Was eben wahr ist allerorten
Das sag ich mit ungescheuten Worten

— Johann Wolfgang von Goethe

Anbei die Präsentation als PDF.

We have created a monster, and it is us!

The problem is “not that television is entertaining but that it has made entertainment itself the natural format for the representation of all experience.” The result is a society that always expects to be amused and becomes incapable of engaging in serious political discourse. In particular, it is unable to separate the relevant from the irrelevant.

My most recent post on substack can be found here: We have created a monster, and it is us! (global-climate-compensation.org)

Der (einst) vitale Planet

Es ist im Moment etwas schwierig, bezüglich der Zukunft der Menschheit optimistisch zu bleiben. Nicht nur beschleunigt sich das Tempo des Klimawandels, sondern die Auswirkung sind auch (wie erwartet) viel dramatischer als erwartet. Wenn wir die Klimazerstörung stoppen wollen, müssen wir jetzt handeln.

Gleichzeitig scheint die Menschheit wieder einmal alle Lehren aus der Geschichte vergessen zu haben. Die UNO und andere internationale Institutionen werden ignoriert, Kriege und Gewalt werden akzeptiert, und Menschenrechte suspendiert. Das amerikanische Stimmvolk wird bald zwischen einem bösen senilen Greis, der zu viele John-Wayne-Filme gesehen hat, und Donald Trump entscheiden müssen. Das kommt nicht gut.

Wie so oft, hat Christa Wolf dafür die perfekte Formulierung gefunden:

Wann Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg. Falls es da Regeln gäbe, müsste man sie weitersagen, in Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da? Da stünde, unter andern Sätzen: Lasst euch nicht von den Eignen täuschen.

Christa Wolf, Kassandra

Heute ist es klar, dass der Vorkrieg bereits begonnen hat. Wir haben uns wieder von den “Eignen” täuschen lassen und nicht begriffen, dass die Eliten nie die Absicht hatten, die Klimakrise zu lösen. Politik und Wirtschaft haben uns 30 Jahre lang angelogen.

Dabei ist alles ganz einfach:

  • Der globale Norden braucht heute viel zu viele Ressourcen, die irgendwo herkommen müssen. Entweder müssen die Industrieländer bereit sein, ihren Lebensstandard zu senken, oder sie müssen Kriege führen. Offensichtlich haben sie sich für die zweite Option entschieden.
  • Der Klimawandel kann nur gestoppt werden, wenn wir aufhören, fossile Brennstoffe zu nutzen. Das Potenzial der CO2-Abscheidung ist begrenzt.
  • Die Wirtschaft wird schrumpfen müssen, da wir im Zeitalter der fossilen Brennstoffe leben und diese nicht ersetzt werden können.
  • Nachhaltiges Wachstum ist physikalisch unmöglich.

Es ist möglich, Nachhaltigkeit thermodynamisch zu definieren. Wenn wir das tun, stellen wir fest, dass wir heute auf einem sterbenden Planeten leben. Das Ziel muss sein, diesen in einen vitalen Zustand zurückzuführen.

Weitere Details sind im untenstehenden Dokument zu finden. Eine kurze Version davon, ohne Bilder und Formeln, wurde in der TAZ veröffentlicht: Wachstum und Klimakrise: Kreislaufwirtschaft im Wald – taz.de.

Planlos durch den Winter

Kurz vor Weihnachten hat uns The Economist ein schönes Wintersujet geliefert. Der Artikel Europe faces an enduring crisis of energy and geopolitics hält nochmals fest, was wir alle schon wussten: Die Energiewende wäre für Europa nicht nur aus Sicht des Klimaschutzes, sondern auch aus wirtschaftlichen und geopolitischen Überlegungen das Richtige gewesen.

Frozen Out, The Economist, 26.11.2022

Etwa zwei Wochen später doppelt der Generaldirektor der internationalen Energieagentur (IEA) nach:

Die unbequeme Wahrheit ist, dass das Geschäftsmodell vieler europäischer Industrien jahrzehntelang auf der Verfügbarkeit reichhaltiger und billiger russischer Energielieferungen beruhte. Dieses Geschäftsmodell wurde durch den russischen Einmarsch in die Ukraine zerstört und wird sich nicht erholen.

Faith Birol, IEA, Europe urgently needs a new industrial master plan

Politikerinnen und Politiker, die sich in der Vergangenheit gegen eine ambitionierte Klimapolitik eingesetzt haben, lagen somit falsch. Hoffentlich sind sie jetzt endlich bereit, den Fehler einzugestehen und ihre Meinung zu ändern.

Wenn die Politik versagt, müssen andere in die Bresche springen. Ingmar Rentzhog ist ein umtriebiger Schwede, der die die Organisation We Don’t Have Time gegründet hat. Unter dem Tag #WeCanDoIt lädt er engagierte Menschen ein, sich zu vernetzen und aktiv zu werden. Schaden tut dies sicher nicht.

Ingmar Rentzhog, Nigel Topping und Johan Rockström an der #COP27

An der OST kämpfen wir dafür, dass wenigstens genug Fachkräfte für die Energiewende zur Verfügung stehen werden. Wer heute Energie- oder Umwelttechnik studiert, hat nach drei Jahren einen sicheren und sinnstiftenden Job mit einem guten Lohn und exzellenten Zukunftsperspektiven, wie der Artikel von meinem Kollegen Carsten Wemhöner zeigt:

Leider ist es schwierig, junge Menschen für die technische Umsetzung der Energiewende zu gewinnen. Vielleicht hat dies mit dem Statusverlust des Ingenieurberufes in einer zunehmend deindustrialisierten Gesellschaft zu tun. Obwohl wir alle von modernster Technik abhängig sind, wollen die wenigsten wissen, wie die Welt funktioniert. Joan Diamond und Paul Ehrlich erkennen hier ein Scheitern der Universitäten, die immer noch junge Menschen für die Welt von gestern ausbilden und sie nicht auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten.

Es kann auch sein, dass technische Ausbildungen als langweilig angesehen werden. Ingenieure (die immer noch mehrheitlich männlich sind) werden als Nerds angesehen, die für jedes Problem eine technische Lösung suchen. Das stimmt aber nicht. Unsere Dozierenden haben sehr wohl verstanden, dass die Klimakrise nur interdisziplinär gelöst werden kann. Nichtdestotrotz werden wir technische Lösungen brauchen, um gewisse fossile Infrastrukturen zu ersetzen.

Die Hochschulen können die Klimakrise genauso wenig lösen wie die Wirtschaft. Wir können aber als progressive Kraft in der Gesellschaft wirken. Den ersten Schritt in diese Richtung machen wir mit dem Vortrag der jungen britischen Journalistin und Podcasterin Rachel Donald am 22. März 2023: Planet Critical – Making Sense of the Crisis.


Ich wünsche allen erholsame Festtage und einen guten Rutsch. Auch im nächsten Jahr wird uns die Arbeit nicht ausgehen.

Herzlichst,
Henrik Nordborg