Geh aus mein Herz und suche Freud

Manchmal braucht man einfach eine Pause. Mein Lieblingsort, um Energie zu tanken, ist eine Insel an der schwedischen Ostküste, wo ich jeden Sommer seit meiner Geburt einige Wochen verbracht habe. Nicht nur kenne ich die Menschen dort, sondern die Landschaft ist inzwischen im neuronalen Netz meines Hirns permanent gespeichert. Es tönt vielleicht sentimental, aber ich bin mit einigen Felsen und Bäumen dort gut befreundet.

Hier das Ergebnis eines Spazierganges am frühen Morgen im vergangenen Sommer. Vielleicht hilft es euch auch, in diesen eher düsteren Zeiten etwas Seelenruhe zu finden.

Ein morgendlicher Spaziergang in Schweden. Musik: The Real Group, Stämning (2002)

Es handelt sich in keiner Weise um unberührte Natur. Auf der Insel gibt es drei bekannte Siedlungen aus der Jungsteinzeit und die Wikinger waren auch dort. Viele Ortsnamen in der Gegend fangen mit Tor- an, dem skandinavischen Namen des Wettergottes. Wir können also davon ausgehen, dass die Insel währenden der letzten 5000 Jahre landwirtschaftlich genutzt wurde. Diese Landwirtschaft war offensichtlich nachhaltig, denn der Boden ist immer noch sehr fruchtbar. Für die letzten 100 Jahre trifft dies wohl nicht mehr zu, wegen Überdüngung und Pestiziden. Ausserdem ist die Ostsee inzwischen so dreckig, dass die Fische nur in Schweden gegessen werden dürfen. Das grösste Problem mit Surströmming ist nicht der Gestank, sondern die chemische Verseuchung.

Zur Musik: Die Hymne «I denna ljuva sommartid» ist eines der bekanntesten Kirchenlieder Schwedens und wird in dieser Version von «The Real Group» gesungen. Der Text ist eine Übersetzung aus dem Deutschen und das Original wurde von Paul Gerhardt im Jahr 1653 geschrieben. Offensichtlich haben schon damals einige Menschen eine tiefe Verbundenheit zur Natur verspürt, denn es handelt sich um einen Lobesgesang auf die Schöpfung.

Der deutsche Titel «Geh aus mein Herz und suche Freud» ist keine schlechte Empfehlung für die heutige Zeit. Nur wenn es uns bewusst ist, wie viel wir durch die Klima- und Umweltzerstörung verlieren werden, können wir die nötige Kraft und Motivation finden, etwas dagegen zu tun.

Wer auf einer Insel lebt, tut gut daran, sparsam mit Ressourcen umzugehen. Die Bewohner der Osterinsel haben dies nicht begriffen und sind als Zivilisation kläglich gescheitert. Wer auf dem einzig bewohnbaren Planeten im bekannten Universum lebt, täte auch gut daran, die Umwelt zu schonen. Leider wird diese einfache Feststellung im heutigen politischen Klima immer noch mit Radikalismus gleichgesetzt. Mit dem jüngsten Klimabericht des IPCC ist die Kluft zwischen dem wissenschaftlich Notwendigen und dem politisch Machbaren noch grösser geworden. Wir sollten übrigens aufhören, vom «Klimawandel» zu reden. Der Begriff wurde von politischen Beratern der Erdöllobby eingeführt, weil er weniger bedrohlich klingt als «Erderwärmung». Er ist aber sehr ungenau, da er nichts über die Ursachen und Folgen aussagt. Wenn schon, müssten wir immer vom «menschengemachten Klimawandel mit katastrophalen Auswirkungen» sprechen, was eindeutig zu lang ist. Ein wissenschaftlich präziserer Name wäre «Klimazerstörung». Nur wenn wir bereit sind, das Problem beim Namen zu nennen, können wir es auch lösen.

Die Klimazerstörung kann gestoppt werden. Nach diesem Sommer bin ich entschlossener denn je, dies auch zu tun: www.global-climate-compensation.org.

PS: Der Networkingtag an der OST in St Gallen verspricht spannend zu werden. Anmeldungen sind noch möglich.

Energie und Umwelt!

Frau Bundesrätin Simonetta Sommaruga und viele andere Politiker*innen haben sich vor zwei Jahren von der Klimajugend beeindruckt gezeigt. Das ist schön und gut, aber eigentlich sind es die gewählten Politiker*innen, die sich um die Zukunftsstrategie der Nation kümmern sollten, und nicht die Schulkinder.

Ich bin auch von der Klimajugend und ihrem Climate Action Plan begeistert. Sorgen macht mir eher die Nicht-Klimajugend. Wir dürfen nicht vergessen, dass die grosse Mehrheit der Jugendlichen sich anscheinend gar nicht für ihre eigene Zukunft interessiert. Wenn Studierende unserer Hochschule eine Nachhaltigkeitswoche organisieren, sind leider nur einige Studiengänge vertreten. Die grosse Mehrheit der Studierenden scheint nicht verstanden zu haben, dass die Welt sich verändert hat. Das ist übrigens an der ETH nicht anders. Ich finde dieses Verhalten merkwürdig. Der Generalsekretär der UNO nennt es selbstmörderisch. Wer nicht bereit ist, auf einem sinkenden Schiff mit dem Pumpen auszuhelfen, ist nicht besonders schlau.

Die Studiengänge für Enerige- und Umwelttechnik aus der ganzen Schweiz haben ein Video gedreht, um auf die spannende Karrieremöglichkeiten in diesem Bereich aufmerksam zum machen. Wenn wir in diesem Tempo weiter ausbilden, schaffen wir die Energiewende nie.

Wir stehen vor gigantischen Herausforderungen. Ein Teil der Lösung wird sicher der komplette Umbau der globalen Energieinfrastruktur sein. Die Frage ist nur, wer die ganze Arbeit machen soll. Wer heute Energie und Umwelttechnik studiert, erwirbt nicht nur das richtige Wissen für die Zukunft, sondern hat bereits am Ende des Studiums das richtige Netzwerk für eine erfolgreiche und sinnstiftende Karriere.

Die Generalversammlung und der Frühlingsanlass von swisscleantech vom 3. Mai hat wieder gezeigt, wie schnell sich die Wirtschaft verändert. Die Mitglieder dieses Wirtschaftsverbandes haben mehr als 400’000 Angestellte und das Netzwerk wächst schnell. Die grösste Sorge dieser Firmen ist inzwischen, dass sie nicht genug qualifizierte Arbeitskräfte finden werden.

Übrigens, es lohnt sich, die Agenda 2030 von swisscleantech zu lesen. Sie fasst sehr gut zusammen, was wir tun müssen.

Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“